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13.02.2004

07:18 Uhr

Festbeträge für Medikamente sollen um bis zu 50 Prozent gesenkt werden

Kürzungspläne schocken Pharmaindustrie

Pläne der gesetzlichen Krankenkassen, die Festbeträge für Medikamente zum 1. April um bis zu 50 % zu senken, haben die forschenden Arzneimittelhersteller alarmiert. „Wenn die Vorschläge der Kassen nicht geändert werden, könnte es erstmals dazu kommen, dass Hersteller sich außer Stande sehen, ihre Preise an die neuen Festbeträge anzupassen“, warnte der Gesundheitsexperte des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Ulrich Vorderwülbecke, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

pt BERLIN. Das Nachsehen hätten die Patienten. Sie müssten in vielen Fällen zusätzlich zu den neuen Zuzahlungen von 5 bis 10 Euro pro Medikament die Differenz zwischen dem Festbetrag und dem Apothekenpreis des Medikaments aus eigener Tasche zahlen.

Nach einer Übersicht, die dem Handelsblatt vorliegt, wollen die Kassen die Erstattungspreise für fast 400 Wirkstoffe und Arzneimittelgruppen zum Teil drastisch senken. Sie setzen damit Vorgaben der Gesundheitsreform um. Danach müssen die Kassen auch Festbeträge für patentgeschützte Medikamente festlegen, sofern diese im Wettbewerb mit patentfreien Präparaten stehen. Außerdem muss sich die Höhe der Festbeträge am Drittel der preiswertesten Vergleichspräparate orientieren. Auch die Vorgabe, nach der die regelmäßig an die Marktentwicklung angepassten Festbeträge in einem Schritt nicht stärker als um 27,5 % gesenkt werden sollen, gilt nicht mehr.

Die Festbetragsregelung wurde in den 80er Jahren eingeführt, um den Preiswettbewerb auf dem Arzneimittelmarkt zu fördern. Seither erstatten die Kassen die Kosten für Medikamente nur noch bis zur Höhe des Festbetrags. Die Neufassung der Regelung im Gesundheitsreformgesetz soll den Kassen Einsparungen von einer Milliarde Euro pro Jahr bringen.

„Es könnte gut sein, dass die Versicherten einen guten Teil dieser Ersparnis aus ihrer Geldbörse zahlen müssen, weil die Hersteller patentgeschützter Medikamente einfach nicht so stark verbilligen können und es nicht genug unter dem Festbetrag liegende Alternativen auf dem Mark gibt,“ warnt Vorderwülbecke.

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