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29.03.2006

20:14 Uhr

Finanzexperten unter sich

Wasser trinken beim Italiener

VonDonata Riedel

Joachim Poß (SPD) und Michael Meister (CDU) mögen sich nicht besonders. Trotzdem müssen die beiden Finanzexperten den Haushalt verhandeln, ehe der Streit ums Geld eskaliert.

BERLIN. Joachim Poß wundert sich noch immer, dass die große Koalition so viel Zustimmung erfährt: „Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie zuvor. Wir machen 2006 mehr Schulden als 2005, und trotzdem sehen jetzt alle das Glas halb voll.“ Im Saal eines Westberliner 70er-Jahre-Baus des DGB Berlin-Brandenburg sitzt der 59-jährige SPD-Finanzexperte auf einer Bühne. Ringsrum Resopal, unten Linoleum, es riecht nach Turnhalle.

Poß trägt einen gut geschnittenen grauen Anzug. Das akkurat frisierte Haar glänzt eisgrau. Das Inforadio Berlin Brandenburg zeichnet eine Diskussion mit Poß, der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ursula Engelen-Kefer und der CDU-Sozialexpertin Ilse Falk über die Zukunft des Sozialstaats auf.

Nach den Zwischenrufen zu urteilen, hat das Publikum, überwiegend bärtige Männer jenseits der 50, mehrheitlich WASG gewählt. Und Poß, der SPD-Linke, verteidigt mit immer lauterer Stimme Gerhard Schröders Arbeitsmarktreformen.

Einen Abend zuvor steht Michael Meister allein am Rednerpult auf der Bühne im großen Saal im Maritim-Hotel. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat den CDU-Finanzfachmann eingeladen.

„Es war ein mulmiges Gefühl, als ich das erste Mal zu den Koalitionsverhandlungen ins Willy-Brandt-Haus musste. Ich wollte da nie hin“, sagt Meister und erntet verständnisvolle Lacher der 3000 Anzugträger. Nach den Zwischenrufen zu urteilen, hat sein Publikum mehrheitlich CDU oder FDP gewählt. Auch Meister staunt. Die große Koalition ernte vertrauensvolle Zustimmung, „die Arbeitslosigkeit ist aber immer noch bei fünf Millionen“.

Michael Meister und Joachim Poß sind stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Union und SPD, zuständig für Haushalt und Finanzen. Sie sitzen an zentralen Schaltstellen der großen Koalition. Es wird zum großen Teil an ihnen liegen, ob Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) seinen Haushalt 2006, die Mehrwertsteuererhöhung und diverse Subventionskürzungen so durch den Bundestag bekommt, dass der Etat 2007 endlich weniger Schulden hat als der für das laufende Jahr.

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