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13.01.2010

18:28 Uhr

Finanzkrise

Bundesbank steht vor Gewinneinbruch

Die Rettungsmaßnahmen für das Finanzsystem dürften im vergangenen Jahr nicht nur der US-Notenbank Fed, sondern auch der britischen Zentralbank einen beträchtlichen Gewinn in die Kasse gespült haben. Volkswirte gehen davon aus, dass die Bank of England (BoE) am Schluss ihres Ende Februar auslaufenden Geschäftsjahres einen Überschuss von bis zu vier Mrd. Pfund ausweisen wird.

Die Bank of England profitiert, anders als die Bundesbank, von der Finanzkrise. ap

Die Bank of England profitiert, anders als die Bundesbank, von der Finanzkrise.

mak/mm/tor/saf DÜSSELDORF. Das wäre rund vier mal so viel wie die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr. Die Fed hatte am Dienstag als erste der großen Notenbanken ihren Gewinn für 2009 bekannt gegeben. Von einem vorläufigen Gesamtgewinn von 52,1 Mrd. Dollar hat sie 46,1 Mrd. Dollar an das Finanzministerium überwiesen.

Die BoE profitierte zum einen von den Zinsen und Gebühren, die sie für Liquiditätshilfen und Notfallkreditlinien erhält. Hinzu kommen Kursgewinne der Anleihen, die sie im Rahmen ihres 200 Mrd. Pfund schweren Ankaufprogramms erworben hat. Vorige Woche hat die Notenbank zum ersten Mal einen kleinen Teil der angekauften Anleihen wieder abgestoßen. Dabei ging es um ein Portfolio von Unternehmensbonds, mit dessen Verkauf die BoE nach Schätzungen des Brokers Evolution Securities einen Gewinn von 60 Mio. Pfund erzielt hat. Unternehmensanleihen machen mit 1,5 Mrd. Pfund aber nur einen sehr kleinen Teil des Ankaufprogramms aus. Für über 190 Mrd. Pfund wurden Staatsanleihen gekauft.

Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) nur Pfandbriefe für knapp 30 Mrd. Euro gekauft hat, halten sich Volkswirte mit Schätzungen ihres Gewinns für 2009 zurück. "Solche Schätzungen sind umso schwieriger geworden, weil nicht nur wie üblich die Preisänderungen berücksichtigt werden müssen, sondern zusätzlich die deutliche Ausweitung der geldpolitischen Operationen", sagt Michael Schubert, EZB-Experte der Commerzbank. Außerdem hätten die einzelnen Zentralbanken auch in fremden Währungen Geld verliehen, und gegenläufig dazu habe es den Preiseffekt gegeben.

Für die Bundesbank wagt Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, eine Prognose: Nach 6,3 Mrd. Euro im Vorjahr soll die Bundesbank 2009 nur noch einen Gewinn von rund drei Mrd. Euro erzielt haben. Angenendt begründet das zum einen mit dem gesunkenen Zinsniveau bei den Währungsbeständen. Die auf US-Dollar lautenden, meist kurzfristigen Papiere seien niedriger verzinst worden. Zum anderen seien die niedrigeren Zinseinnahmen aus den Refinanzierungsgeschäften durch die Ausweitung der Volumina nicht kompensiert worden. Die Notenbankzinsen im Euro-Raum sind von 2,5 Prozent zu Jahresbeginn 2009 auf ein Prozent im Mai gesenkt worden. Zu diesem Zinssatz hat die EZB beliebig Liquidität zugeteilt. Dass der Goldpreis im vergangenen Jahr zeitweise um mehr als ein Drittel gestiegen ist, schlägt bei der Gewinnermittlung nicht zu Buche.

Trifft Angenendts Prognose zu, dürfte das Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble enttäuschen. Denn der für den Bundeshaushalt vorgesehene Betrag des Bundesbankgewinns von 3,5 Mrd. Euro würde nicht einmal erreicht. Die Absicht war, darüber hinausgehende Summen dem Investitions- und Tilgungsfonds (ITF) zugute kommen zu lassen. Jetzt bliebe Schäuble nur eine Lücke von 500 Mio. Euro.

Von einem hohen Milliardengewinn ist dagegen auch bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auszugehen. Bereits die ersten neun Monate hatten der SNB knapp sieben Mrd. Franken in die Kasse gespült. Die Notenbank hatte das gute Ergebnis mit dem hohen Goldpreis, der Erholung auf vielen Finanzmärkten und der Zinssituation begründet. Wie vereinbart wird die Schweizerische Nationalbank auch für 2009 rund 2,5 Mrd. Franken an den Staat überweisen. Die Bewertung darüber hinausgehender Reserven kann nach Marktbewegungen schwanken.

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