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16.10.2013

11:09 Uhr

FDP-Nachwuchs verliert Chef

„Beleidigungen, Verletzungen, Unterstellungen“

VonDietmar Neuerer

Die FDP-Krise trifft nun auch den Nachwuchs der Partei mit voller Wucht. Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, tritt ab. Er zieht damit die Konsequenz aus teilweise massiven persönlichen Anfeindungen.

Lasse Becker, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen: Der bekennende Liberale zieht sich bei der FDP-Nachwuchsorganisation zurück und will beim Wiederaufbau der FDP helfen. picture alliance/dpa

Lasse Becker, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen: Der bekennende Liberale zieht sich bei der FDP-Nachwuchsorganisation zurück und will beim Wiederaufbau der FDP helfen.

BerlinNach der Bundes-FDP sucht nun auch der Nachwuchs der Partei mit einem personellen Neuanfang einen Weg aus der schweren Krise der Liberalen. Lasse Becker hat seinen Mitstreitern im Bundesvorstand mitgeteilt, dass er zum Bundeskongress in Düsseldorf als Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis) zurücktreten werde. Zur Begründung führte Becker auf seiner Facebook-Seite den „notwendigen und überfälligen“ Generationenwechsel an der Spitze der JuLis, die „Chance einer unbelasteten Führung“ der Jungen Liberalen, aber auch persönliche Gründe an.

„Bei vielen Diskussionen wurde zuletzt mancher Kommentar von mir – weil er eben von mir kam – doppelt und dreifach kritisch durchleuchtet“, erklärte Becker. „Das ist keine gesunde Grundlage für einen gemeinsamen Gestaltungsanspruch den die JuLis gerade jetzt deutlich machen müssen.“ Klar sei aber für ihn, dass es nicht gut sei, wenn Funktionsträger prinzipiell ihrem Vorsitzenden misstrauen.

Der tiefe Fall der FDP

Ende einer Ära

Die Liberalen sind bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen. Als Regierungspartei ereilte dieses Schicksal bisher nur die damalige Kriegsgeschädigten- und Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) 1957 in der jungen Bundesrepublik.

Die Königsmacher

Seit 1949 saß die FDP ununterbrochen im Parlament. Mehr als vier Jahrzehnte war sie an Bundesregierungen beteiligt und bei Kanzlerwechseln mehrfach das Zünglein an der Waage.

Hohe Stimmenverluste

Den in früheren Jahren größten Stimmenverlust mussten die Liberalen 1994 hinnehmen. Damals rutschten sie von 11,0 auf 6,9 Prozent - ein Verlust von 4,1 Punkten. Nach ihrer „Wende“ von der SPD zur Union war die Partei aber schon 1983 auf 7,0 Prozent abgerutscht (minus 3,7).

Der Tiefpunkt

Schon 1969 hatte der FDP fast das Totenglöcklein geläutet. Mit ihrem schlechten Ergebnis von 5,8 Prozent (minus 3,7) überwand sie nur knapp die Sperrklausel, konnte aber mit der SPD eine sozial-liberale Bundesregierung bilden. Das Bündnis hielt 13 Jahre lang bis 1982.

Letzte Bastion Baden-Württemberg

Mehr als 50 Mal wurde die FDP aus Landtagen gekippt - zuletzt in Bayern. Nur in Baden-Württemberg ist sie noch nie gescheitert.

Becker räumte ein, dass er mit Sicherheit nicht immer der „Kompromisssuchendste“ aller JuLis gewesen sei. Viele seiner Kollegen hätten ihm vorgeworfen, „dass man mir meine Emotionen häufig nicht ansieht“. Trotzdem stehe fest: „Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen setzen jedem zu. Mir auch.“

Beckers war erst im Frühjahr als Chef der FDP-Jugendorganisation bestätigt worden – jedoch erst im zweiten Wahlgang mit 74 Prozent der Stimmen. Becker ist bereits seit 2010 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen. Nach der verlorenen Bundestagswahl ging Becker hart mit der Parteiführung ins Gericht. Er sprach von einem „heftig desaströsen Ergebnis“ für die FDP, das auf Fehler in der Wahlstrategie zurückführte: „Die Kampagne war alles andere als gut. Die Bettelkampagne ohne eigene Inhalte ist ein Fehler gewesen. Das müssen wir in Demut akzeptieren und mit dem Projekt Wiederaufbau beginnen“, sagte Becker damals.

Kommentare (15)

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SCHADENfeind

16.10.2013, 12:02 Uhr

der und die hamn doch auch einen großteil unsrer bürger ins schlechte licht gestellt,diskriminiert und angefeindet und ebenso mit den miesesten unterstellungen gearbeitet.

kann es da wundern,daß der ganze dreck und saich auf die julis zurückgespült wird....

ab in die produktion mit diesen kreaturen

Account gelöscht!

16.10.2013, 12:27 Uhr

Ich schätze dieser Diplom-Volkswirt wird sich nicht in der Produktion wiederfinden. Denn wo sollte man dann Leute wie Sie unterbringen?

Marcus.Viefeld

16.10.2013, 12:30 Uhr

"Von einer „krassen Überraschung“ spricht ein Marcus Viefeld."

Herzlichen Dank für die Erwähnung in Ihrem Artikel, aber der Vollständigkeit halber:
Marcus Viefeld, FDP-Bundestagskandidat und ehemaliger Landesvorsitzender der Jungliberalen Aktion (JuliA) Sachsen, zur gleichen Zeit, als Lasse Becker noch Landesvorsitzender der JuLis Hessen war.

Weiterhin wäre ich vorsichtig, die Beweggründe von Lasse Becker nur auf 'Beleidigungen, Verletzungen, Unterstellungen' zu reduzieren, wie in der Überschrift unterstellt.
Lasse Becker hat für den Wahlkampf seine Dissertation zurück gestellt, er hat sich nie um ein Mandat beworben, sondern bewusst ein Bein ausserhalb der Politik stehen lassen.

Derartige Idealisten gibt es nicht mehr so viele, und daher entziehen sich die Begründungen eventuell auch den üblichen Schablonen. Um so mehr war ich in der Tag von dieser Ankündigung überrascht!

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