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08.12.2013

11:14 Uhr

FDP-Chef Christian Lindner

Der Mann, den sie „Bambi“ nannten

Jürgen Möllemann verpasste ihm den Spitznamen „Bambi“, jetzt ist der 34-Jährige der neue FDP-Chef: Christian Linder. Seine „persönliche Mission“: Die Rückkehr der FDP in den Bundestag.

Christian Lindner, der neue Chef der Liberalen: Persönliche Mission. dpa

Christian Lindner, der neue Chef der Liberalen: Persönliche Mission.

BerlinNach der historischen Wahlpleite der FDP Ende September zögerte Christian Lindner nicht lange: Er erklärte bereits am Tag danach offiziell seine Kandidatur für den Bundesvorsitz. Seitdem zimmert der 34-Jährige an einem Team und arbeitet am Konzept für einen Wiederaufstieg der Liberalen. Am Samstag nun wählte ihn der Bundesparteitag mit 79 Prozent in Berlin zum neuen Vorsitzenden. Ein besseres Resultat war angesichts der schwierigen Lage und zweier Gegenkandidaten kaum erreichbar.

Der als scharfzüngiger Rhetoriker bekannte nordrhein-westfälische Landes- und Fraktionschef lief schon vor seiner Wahl in einer Bewerbungsrede zu Höchstform auf und betonte kämpferisch, außerparlamentarische Opposition bedeute für ihn „Machete statt Florett“. Die Zeit der Trauerarbeit sei zu Ende. Für die schwierige Aufgabe sei jedoch jeder Einzelne gefragt.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Der gebürtige Wuppertaler steht vor einer schwierigen Aufgabe, denn er muss die Partei neu ausrichten und dabei aufgrund der geringeren personellen und finanziellen Ressourcen Prioritäten setzen. Doch es wird schwierig werden, die FDP in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Hier könnte sich aber eine Chance bieten, weil bei einer großen Koalition die Opposition im Bundestag klein wäre.

Lindner gehört bereits seit März dem Präsidium als Bundesvize an. Unter seinen Vorgängern Guido Westerwelle und Philipp Rösler war er einst Generalsekretär. Doch im Dezember 2011 hing er wegen Differenzen mit Rösler sein Amt überraschend an den Nagel. Er begründete dies später damit, dass er sich nur noch als Sprecher des Vorsitzenden gefühlt habe. In der Partei hat er mit dem Schritt viele enttäuscht, bei einigen hängt der Frust bis heute nach.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.12.2013, 09:27 Uhr

Warum werden unbedeutende Parteien mit so viel Aufmerksamkeit in der Presselandschaft beachtet?
Sich unter "Moormax GmbH" im INternet informieren würde zudem ein sehr deutliches Licht auf die neue "Lichtgestalt" werfen. Das sollen also unsere Vorbilder sein?

Hermann_Meier

10.12.2013, 16:14 Uhr

Dieser Bilderberger soll die FDP "retten"? Das hätte die NWO-Eliten wohl gerne. Lachhaft!

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