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06.01.2011

16:05 Uhr

FDP-Dreikönigsrede

Westerwelle kämpft - ohne große Leidenschaft zu wecken

Die FDP applaudiert ihrem Vorsitzenden, doch überspringen will der Funke nicht. Vor dem Schicksalsjahr mit sieben Landtagswahlen signalisiert Guido Westerwelle in seiner Dreikönigsrede, dass er kämpfen will. Generalsekretär Lindner, als potenzieller Nachfolger gehandelt, vermeidet das Rededuell. Die Kritik der SPD ist vernichtend.

Nachdenklicher FDP-Chef: Westerwelles Rede wurde mit verhaltenem Applaus aufgenommen DAPD

Nachdenklicher FDP-Chef: Westerwelles Rede wurde mit verhaltenem Applaus aufgenommen

HB STUTTGART. Entschlossen zum Kampf und ohne einen Hauch von Selbstzweifeln - so präsentierte sich Guido Westerwelle zu Dreikönig seinen Anhängern. Der FDP-Chef bekam dafür in Stuttgart viel Applaus. Doch der Funke sprang nicht so recht über. Über weite Strecken rechtfertigte der angeschlagene Parteivorsitzende den bisherigen Kurs seiner Partei in der schwarz-gelben Koalition: "Man kann sagen, das reicht noch nicht. Oder man sagt: Der Anfang ist gemacht." Der seit Wochen in der FDP tobende Machtkampf um die Führung der Partei fand in Stuttgart keine Fortsetzung.

Am Ende seiner Rede gab es für Westerwelle fast drei Minuten Beifall der etwa 1000 Zuhörer. Das Stuttgarter Staatstheater hat aber schon stürmischere Jubel-Veranstaltungen für ihn gesehen. Zum Auftakt des schicksalhaften Landtagswahl-Jahres ist jetzt aber für jeden in der FDP erkennbar: Westerwelle wird trotz des dramatischen Vertrauensschwunds seiner Partei und seiner verheerenden Sympathiewerte als Außenminister kampflos das Feld nicht räumen. Manche hatten bei der traditionellen Dreikönigskundgebung ein Rededuell zwischen Westerwelle und seinem Generalsekretär erwartet. Das fand nicht statt, auch wenn Christian Lindner nach Meinung einiger Kundgebungsteilnehmer eine Rede mit mehr Tiefgang gehalten hat.

Das politische Naturtalent, das an diesem Freitag seinen 32. Geburtstag feiert und als der neue starke Mann in der Partei gilt, lieferte einen Kompaktkurs für einen neuen Liberalismus, der sich nicht nur auf Fragen der Wirtschaft und der Steuern konzentriert. Dazu rief Lindner die Grünen mit ihren inzwischen phänomenalen Umfragewerten zum Hauptgegner aus: "Die Grünen sind eine linke Partei. Sie sind das trojanische Pferd der deutschen Politik."

Lindner erhielt auch viel Applaus, aber nicht so stürmisch, dass es als Inthronisierung zum Westerwelle-Erben verstanden werden konnte. Die Rede des Parteichefs war gespickt mit Durchhalteparolen: "Wir haben den Anfang des Politikwechsels geschafft (...) Wer ein Land regieren will, muss auch Durststrecken ertragen (...) Ich bitte Sie, schalten Sie ihr liberales Immunsystem ein." Echte Selbstkritik war nur selten zu hören: "Wir sind auf dem richtigen Weg trotz aller Holprigkeiten und Schwierigkeiten."

Parteivize Rainer Brüderle lobte nach der Kundgebung in Stuttgart die Ansprache zum politischen Jahresauftakt ausdrücklich. Westerwelle habe die Erfolge der Freidemokraten in Deutschland deutlich gemacht. "Der Politikwechsel hat gewirkt", betonte er.

Fraktionschefin Birgit Homburger sagte, Westerwelle habe die Partei mit seiner kämpferischen Rede gehalten auf die bevorstehenden Wahlkämpfe eingeschworen. "Ich bin überzeugt davon, dass wir jetzt gemeinsam kämpfen und gewinnen werden", sagte die baden-württembergische Landeschefin.

Kommentare (21)

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nik

06.01.2011, 17:34 Uhr

Herr Lindner,

ich gebe ihnen Recht, dass die Linken sich als Grüne getarnt haben oder andersherum, aber leider ist jede Partei ein trojanisches Pferd. Jede Partei handelt gegen den Willen des Volkes.

Die FDP weist eine vernichtende bilanz vor. Schade dass Sie sich nicht von Herrn Westerwelle verabschiedet haben.
Die FDP springt hoffentlich wieder auf 1-2% zurück, wo sie keinen weiteren Schaden mehr anrichten kann. Zur Verteidigung muss ich sagen, dass die CDU ebenso schlecht war. Nur die haben wenigstens nciht so viel versprochen, sodass die Lügen nciht so auffällig waren.

Martina

06.01.2011, 17:45 Uhr

Politik Affentheater....

trottellumme

06.01.2011, 17:49 Uhr

"Die Grünen sind eine linke Partei. Sie sind das trojanische Pferd der deutschen Politik."

Die FDP sind das trojanische Pferd der Liberalen. Letztere finden sich bei den Grünen besser aufgehoben.

Schönen Tag noch

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