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11.11.2014

08:11 Uhr

FDP-Chef Christian Lindner

Erhalt der Infrastruktur soll ins Grundgesetz

ExklusivFDP-Chef Christian Lindner wirft der Regierung vor, bei Investitionen zu sparen und nicht an die Zukunft zu denken. Im Interview spricht er auch über planwirtschaftliche Energiepolitik und Grillfeste von Gotteskriegern.

Der Bundestag sei zu einer „Vollversammlung der Sozialdemokratie“ geworden, sagt FDP-Chef Christian Lindner. dpa

Der Bundestag sei zu einer „Vollversammlung der Sozialdemokratie“ geworden, sagt FDP-Chef Christian Lindner.

DüsseldorfFDP-Chef Christian Lindner fordert, öffentliche Investitionen, etwa in Straßen und den Breitband-Ausbau, in der Verfassung festzuschreiben. „Ich schlage vor, dass wir den Erhalt der Infrastruktur als Staatsziel ins Grundgesetz aufnehmen“, sagte Lindner im Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

Dies sei dann eine „klare Ansage an die Politik: Du darfst in einer alternden Gesellschaft, in der die Rentner auf die Wahlergebnisse enormen Einfluss haben, nicht die Infrastruktur vernachlässigen“.

Das ist Christian Lindner

Heimat

Christian Lindners Heimat ist das Bergische Land. Geboren wurde er am 7. Januar 1979 in Wuppertal, aufgewachsen ist er in Wermelskirchen.

Studium

Der Wermelskirchener studierte Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie an der Rheinischen Friedrich‐Wilhelms‐Universität Bonn und schloss sein Studium 2006 mit einem Magister Artium ab. In seiner Magisterarbeit am Institut für politische Wissenschaft beschäftigte er sich mit dem Thema „Steuerwettbewerb und Finanzausgleich. Kann die Finanzverfassung reformiert werden?“. Anschließend begann er mit der Abfassung seiner Dissertation, die er aufgrund seiner politischen Tätigkeit aber bisher nicht abgeschlossen hat.

Beruflicher Start

Von 1997 bis 2004 war Lindner Inhaber einer Werbeagentur sowie Mitgründer eines Internet‐Unternehmens. In dieser Zeit gab er zwei Fachbücher heraus.

Politischer Werdegang

Mit 16 trat er der FDP bei. Von 1996 bis 1998 war er Landesvorsitzender der Liberalen Schüler NRW und Vorstandsmitglied der Jungen Liberalen NRW.

Gestalter in Düsseldorf

Seit 1998 ist Linder Mitglied des NRW-Landesvorstandes der FDP. Von 2000 bis 2009 war er Abgeordneter des nordrhein‐westfälischen Landtags, wo er die Themen Generationen, Familie, Integration sowie Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie verantwortete, seit 2005 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Von 2004 bis April 2010 war Lindner zugleich Generalsekretär des FDP‐Landesverbandes Nordrhein‐Westfalen.

Von Düsseldorf nach Berlin

2009 wechselte Lindner in den Deutschen Bundestag und wurde zum Generalsekretär seiner Partei berufen. Dieses Amt gab er im Dezember 2011 zurück. Sein Bundestagsmandat gab er im Zuge der NRW‐Landtagswahl im Juli 2012 auf.

An die Spitze der FDP

Lindner ist seit der Landtagswahl im Mai 2012 Mitglied des Landtages (Rheinisch-Bergischer Kreis) sowie Vorsitzender der Landtagsfraktion und des Landesverbandes der FDP in Nordrhein‐Westfalen. Nach einer historischen Zäsur für die FDP bei der Bundestagswahl 2013 wurde er am 7. Dezember des selben Jahres zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt.

Privates

Lindner ist seit August 2011 mit der „Zeit“-Journalistin Dagmar Rosenfeld-Lindner verheiratet.

Der Großen Koalition aus Union und SPD warf der FDP-Chef vor, bei Investitionen zu sparen und zu wenig an die Zukunft zu denken. „Wer nur Interessen und Ängste der Rentner bedient, versündigt sich an deren Enkeln“, sagte Lindner. Der Bundestag sei zu einer „Vollversammlung der Sozialdemokratie“ geworden.

