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03.09.2013

15:41 Uhr

FDP-Pannen-Statistik

Brüderle vergleicht Steinbrück mit Fiat Punto

VonDietmar Neuerer

FDP-Fraktionschef Brüderle ist für seine kernigen Sprüche bekannt. Im Bundestag verglich er SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mit dem Pannenauto Fiat Punto. Doch ganz so schlecht ist das Fahrzeug gar nicht.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle, Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl: Harte Attacken auf Steinbrück. dpa

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle, Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl: Harte Attacken auf Steinbrück.

BerlinIn Bundestagsdebatten ist es normal, dass sich Koalition und Opposition fetzen. In Wahlkampfzeiten auch schon mal einen Zacken schärfer, vor allem dann, wenn die letzte Plenarsitzung vor der Bundestagswahl am 22. September ansteht. Nach dem TV-Duell am Sonntag schöpft die SPD wieder Hoffnung. Entsprechend scharfzüngig fiel die Rede von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aus. Mit einem Frontalangriff auf die Regierungspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte er weiter Boden gut zu machen.

Nun könnte man meinen, dass ihm das nicht allzu schwer fallen dürfte bei einer Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die ihren Wahlkampfendspurt mit einem Übermaß an Leidenschaftslosigkeit bestreitet. Doch es gibt ja noch Rainer Brüderle.

Der FDP-Fraktionschef ist ein Vorzeige-Wahlkämpfer, ein Liberaler von altem Schrot und Korn. Einer, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, sondern der seine politischen Gegner so einseift, dass sich die Wortgefechte zu wahren Rutschpartien entwickeln können, an deren Ende Brüderle lachend von dannen zieht, wohlwissend, dass hinter ihm keiner mehr steht, weil er sie alle mit seinen verbalen Attacken umgeworfen hat.

Fakten zur Bundestagswahl

Wie läuft der Wahltag ab?

Mehr als 80.000 Wahllokale gibt es in den insgesamt 299 Wahlkreisen. Damit dort von 8 bis 18 Uhr gewählt werden kann, sind über 600.000 ehrenamtliche Wahlhelfer im Einsatz - dafür steht ihnen nicht mehr als ein Erfrischungsgeld von 21 Euro zu. Pünktlich um 18 Uhr schließen die Wahllokale, dann beginnt die Auszählung. Erste Hochrechnungen gibt es meist schon wenige Stunden später.

Wer organisiert die Wahl?

Oberster Organisator ist der Bundeswahlleiter. Der wird auf unbestimmte Zeit vom Innenminister ernannt. Traditionell wird regelmäßig der Präsident des statistischen Bundesamtes mit dieser Aufgabe betraut - seit 2008 ist deshalb Roderich Egeler Bundeswahlleiter. Er organisiert nicht nur die Bundeswahlen, sondern überprüft auch die antretenden Parteien und unterstützt die 16 Landeswahlleiter bei der Durchführung der Wahlen auf Landesebene. Auch jeder Wahlkreis hat seine eigene Wahlkreisleitung.

Wer sind die Wähler?

Wählen darf jeder, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und über 18 Jahre alt ist. Bei der Bundestagswahl am 22. September werden das 61,8 Millionen Menschen sein. Nur 3,6 Prozent der Wahlberechtigten sind zwischen 18 und 20 Jahren alt, aber über 20 Prozent der Wahlberechtigten sind 70 Jahre und älter. 51,5 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen.

Wann kommt eine Partei in den Bundestag?

Damit eine Partei bei den Wahlen antreten kann, muss sie vom Bundeswahlausschuss anerkannt werden. Unterschieden wird hier zwischen den „etablierten" Parteien, die seit der letzten Wahl mit mindestens fünf Abgeordneten im Bundestag oder in einem Landtag vertreten sein müssen, und den nicht etablierten Parteien. Nicht etablierte Parteien müssen neben ihren Unterlagen auch Unterschriftensammlungen vorlegen, um zur Wahl antreten zu können.

Um in den Bundestag zu kommen, muss eine Partei mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten - oder aber drei Direktmandate in den Wahlkreisen holen.

Auch heute greift Brüderle tief in seine Buchstabenkiste und holt Sätze hervor, die es in sich haben. Einer davon liest sich so und ist die Antwort auf die Rede von Steinbrück: „Sie haben eine Pannenstatistik wie ein Fiat Punto und führen sich auf wie ein Spitzen-BMW“, poltert der FDP-Spitzenkandidat. Der Satz wirft Fragen auf.

Ist der Punto wirklich ein Pannenauto? Und ist also auch Steinbrück ein Pannenkandidat? In der Gedankenwelt von Brüderle müsste der SPD-Mann in dieser Hinsicht eigentlich auf dem letzten Platz rangieren. Das soll er wahrscheinlich auch. Nur, der Punto ist nicht so schlecht, wie es Brüderle vermutlich gerne hätte.

Kommentare (16)

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nunja

03.09.2013, 17:27 Uhr

Dass die FDP es von einer ehemals liberalen Partei längst zur Partei der Doktrin der freien Marktwirtschaft gebracht hat, zu deren Zerberus Sie sich immer gerne wieder aufschwingt, auch egal.

Dass die FDP fleißig daran arbeitet, sich ihren Platz an den Fleischtöpfen zu sichern, auch egal.

Dass Herr Brüderle samt seinen Blockpfeifen in allen von der FDP erreichbaren Ministerien für Remmidemmi sorgt: das macht auch jeder Kläffer.

Sowas aber für liberale Politik verkaufen zu wollen: das kann man nur noch Etikettenschwindel nennen.

Beobachter

03.09.2013, 17:27 Uhr

Der Gipfel der Inhaltslosigkeit in der Wahlkampfberichterstattung ist, wenn sich ein Wortspiel derart verselbständigt, dass ein Pannenvergleich zwischen Fiat Punto und dem Kanzlerkandidaten der SPD beim ADAC abgefragt wird statt dem Vergleich nachzugehen.

Das ist wirklich nur noch albern, weder besonders originell, noch überhaupt politisch (es ist genau genommen: apolitisch) noch trägt es zur politischen Aufklärung bei.

Klar, es ist ein Beitrag der Redaktion zur Banalisierung der Beiträge der FDP im Wahlkampf, um nur ja keine Gelegenheit auszulassen, im Bekennerfieber zu zeigen, wo die Redaktion politisch steht.

apt3844

03.09.2013, 17:46 Uhr

Nunja , es tut gut ,festzustellen, daß es unter den Lesern auch viel Kompetenz gibt. So eine Pfeife wie Brüderle müßte zunächst richtig Deutsch sprechen können.
Es ist unter aller Sau was er da zusammenschwafelt.
Seine Tiraden, soweit man versteht was er babbelt, sind
höchstens für einen Stammtisch ausreichend.

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