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04.02.2015

15:21 Uhr

Felix Hufeld

Versicherungsexperte wird neuer BaFin-Chef

Bislang war er oberster Versicherungsaufseher bei der BaFin. Nun steht fest: Felix Hufeld übernimmt den Chefposten der Finanzaufsicht. Aus Sicht von Experten eine gute Wahl – sie hoffen auf frischen Wind in der Behörde.

Hufeld ist bei der BaFin seit 2013 für die Kontrolle von Versicherungen zuständig – nun übernimmt er den Chefposten. dpa

Felix Hufeld

Hufeld ist bei der BaFin seit 2013 für die Kontrolle von Versicherungen zuständig – nun übernimmt er den Chefposten.

Frankfurt/BerlinVersicherungsexperte Felix Hufeld wird im März neuer Chef der Finanzaufsicht BaFin. Die Bundesregierung berief den 53-Jährigen am Mittwoch zum Präsidenten der Bonner Behörde, die unter anderem für die Kontrolle von Banken, Investmentfonds und Versicherungen zuständig ist. Aus Sicht von Experten ist Hufeld eine gute Wahl, da die Assekuranz wegen dauerhaft niedriger Zinsen derzeit besonders unter Druck steht. Hufeld tritt die Nachfolge von Elke König an, die Ende des Monats nach Brüssel wechselt und dort die neue europäische Behörde für die Abwicklung maroder Banken leiten wird.

Hufeld ist bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) seit 2013 für die Kontrolle von Versicherungen zuständig. Zuvor hat er – wie seine Vorgängerin König – viele Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet – unter anderem für die Unternehmensberatung Boston Consulting, die Dresdner Bank und den Versicherungsmakler Marsh. Insider hoffen, dass durch Personal von außen frischer Wind in die Behörde kommt, die von Kritikern als bürokratisch und altmodisch beschrieben wird.

Hufeld ist verheiratet, hat zwei Kinder und gilt als Mann der leisen Töne. Wenn er etwas sagt, hören die Vorstandschefs jedoch genau zu. Besonders im Versicherungssektor genießt der Jurist, der in Mainz, Freiburg und Harvard studiert hat, hohes Ansehen. Die dauerhaft niedrigen Zinsen und das kürzlich angekündigte Anleihenaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) setzen der Assekuranz derzeit zu. Viele Staatanleihen werfen kaum noch etwas ab. Für Versicherungen wird es deshalb immer schwieriger, die versprochenen Erträge für ihre Kunden zu erwirtschaften. Die Ratingagentur Moody's warnte deshalb am Mittwoch, dass besonders kleine deutsche Lebensversicherungen zusammenbrechen könnten.

Zwölf ereignisreiche Bafin-Jahre

Mai 2002

Die Bafin heißt vollständig Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 2002 entsteht sie durch die Zusammenlegung der Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen, den Wertpapierhandel und das Versicherungswesen. Erster Präsident: Jochen Sanio.

Juni 2003

Die Anschläge des 11. September bringen die Mannheimer Lebensversicherung AG in Schieflage. Die Bafin erarbeitet eine Auffanglösung – später übernimmt die Protektor Lebensversicherung AG das Unternehmen.

März 2005

Der Phoenix Kapitaldienst GmbH untersagt die Bafin ihre Geschäfte. Die Finanzaufsicht hatte von Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Treuhandgeldern in Höhe von 680 Millionen Euro erfahren.

März 2006

Die Bafin muss feststellen, dass einer ihrer Beamten Geld veruntreut hat – jahrelang. Der Mitarbeiter wird später zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Schaden für die Behörde liegt bei 6,4 Millionen Euro.

2007

Juli: Die IKB Deutsche Industriebank AG macht Probleme, im Zuge der weltweiten Finanzkrise gerät die Bank ins Trudeln. Die Bafin organisiert einen Rettungsschirm, der mehrmals erweitert wird, bevor die staatliche KfW ihre Anteile an die Lone-Star-Gruppe überträgt.

