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07.12.2013

09:29 Uhr

FDP-Parteitag

Lindner soll's richten

Im September musste die FDP eine Wahlniederlage einstecken, jetzt will sie ihre Existenzkrise auf dem Bundesparteitag überwinden: Lindner soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Kubicki übt indes Kritik.

Favorit für die Nachfolge von Philipp Rösler: der 34-jährige Christian Lindner, der bislang Partei- und Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen ist. dpa

Favorit für die Nachfolge von Philipp Rösler: der 34-jährige Christian Lindner, der bislang Partei- und Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen ist.

BerlinDie FDP will auf einem Sonderparteitag in Berlin an diesem Samstag eine neue Führungsmannschaft wählen. Zweieinhalb Monate nach dem Scheitern bei der Bundestagswahl kandidiert der nordrhein-westfälische Partei- und Fraktionschef Christian Lindner für den FDP-Bundesvorsitz. Philipp Rösler tritt nicht mehr an. Um die drei Stellvertreterposten und drei weitere Plätze an der FDP-Spitze werden Kampfabstimmungen erwartet.

Die Liberalen hatten bei der Wahl im September mit 4,8 Prozent erstmals in der Nachkriegsgeschichte den Einzug in den Bundestag verpasst. Sie sind noch in 9 von 16 Landesparlamenten vertreten. Der 34-jährige Lindner gilt als aussichtsreichster Kandidat für den Chefposten. Aber nicht alle Landesverbände unterstützen ihn vorbehaltlos. Es gibt bislang zwei kaum bekannte Mitbewerber.

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte der „Rheinischen Post“ (Samstag): „Dieses großmäulige Auftreten, die nicht gehaltenen Versprechen und zum Schluss das jämmerliche Bild, mit mangelnder Souveränität in den Wahlkampf zu gehen, das hat die FDP vielen Menschen verleidet.“ Am Schluss habe die FDP „nur noch eine mitleidheischende Wahlkampfführung“ gehabt, kritisierte Kubicki, der sich für den Posten des stellvertretenden Parteichefs bewirbt.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Der Vorsitzende der FDP Baden-Württemberg, der EU-Parlamentarier Michael Theurer, warnte vor einem Kurswechsel in der Europapolitik. Die FDP müsse auf ihrem europafreundlichen Kurs bleiben, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“ (Samstag). Parteimitglieder, die sich anders äußern, seien „Nationalstaatsromantiker, die im Grunde genommen das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen“.

Zugleich empfahl Theurer seiner Partei eine klare Abgrenzung zur eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD). „Ein Nachlaufen, das zeigen alle internationalen Beispiele, bringt gar nichts: dann wählen die Leute das Original und nicht die Kopie.“

Der schleswig-holsteinische Fraktionschef Wolfgang Kubicki hat seine Partei scharf kritisiert. „Großmäuliges Auftreten", „nicht gehaltene Versprechen" und „das jämmerliche Bild, mit mangelnder Souveränität in den Wahlkampf zu gehen", hätten „die FDP vielen Menschen verleidet", sagte Kubicki der „Rheinischen Post" aus Düsseldorf vom Samstag.

Vor der Bundestagswahl im September habe es „eine Mitleid heischende Wahlkampfführung" gegeben, sagte Kubicki, der bei dem Parteitag für den Posten eines Vizeparteichefs kandidieren will, der „Rheinischen Post". „Wir dürfen uns nie wieder klein machen", warnte er.

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