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13.05.2014

19:22 Uhr

Fehlerhaft gespeicherte Daten

Rüffel für Niedersachsens Verfassungsschutz

Niedersachsens Verfassungsschutz hat zugelangt: Die Behörde hat große Mengen an personenbezogenen Daten fehlerhaft gespeichert, darunter waren auch Daten, die nie erfasst werden durften. Nun folgt der Bußgang.

Sie muss sich nun rechtfertigen, ihr Sitznachbar und Dienstherr Boris Pistorius ist „not amused“: Maren Brandenburger (rechts), Präsidentin des Verfassungsschutzes Niedersachsen. dpa

Sie muss sich nun rechtfertigen, ihr Sitznachbar und Dienstherr Boris Pistorius ist „not amused“: Maren Brandenburger (rechts), Präsidentin des Verfassungsschutzes Niedersachsen.

HannoverDer Verfassungsschutz in Niedersachsen muss fast 40 Prozent seiner gespeicherten Personendaten löschen, weil Menschen fehlerhaft oder viel zu lange in der Datei erfasst wurden. „Das ist erschreckend, weil es nicht um Versehen oder individuelle Fehler einiger weniger Mitarbeiter geht, sondern weil das System offenbar versagt hat und es keine Absicherung gab“, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag. Zuvor waren alle gespeicherten 9000 Personendaten überprüft worden. „Der Datenbestand muss jetzt schnellstmöglich bereinigt werden“, so Pistorius weiter.

Insgesamt 3501 der 9004 gespeicherten Personendaten müssen nun gelöscht werden. 1937 Personendaten müssen umgehend aus der Datei verschwinden, weil es bereits für ihre Erfassung keine Grundlage gab. Weitere 1564 müssen zeitnah entfernt werden, weil sie länger als zulässig gespeichert wurden.

Pistorius hatte die Kontrolle im vergangenen September angeordnet, nachdem der Verfassungsschutz erste Fälle der fehlerhaften Speicherung von Journalistendaten öffentlich gemacht hatte. Zwar habe es Hinweise auf extremistische Aktivitäten der Publizisten gegeben, die Daten hätten jedoch nicht dauerhaft gespeichert werden dürfen.

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Teilweise wurden nach Bewertung der Kommission Minderjährige gespeichert, ohne dass es den dafür nötigen Gewaltbezug gab. Fälle von bürgerlichem Protest wurden als linksextremistisch eingestuft. Regelmäßige Besucher der Freitagsgebete in als extremistisch eingestuften Moscheen landeten ebenso in der Kartei. Im Bereich Rechtsextremismus sei nach Bekanntwerden der NSU-Mordserie überreagiert und die Speicherfrist beobachteter Personen unangemessen stark verlängert worden.

An diesem Mittwoch will Pistorius den Kurs für die geplante Verfassungsschutzreform abstecken. „Der reformierte niedersächsische Verfassungsschutz muss seine Aufgabe zukünftig wesentlich klarer an den Grundrechten ausrichten und sensibel auf die Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes achten.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Jens Nacke, empfahl dem Innenminister, sich die beanstandeten Fälle vor der Löschung genau anzusehen. „Wer einmal vom Radar verschwunden ist, taucht möglicherweise erst wieder auf, wenn es zu spät ist.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.05.2014, 08:26 Uhr

Es geht nicht allein um den dortigen Verfassungsschutz. Beobachten Sie einmal mit, was sich in diesem Bundesland alles abspielt!

Ungeheuerlich!

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