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28.01.2011

16:20 Uhr

Finanzkrise

Rettungsfonds Soffin zieht Zwischenbilanz

VonRobert Landgraf

Nach gut zwei Jahren Bankenrettung zieht der Soffin Zwischenbilanz: Die auch Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung genannte Soffin stellte den deutschen Banken insgesamt Hilfen über 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung.

Milliardengrab für den Steuerzahler: Hypo Real Estate dpa

Milliardengrab für den Steuerzahler: Hypo Real Estate

FRANKFURT. Damit liegt Deutschland etwa gleichauf mit Ländern wie Frankreich oder den USA, wie eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ergibt. Den Aufwand beziffert der Soffin Ende 2009 auf 4,2 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr soll der Rettungsfonds zudem einen Milliardenverlust gemacht haben. Florian Toncar, Vorsitzender des parlamentarischen Kontrollgremiums für den Soffin, führte die befürchteten Verluste im Dezember auf Abschreibungen bei den Engagements des Soffin zurück. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Am stärksten ist der Soffin mit einer Eigenkapitalspritze über 18,2 Milliarden Euro bei der Commerzbank engagiert. Die größten Verluste durch Abschreibungen sind laut Insidern bei der Immobilienbank Hypo Real Estate entstanden. Hier ist der Rettungsfonds mit 7,7 Milliarden Euro dabei.

Eine abschließende Beurteilung der tatsächlich angefallenen Kosten traut sich der Soffin noch nicht zu. "Das wird erst nach Auslaufen aller Rettungsmaßnahmen möglich sein", teilte der Soffin mit. Ein bloßer Vergleich der Kosten greife allerdings zu kurz, warnt der Rettungsfonds. In Deutschland sei die Stabilisierung ohne einen Ansturm auf die Banken, ohne eine Überlastung des Staates un dohne soziale Verwerfungen gelungen, wie der Soffin etwa mit Blick auf die irischen Banken anspielt, die vom Staat mit Milliardenhilfen aufgefangen werden mussten und Irland so unter den Rettungsschirm der EU trieb. Auch Zusammenbrüche von Kreditinstituten seien vermieden worden.

In der Endbilanz des Soffin, der seit Jahresbeginn durch das Restrukturierungsgesetzes bei Anleihegarantien und Eigenkapitalhilfen ersetzt wird, hat der Rettungsfonds Ende vergangenen Jahres neun Banken Garantien über 64 Milliarden Euro gewährt. Zum Höchststand Anfang Oktober 2010 beliefen sich die an diese Institute gewährten Garantien noch auf 174 Milliarden Euro. Der Großteil war dabei an die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate gegangen, über sie mit ausreichend Liquidität beim Aufbau der Abwicklungsbank FMS Wertmanagement zu unterstützen. In der Abwicklungsbank wurden die Teile der HRE ausgelagert, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören oder Wertpapiere, die toxisch waren. Die Engagements sollen über die Zeit abgebaut werden. Auch die WestLB ist mit ihrer Bad Bank EAA unter das Dach des Soffin geschlüpft und hat hier Vermögen über 77 Milliarden Euro hineingepackt.

Außerdem unterstützt der Soffin aktuell vier Banken mit Eigenkapital in Höhe von insgesamt 29 Milliarden Euro. Neben der Commerzbank und der HRE wurden die WestLB und die Aareal Bank vom Soffin mit Kapitalspritzen ausgestattet. Die Aareal Bank hat als einziges Institut das Staatsgeld inzwischen teilweise zurückgezahlt. Zusätzlich haben auch die Bundesländer Banken mit Hilfe von Eigenkapital und Garantien unterstützt.

Kommentare (2)

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Thomas Melber, Stuttgart

28.01.2011, 20:11 Uhr

Kosten? Wurde nicht behauptet, daß "unterm Strich" sogar etwas verdient werden würde? Und wenn eine bank hopps geht, tja, dann geht sie eben hopps - wie andere Unternehmen und Privatpersonen eben auch. Ansonsten würde ja eine staatliche bank ausreichen.

Roemi

31.01.2011, 10:54 Uhr

Tja, wenn die Commerzbank nun schon zum zweiten Mal ihre 1,5 Mrd. Zinsen für die stille Einlage nicht bezahlt, muss der Soffin ja Verlust machen.

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