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12.04.2014

10:18 Uhr

Finanzaufsicht BaFin

Schäuble will den „Grauen Kapitalmarkt“ regulieren

Unseriöse Finanzprodukte bringen die Anleger jährlich um Milliarden. Nun will die Bundesregierung strengere Regeln für den „Grauen Kapitalmarkt“ einführen. Vor allem die Zugriffsrechte der BaFin sollen verstärkt werden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Bundespressekonferenz: Schäuble reagiert auf die Pleite des Windkraftunternehmens Prokon. dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Bundespressekonferenz: Schäuble reagiert auf die Pleite des Windkraftunternehmens Prokon.

BerlinDie Bundesregierung will Anleger künftig besser vor riskanten Finanzprodukten schützen. Zu diesem Zweck soll es für den sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“, der bislang kaum reguliert ist, strengere Regeln geben. Wie die „Welt“ (Samstag) berichtet, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in seinem Haus ein Eckpunkte-Papier mit Regulierungsschritten für diesen Markt erarbeiten lassen, das der Zeitung vorliege. Die zehn Punkte des Schreibens sehen vor, die Anbieter deutlich enger an die Kandare zu nehmen. Insbesondere soll die Finanzaufsicht BaFin erweiterte Befugnisse erhalten.

Schäuble reagiere damit nicht zuletzt auf den Fall des erst kürzlich Pleite gegangenen Windkraftunternehmens Prokon, schreibt die Zeitung. Dort hatten rund 75.000 Anleger etwa 1,4 Milliarden Euro in Genussrechte investiert. Die Bundesregierung hatte unmittelbar danach rechtliche Konsequenzen angekündigt.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Auf dem „Grauen Kapitalmarkt“ werden sowohl staatlich kaum regulierte, aber durchaus seriöse Angebote gehandelt als auch Produkte, die bereits in betrügerischer Absicht aufgelegt werden. Alljährlich verlieren Anleger Milliarden, weil sie auf unseriöse Angebote hereinfallen.

Die Anlageangebote am „Grauen Kapitalmarkt“ sollen nun transparenter werden. Zu diesem Zweck werden eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, wie die Zeitung schreibt. Der Finanzaufsicht BaFin solle es beispielsweise möglich sein, auf ihrer Internetseite auch Anbieter unregulierter Produkte an den Pranger stellen zu können, die keine Auskunft geben oder nur unvollständige Informationen liefern. Falls die Reihe von Maßnahmen nicht fruchte, solle künftig als Ultima Ratio ein Vertriebsverbot drohen, in weniger gravierenden Fällen zumindest ein Werbeverbot für den Direktvertrieb der Kapitalanlagen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.04.2014, 14:03 Uhr

Dazu ein sehr passender Satireveweis:
http://www.hgbutzko.de/blog/artikel/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=80&cHash=1e835de320274b5fb8a6524240a903fd

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