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15.11.2016

09:55 Uhr

Filter bei Facebook

Meine Blase, deine Blase

VonDaniel Mack

Der Aufstieg der Populisten zeigt: Facebook ist die neue Fußgängerzone. Die deutschen Parteien haben den digitalen Wahlkampf allerdings lange vernachlässigt. Jetzt sind sie im Zugzwang. Ein Gastbeitrag.

Die Machtverschiebung von den traditionellen Medien zu den sozialen Netzwerken spielt den Populisten in die Karten. dpa

Facebook als Fußgängerzone

Die Machtverschiebung von den traditionellen Medien zu den sozialen Netzwerken spielt den Populisten in die Karten.

BerlinDie sozialen Netzwerke ebneten 2008 den Weg für Barack Obamas Einzug ins Weiße Haus. Sein Solgan „Yes We Can“ war Glaubensbekenntnis und Versprechen zugleich und weltweit in aller Munde. Das Netz brachte Demokratie, war der Ort der Freiheit, das Medium für alle, deren Stimme vorher nicht gehört wurde, der Weg in eine bessere und gerechtere Welt. So haben wir es zumindest in unserer Blase erzählt und geglaubt. 2012 hatte Obama zur Wiederwahl auf Facebook mehr Fans als viele Staaten Einwohner haben.

Vier Jahre später hat sich die Stimmung gedreht. In den sozialen Netzwerken sind vor allem diejenigen aktiv, die das Gefühl haben, dass die politische Klasse sie nicht versteht. Sie lassen sich nicht mehr auf die traditionellen Medien ein, die Nachrichten gewichten und einordnen. Journalisten sehen sie oftmals als Teil des Establishments an, auf deren Kommentare sie lieber verzichten.

Es geht zwar nicht nur, aber auch um Leute, deren Arbeitsplätze in Gefahr geraten sind, während gleichzeitig die Miete steigt. Enttäuschte, die auf der Suche nach einer Opposition zur schwarz-rot-grünen Konsensregierung sind und deshalb die Alternative für Deutschland auf Facebook abonnieren. Das Problem ist: Wer einzelne AfD-Beiträge mit „Gefällt mir“ markiert, wird von Facebooks Algorithmus auch zu den Seiten von Frauke Petry, Björn Höcke oder Beatrix von Storch und damit noch weiter in die rechtsnationale Blase getrieben. Für das Unternehmen Facebook geht es dabei vor allem darum, die Verweildauer seiner Nutzer zu erhöhen. Aber das soziale Netzwerk ist viel politischer, als sein Algorithmus suggeriert.

Daniel Mack ist Berater für Public Affairs und Kommunikation bei den 365 Sherpas in Berlin und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen. privat

Der Autor

Daniel Mack ist Berater für Public Affairs und Kommunikation bei den 365 Sherpas in Berlin und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen.

Facebook verbindet 2016 die Wütenden und Abgehängten und zeigt ihnen, dass sie nicht alleine sind. Wer sich die oftmals hasserfüllten Beiträge in den Kommentarspalten anschaut, der sieht wie stark sich diese Personen hinter dem Bildschirm fühlen und sich gegenseitig unterstützen.

Kein Wunder, dass die AfD mit 300.000 Facebook-Fans die mit Abstand erfolgreichste Partei auf Facebook ist. Ihre Facebook-Profile unterscheiden sich elementar von der Gruppe der der Anhänger von CDU, SPD, Grüne und FDP. Während letztere sich laut Facebook-Statistiken auch noch für Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Deichmann interessieren, sieht das bei den Interessenten der AfD-Anhänger ganz anders aus. Dort interessiert man sich auch für Frauke Petry, die Lügenpresse und die Identitäre Bewegung. Nachrichten über Facebook beziehen sie vor allem von der rechtskonservativen Jungen Freiheit und der Seite des russischen Staatsfernsehens RT Deutsch.

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Die starke Machtverschiebung in der Medienlandschaft von klassischen Medien hin zu Social Media wird es Populisten noch einfacher machen, ihre Anhänger zu aktivieren, um erfolgreich zu sein. Vor Jahren mussten die Menschen noch Leserbriefe schreiben, um über den Bekanntenkreis hinaus Gehör zu finden. Leserbriefe wurden von Verlagen nach Qualitätsstandards gefiltert und nur unter Nennung des Namens und Wohnorts gedruckt, nachdem der Autor verifiziert wurde. Veröffentlicht auf Zeitungsseiten, auf denen auch andere Meinungen oder einordnende und beschreibende Artikel von Journalisten stehen. Heute lauert überall die Lügenpresse.

Kommentare (4)

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15.11.2016, 17:19 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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15.11.2016, 17:23 Uhr

Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

Account gelöscht!

15.11.2016, 17:23 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

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