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13.05.2013

12:49 Uhr

FDP-Politiker

Dirk Niebels Cousin wechselt zur AfD

Einer von vielen Verwandten des Entwicklungsministers tanzt aus der Reihe: Der Geschäftsmann Matthias Niebel wird Mitglied bei der eurokritischen „Alternative für Deutschland”. Der Minister sieht's gelassen.

Richtig gesehen: Dirk Niebels Cousin Matthias wechselt zur AfD. dpa

Richtig gesehen: Dirk Niebels Cousin Matthias wechselt zur AfD.

BerlinDirk Niebel, Bundesentwicklungsminister und FDP-Politiker aus Baden-Württemberg, hat eine große Familie. Dazu zählen etwa 30 Cousins und Cousinen. Einer davon, der Geschäftsmann Matthias Niebel, ist nun aus dem FDP-Kreisverband Heidelberg ausgetreten und zur euro-kritischen Konkurrenz Alternative für Deutschland (AfD) übergelaufen.

Der Minister bestätigte am Montag auf Anfrage Informationen der Zeitung „Mannheimer Morgen“. Niebel trägt die Entscheidung seines Verwandten mit Fassung: Er habe nun mal sehr viele Verwandte, die „alle nicht politisch gleichgeschaltet sind“.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.


Von

dpa

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

13.05.2013, 13:06 Uhr

Ist der Niebelbruder wegen der CSU-Familienplanungsskandal nicht mehr im Ministerium versorgt worden?

Moritz

13.05.2013, 13:08 Uhr

Das ist doch mal eine Nachricht die die Welt bewegt. Und im Hofbräuhaus ist eine Maß Bier übergeschwappt. Jetzt ist der Siegeszug der AfD nicht mehr zu stoppen.
Frage an das Handelsblatt. Berichten Sie jetzt täglich über neue Mitglieder der AfD? Meine Oma will auch Mitglied der AfD werden, sie hat noch in der Wäschetruhe 70 DM gefunden.

Radiputz

13.05.2013, 13:14 Uhr

Ist das schon eine Nachricht?
Zweifelsohne gibt es derzeit viele Menschen, die nicht Niebels Cousin oder Cousinen sind und Mitglied der AfD werden.
Ob Cousin oder nicht, ob Tante, Onkel, Bruder, Schwester, Neffe, Nichte, Schwager, Enkel,je größer die Verwandtschaft ist, desto wahrschenlicher ist auch, einer wird Parteigänger der AfD, entweder Mitglied oder Wähler.
Nichts ist alternativlos. LOL

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