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28.02.2013

10:50 Uhr

FDP-Fraktionsvize

Steinbrück mutiert zu deutschem „Peerlusconi“

VonDietmar Neuerer

ExklusivAus Peer Steinbrücks Kritik an Silvio Berlusconi ist ein Bumerang geworden: Als „Peerlusconi“ verspottet die FDP den Kanzlerkandidaten. SPD und Grüne dagegen stärken Steinbrück den Rücken – größtenteils.

Kanzlerkandidat spricht Klartext

Steinbrück löst mit „Clown”-Bemerkung Eklat aus

Kanzlerkandidat spricht Klartext: Steinbrück löst mit „Clown”-Bemerkung Eklat aus

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BerlinDie Kritik an den abfälligen Italien-Äußerungen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück reißt nicht ab. „In die Schweiz schickt er die Kavallerie, nach Zypern die Piraten, italienische Politiker sind für ihn Clowns: Peer Steinbrück hat mehr als deutlich unter Beweis gestellt, dass er ein außenpolitisches Sicherheitsrisiko ist“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online. „Er mutiert zunehmend zu einem deutschen Peerlusconi.“ Was Steinbrück gerne mit „Klartext“ umschreibe, sei in Wahrheit „Stammtisch der untersten Kategorie“.

Die SPD-Linke stärkte Steinbrück den Rücken. Steinbrücks Clown-Bezeichnung sei „mit Blick auf Herrn Berlusconi eher noch freundlich ausgefallen“, sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand, Ralf Stegner, Handelsblatt Online. „Insofern finde ich daran nichts kritikwürdig.“ Im Übrigen habe er selbst bei Twitter das gleiche Bild mit den zwei Clowns gewählt, fügte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein hinzu.

Peer Steinbrück - seine Biographie

Gebürtiger Hamburger

Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

Zwei Jahre Bundeswehr

1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Parteieintritt

1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

Studium

1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

Zeit als Referent

1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

Büroleiter in Düsseldorf

1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

Staatssekretär in Kiel

Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

Als Minister zurück in NRW

1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Ministerpräsident

Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister

Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Vortragsredner

Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Rückendeckung kommt auch vom Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen-Bundestagfraktion, Volker Beck. „Clown ist für Berlusconi ein unverdientes Kompliment“, sagte Beck Handelsblatt Online. „Das ist ein Euphemismus, wenn man sich erinnert, wie er Gesetze verbogen und geändert hat, um sich strafrechtlicher Verfolgung zu entziehen.“

Internationale Pressestimmen zur Wahl in Italien

„La Stampa“

„Grillo – Boom. Parlament blockiert“

„Corriere de la Sera“

„Schockvotum: Es gibt keine Mehrheit“

„La Repubblica“

„Grillo – Boom. Italien unregierbar“

„Guardian“:

„Gefahr eines Patts im Parlament lässt Eurozone schaudern“

„The Times“:

„Sorgen um die Eurozone, nachdem Wähler den Joker unterstützen“

„Financial Times“:

„Grillos Neulinge geben der Wut von Millionen eine Stimme“

„Les Echos“:

„Italien fällt zurück in die politische Paralyse“

„Libération“:

„Umbruch auf italienisch“

„Le Figaro“:

„Gesetzgebung droht in politischer Sackgasse zu landen“

„Le Parisien“:

„Italien von Grillos Welle überschwemmt“

„Kronen Zeitung“:

„Chaoswahlen: Italien vor totaler Unregierbarkeit“

„Kurier“:

„Politisches Patt droht: Italien wird unregierbar“

„Österreich“:

„Berlusconi stürzt Europa ins Chaos“

„Die Presse“:

„Krisenland Italien droht Polit-Blockade“

„El País“:

„Berlusconi und Grillos Antipolitik machen Italien unregierbar“

„ABC“:

„Europa stolpert ein weiteres Mal über Berlusconi“

„La Razón“:

„Ein unregierbares Italien löst in Europa Alarmstimmung aus“

„Rossijskaja Gaseta“:

„Ein Tsunami namens Grillo“

„Kommersant“:

„Italien zeigt sich gemäßigt“

Steinbrück erhielt allerdings auch auch Kritik aus den eigenen Reihen. "Es ist nicht diplomatisch, das politische Personal eines befreundeten Staates mit solchen Begriffen zu belegen", sagte die SPD-Politikerin Ulla Burchardt der "Passauer Neuen Presse". Sie ist Vorsitzende der deutsch-italienischen Parlamentariergruppe.

Kommentare (103)

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Adolf

28.02.2013, 05:43 Uhr

"Peerlusconi" ich schätze sie fühlen sich dadurch beide beleidigt.
"Merkozy" war schlimm genug und jetzt "Peerlusconi" das ist zu viel des Guten. Zu viel Politik-Clown-Paare.

sonnigegruesse

28.02.2013, 06:35 Uhr

Das ist der Gipfel der Heuchelei!
Ganz Deutschland denkt so wie Steinbrück! Grillo ist ja tatsächlich sozusagen beruflich ein Clown und zu Berlusconi fällt mir immer weider der Batman Film ein in dem Jack Nicolson den Joker spielt, genau dieses diabolische Grinsen, einfach widerwärtig!
Bravo Steinbrück, endlich mal jemand, der den Mut hat Klartext zu reden.
Selbst meine italienischen Facebook Freunde sehen Berslusconi so!

Kinghut

28.02.2013, 06:38 Uhr

Man muss sich mal anschauen, wie nüchtern und sachlich aber bestimmt die italienischen Medien die deutsche Krise der Politik mittlerweile sehen! Freilich, sie nehmen sich nicht aus der Kritik, aber sie sehen die deutsche Politik eben in einer lang anhaltenden Krise. Wo sie recht haben, haben sie recht, nicht war Peer Clownski?

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