„Statt die Anpassungsfähigkeit für innovative Lösungen zu stärken, bekommen wir Preiskontrollen bei Löhnen und Mieten“, sagte Lindner. Schwarz-Rot verfolge zudem eine „planwirtschaftliche Energiepolitik, die den Fortschritt bremst“. Das Rentenpaket sei ein „Frühverrentungsprogramm“.

Zur Debatte um Islamismus in Deutschland sprach sich Lindner indirekt für eine härtere Antwort des Staates aus. „Ich habe den Eindruck, dass im Umgang mit radikalisierten Salafisten (…) die gesetzlichen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft werden, möglicherweise nicht ausreichen“, sagte der FDP-Chef.

„Wenn in Bonn auf den Rheinwiesen Grillfeste gemacht werden, die nur dazu dienen, Gotteskrieger zu rekrutieren, ist das nicht zu tolerieren“, so Lindner. Das gelte auch für Kieze in Berlin, „wo sich die Polizei nicht hineintraut, weil libanesische Banden dort das Sagen haben“.

Eine liberale Gesellschaft müsse „ihre Wehrhaftigkeit gegen alle stärken, die unsere Toleranz nutzen wollen, um sie von innen auszuhöhlen“.

Kommentare (7)

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Herr Hans Wurst

11.11.2014, 09:05 Uhr

Lindner go home. Einst habe ich Euch gewählt, denn ihr wolltet ja ein "...einfacheres, gerechteres Steuersystem...". Ihr wurdet gewählt! Ei wo isses denn?

Würdet ihr wieder ans Ruder kommen, so würdet ihr weder in Infratruktur investieren, noch würdet ihr gegen den Islam vorgehen. Ihr wollt nur an die Fleischtöpfe!

Dabei gefällt mir Eure Funktion derzeit recht gut. Als mahnendes Beispiel dafür, dass man doch abgestraft werden kann, wenn man den Wähler betrügt!!!

Ihr solltet daher als Mahnmal für die schwarzen, roten, grünen und linken Lügner dienen, damit die immer wissen, was passieren kann, wenn man zu weit geht.

In diesem Sinne wünsche ich ein Verbleib im Schatten, abseits der Futtertröge, um die es Euch in Wirklichkeit geht.

P.S. Zahlen sie dem Steuerzahler erst einmal das Geld aus der Moomax Pleite zurück!

Herr Theo Gantenbein

11.11.2014, 09:22 Uhr

Was hat die FPD in den letzten 20 Jahren geleistet? Nichts!

Anstatt echter Wirtschaftsliberalität wurden die Privilegien der Klientel (z.B. Notare und Apotheker) zementiert und an Hoteliers Steuergeschenke verteilt.

Weg mit der FDP und her mit der AfD!

Herr F. Gessw.

11.11.2014, 09:30 Uhr

Ein sehr schöner Beitrag, der belegt, dass man andere durchaus treffend analysieren und beschreiben kann, aber sich selbst mal ganz unkritisch übergeht. Warum haben Sie denn die FDP gewählt? Wegen dem "gerechteren" Steuersystem? Das können Sie doch wohl selbst nicht glauben. Wer die FDP gewählt hat, wollte selbst weniger Steuern zahlen und damit war Ihnen die Infrastruktur und der soziale Zusammenhalt dieses Landes erst mal egal. Und jeder, der ein bißchen rechnen kann, muss schon damals gewusst haben, dass die FDP nur Unsinn erzählt hat und die gleiche Bauernfänger-Masche anwendet wie die Republikaner in den USA.

Aber ich freue mich, dass Sie nicht mehr die FDP wählen und hoffe, dass auch sonst niemand mehr diese Wirtschaftsmarionetten im Bundestag sehen will - und da ist C. Linder noch eine der am wenigsten unsympathischen Figuren, Sie sollten sich mal M. Lindner oder P. Döring ansehen in den Mitschnitten von Bundestagsdebatten.

Ach ja, bitte sagen Sie jetzt nicht, dass Sie eine gute ALTERNATIVE gefunden haben...Bitte....

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