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02.06.2015

15:59 Uhr

FDP-Chef Lindner im Interview

„Finanzminister-Darsteller Varoufakis muss gehen“

VonNils Rüdel, Oliver Stock

Die FDP ist im Aufwind, und Parteichef Christian Lindner teilt aus. Im Interview spricht er über die zähen Verhandlungen mit Griechenland, über Kremlchef Putin, die AfD – und seine persönliche politische Zukunft.

Der wiedergewählte FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner ist auf der Suche nach Verbündeten. dpa

Christian Lindner

Der wiedergewählte FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner ist auf der Suche nach Verbündeten.

Herr Lindner, eine gute Nachricht für Sie: Die AfD sagt den Parteitag ab, Ihr Konkurrent zerfleischt sich gerade selbst. Profitieren Sie davon, und spüren Sie Genugtuung?

Nein, die AfD ist mir egal. Das ist nicht unser Wettbewerber. Für uns sind Individualität, Weltoffenheit und Fortschritt wichtig. Damit sind die Freien Demokraten das Gegenteil der AfD.

Heißen Sie denn Ex-AfDler, die in die FDP eintreten wollen, bei Ihnen willkommen?

Es gibt tatsächlich Kommunalpolitiker der AfD, die einen Wechsel zu uns sondieren. Wir haben unserer Basis deshalb empfohlen, jedes Eintrittsgesuch aus der AfD kritisch zu prüfen. Die Aufnahme wird eher die Ausnahme bleiben.

Sie prüfen bei der AfD besonders streng?

Ja, wir würden es bei Eintritten aus der Linkspartei ja genauso halten. Wer die AfD bis in diese Tage noch gut gefunden hat, mit ihren Ressentiments und ihren völkischen Ideen, der passt nicht zu uns. Wir wollen liberale Überzeugungstäter.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Um wie viele Fälle geht es?
Ich habe kein Interesse daran, irgendwelche Zahlen zu verbreiten.

Würden Sie (AfD-Chef) Bernd Lucke aufnehmen?

Er sagt ja von sich selbst, er sei kein Liberaler. Das stimmt.

Und (EU-Parlamentarier) Hans-Olaf Henkel wieder zurücknehmen?
(lacht) Auch da habe ich meine Bedenken. Ich weiß, auf welche Schlagzeile Sie hinauswollen, aber das ist wirklich kein Thema.

Die AfD kann bei ihrem einstigen Kernthema, der Euro-Kritik, trotz griechischen Schuldendramas nicht punkten. Stattdessen fielen Sie zuletzt durch schärfere Töne Richtung Athen auf...
Die Krisenstrategie, die wir seit 2010 verfolgen, muss dringend fortgesetzt werden. Ja zu Hilfen - aber nur im Gegenzug zu marktwirtschaftlichen Reformen. Wenn die Regierung Tsipras dazu jetzt bereit sein sollte, gut. Wenn nicht, kann es kein zusätzliches Geld geben, dann verabschiedet sich Athen selbst aus dem Euro. Die Pläne der griechischen Regierung müssen also genau geprüft werden.

Kommentare (12)

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Herr Jens Großer

02.06.2015, 16:12 Uhr

Noch vor wenigen Monaten wurde die FDP bei jeder Gelegenheit medial zerstört. Jetzt wird sie fast überall hofiert. So ändern sich die Zeiten!

Die AfD muss sich schon deswegen erholen, damit die Arroganz der Medien und etablierten Parteien/Politiker einmal mehr bestraft wird!

Herr Hans Mayer

02.06.2015, 16:26 Uhr

Der hats nötig andere als Darsteller zu beschimpfen, viel hat er bisher nicht auf die Beine gestellt, der Herr Ex Unternehmer Lindner. Und wo ist eigentlich sein Versoffener Wirtschaftsminister Brüderle abgeblieben, den traf man hauptsächlich in Wirtshäusern in der Pfalz,
Die FDP, die Partei der Spezialspezialisten...

Herr John Lamp

02.06.2015, 16:31 Uhr

Ein erfolgsloser Unternehmer der sich selbst als Sprecher/Führer der Unternehmen eines erfolgreichen Landes versteht, möchte dass ein erfolgreicher Professor d Volkswirtschaften eines erfolglosen Landes seinen Hut nimmt und geht. Nun Herr Varoufakis wird nach dem er gegangen ist ein gefragter Mann sein. Was wird wohl auch C.L., wenn es die FDP nicht mehr gibt?

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