August: Nun bekommt auch die Landesbank Sachsen Probleme, die Bafin befürchtet einen Liquiditätsengpass. Später übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Institut.

2008

Februar: Die Bafin überprüft die Hypo Real Estate (HRE). Das Institut kann nur mit Hilfe der privaten Finanzwirtschaft und erheblicher Staatsunterstützung stabilisiert werden.

Frühjahr: Die WestLB AG, die BayernLB sowie die HSH Nordbank AG beantragen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Gewährung von Garantien.

April: Die Bafin ordnet ihre Führung neu. Nachdem bislang Präsident Sanio die Behörde allein leitete, werden ihm nun vier Exekutivdirektoren zur Seite gestellt: Sabine Lautenschläger für die Bankenaufsicht, Karl-Burkhard Caspari für die Wertpapieraufsicht, Thomas Steffen für die Versicherungsaufsicht und Michael Sell für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben.

2011

Januar: Das Europäische System der Finanzaufsicht nimmt seine Arbeit auf. Auch die Bafin ist beteiligt und Mitglied in Gremien und Arbeitsgruppen. Außerdem entsendet sie Mitarbeiter in die europäischen Behörden.

Dezember: Präsident Jochen Sanio geht in den Ruhestand, Nachfolgerin wird Elke König. Im Direktorium sitzen neben König die Exekutivdirektoren Raimund Röseler für die Bankenaufsicht, Gabriele Hahn für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben, Felix Hufeld für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht und Karl-Burkhard Caspari für Wertpapieraufsicht und Asset-Management.

2014

Große Aufgabe: Die 2300 Bafin-Mitarbeiter kontrollieren 1880 Banken, 680 Finanzdienstleister, 600 Versicherer, 30 Pensionsfonds, 5900 inländische Fonds und 77 Kapitalanlagegesellschaften. Allerdings wird die Bafin im Zuge der Europäischen Bankenunion Anfang 2016 ihre Zuständigkeit für deutsche Großbanken verlieren.

Reuters hatte bereits im Januar berichtet, dass Hufeld neuer BaFin-Chef werden soll. Er übernimmt eine Institution, die gerade dabei ist, sich neu auszurichten. Für die Aufsicht über die wichtigsten europäischen Geldhäuser ist seit November die EZB zuständig, BaFin und Bundesbank sind an der Kontrolle der größten deutschen Institute aber weiter beteiligt. „Die BaFin ist für die EZB eine wichtige Brücke, um die Besonderheiten des deutschen Finanzsystems zu verstehen – sie hat schließlich einen Informationsvorsprung“, erklärt Finanzexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.

Hauptverantwortlich ist die BaFin weiter für die Wertpapieraufsicht sowie die Kontrolle von kleineren Banken, Investmentfonds und Versicherungen. „Ich mache mir keine Sorgen, dass die BaFin arbeitslos wird“, sagt Unions-Fraktionsvize Ralph Brinkhaus. Künftige solle sich die Behörde, die der Fachaufsicht des Bundesfinanzministeriums unterliegt, schließlich auch verstärkt um Verbraucherschutz kümmern.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

05.02.2015, 15:06 Uhr

Hufeld steht für Kontinuität!

Herr Manfred Zimmer

05.02.2015, 15:11 Uhr

Es hätte der BAFin gut zu Gesicht gestanden, einen Fachmann an die Spitze zu setzen, der mit dem Begriff "Bewertung" hätte etwas anfangen können. Es macht ´sich nicht gut, wenn in einer Behörde mit unterschiedlichen "Geschwindigkeiten" gefahren wird. Die Hoffnung, dass ein Part den anderen Part schon mitzieht, funktioniert in öffentlichen Verwaltungen seltenst. Doch man muss eines festhalten, dass es immer jemanden gibt, dem daraus der Nutzen entsteht. Da die BAFin keine Verbraucherschutzbehörde ist, liegt der Nutzen schon auf der richtigen Seite. Das war das offensichtliche Ziel des BMF, des Herrn Schäuble. Passt!

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