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14.11.2014

14:35 Uhr

Fifa-Desaster bei WM-Vergabe

Blatter ist der Oligarch des Weltfußballs

VonWolfram Weimer

Die Fifa erklärt die Fifa für unbestechlich – ihr Sonderermittler sieht das anders. Der Fußballverband versinkt in Skandalen von Korruption, Geldgier und Selbstherrlichkeit. Wann tritt Blatter zurück? Ein Kommentar.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Joseph Blatter begann einmal als gemütlicher Umarmer, dann wurde er pfiffiger Diplomat und schließlich ehrgeiziger Geldbeschaffer. Heute wirkt er wie Europas letzter Pate – eine Mischung aus Altherrenmacht, Günstlingswirtschaft, Hinterzimmerdunst und dem ganz großen Glücksspielgeld.

Blatter dirigiert die Fifa seit 16 Jahren ebenso sizilianisch wie erfolgreich. Er hat mit seiner enormen merkantilen Begabung aus einem kreuzbraven Sportverband einen globalen Konzern mit Milliardenumsätzen geschmiedet. Der Geruch feuchten Rasens unter den Stollenschuhen ist dem Aroma von Champagner und handgenähten Lederschuhen der Investmentbanker gewichen.

Ein beliebter König des Fußballs ist er trotz des Milliarden-Massenspektakels nie geworden. Blatter ist vielmehr der Oligarch des Weltfußballs. In den Augen der Fußballfans steht sein Name für selbstgefällige Mauscheleien.

Das Verb „blattern“ macht gar als Synonym für „bestechen“ die Runde. Blatter hat den WM-Fußball zu Potenzfestspielen von Eitelkeit und Geld deformiert. Es mögen Milliarden auf den Fifa-Konten liegen, doch in Sachen Transparenz, Teilhabe und Empathie ist der Verband tief im Minus.

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Nach den Korruptionsenthüllungen der letzten Monate sind die meisten europäischen Fußballverbände gegen Blatter. Selbst im englischen Unterhaus wird inzwischen offen über den Schweizer geschimpft, so vom früheren englischen Verbandschef Lord Triesman: „Die Fifa verhält sich wie eine Mafia-Familie.“ Roland Büchel, Schweizer Nationalrat und Sportexperte, ergänzt: „Der Unterschied zur Mafia ist nur, in der Fifa wird nicht gemordet “

Der niederländische Fußball-Verbandschef Michael van Praag ruft Blatter dringend zum Rücktritt auf: „Es reicht! Wenn man den Ruf der Fifa in den letzten sieben Jahren sieht, verbinden die Menschen die Fifa mit Korruption und Bestechung. Die Fifa hat einen exekutiven Präsidenten und das bedeutet, dass dieser verantwortlich ist.“

Selbst die leisen Deutschen wollen Blatter nicht mehr. Der Präsident des DFB, Wolfgang Niersbach, erinnert daran, dass Blatter schon 2011 den Rücktritt versprochen habe: „Wir waren klar von einem Stabwechsel 2015 ausgegangen.“

Kommentare (1)

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Herr Andreas Kettler

14.11.2014, 15:36 Uhr

yep, Blatter muss weg.
Die ganze Fifa gehört sich zerschlagen in meinen Augen. Kontinentale Verbände sollten genug sein. Alle 4 Jahre zusammenzuarbeiten um ne WM zu schaukeln, dürft ja wohl kein grosses Problem sein

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