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28.02.2011

16:30 Uhr

Finanzkrise

"Wir werden die Banken wieder retten müssen"

VonHannes Vogel

JPMorgan, AIG, Deutsche Bank - Finanzgiganten können den Steuerzahler immer noch erpressen, warnt Banken-Experte Hans-Peter Burghof. Doch die Politik könnte die Monsterbanken in den Griff kriegen – wenn Sie den Mut hat.

"Wir können Too-Big-To Fail nicht verhindern", sagt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Quelle: pressebild

"Wir können Too-Big-To Fail nicht verhindern", sagt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.

Handelsblatt: „Sie sind zu aggressiv gewachsen“ - Die Finanzkrisenkommission in den USA hat auch den Banken die Schuld gegeben an ihrem eigenen Zusammenbruch: Hat sie recht?

Prof. Hans-Peter Burghof: Da ist sicher was dran. Aber man muss sich fragen, welche Anreize geschaffen wurden, damit die Banken so wachsen. Es ist nun mal so, dass Bankmanager den Wert ihres Unternehmens maximieren sollen. Wenn man Anreize setzt, dass sie das nur durch großes Wachstum und hohes Risiko schaffen können, haben die Aufseher einen Fehler gemacht. Man muss nicht Banken als solche, sondern einzelne Banken kritisieren. Der Regulierungsrahmen ist die wichtigste Antwort auf die Frage, was in der Finanzkrise schief gelaufen ist.

Handelsblatt: Banken sollen nie wieder so groß werden, dass sie den Staat erpressen können, weil man sie retten muss. Hat die US-Regierung mit der Finanzreform das Ziel erreicht?

Burghof: Ganz im Gegenteil. In der Krise sind die Banken ja durch Übernahmen von schwächelnden Konkurrenten sogar noch gewachsen. Ich habe den Eindruck, man versucht oft durch größere Banken Probleme zu lösen und schafft damit für die Zukunft noch größere Probleme. Denken Sie an Spanien: Da versucht man die Sparkassen zu retten, indem man sie noch größer macht, nicht etwa kleiner.

Frage: Wann ist eine Bank zu groß zum Scheitern - „too big to fail“?

Burghof: Ganz klare Antwort? Das lässt sich nicht beantworten! Wir brauchen in der globalisierten Wirtschaft auch große Banken. Wer sollte denn entscheiden, was zu groß ist? Da bekämen wir eine echte Willkürherrschaft. Aber wenn man sich einzelne Banken anschaut, hat man meistens doch schon eine Vorstellung. Das ist wie mit vielen Dingen: Man weiß es zwar nicht genau, aber wenn man genau hinsieht, weiß man, was gemeint ist. Fakt ist aber leider: Wir haben kein Instrument gegen das Too-Big-To-Fail-Problem.

Handelsblatt: In den USA versucht man es mit Kapital- und Verschuldungsquoten. Kann das exzessive Größe verhindern?

Burghof: Es wird nicht reichen. Denn solange große Banken ihre Geschäfte mit heimlicher Staatsgarantie machen, haben sie einen Vorteil gegenüber kleinen Banken. Diesen Vorteil muss man ausgleichen: Wir brauchen eine „Too-Big-To-Fail“-Steuer. Die geplante Bankenabgabe geht da in die richtige Richtung – internationale, systemrelevante Banken sollen mehr zahlen, als kleine. Noch besser wäre, man würde Großbanken viel intensiver beaufsichtigen als kleine Institute und sie die Kosten dafür selber tragen lassen. Denn die Banken verdienen alleine mit ihrer Größe schon eine Too-Big-To-Fail-Rente – weil sie der Staat im Zweifel rettet. Effizienz ist keine Frage der Größe: Ich habe eher das Gefühl, dass manche Banken immer weiter wachsen, weil sie zu groß werden wollen, als dass man sie scheitern lassen dürfte - und nicht weil sie besonders effizient sind.

Handelsblatt: Braucht man dann nicht viel radikalere Mittel: Sollte eine Großbank zerschlagen werden dürfen?

Burghof: Dafür gibt es außer dem Wettbewerbsrecht kaum Instrumente - man müsste nachweisen, dass solche Banken den Wettbewerb gefährden. Das halte ich für ausgesprochen schwierig.

Handelsblatt: Alle wissen, dass einige Banken zu groß sind - aber keiner weiß, was genau zu groß bedeutet. Besteht nicht die Gefahr, dass wir es wie 2008 dann erst wieder erkennen, wenn die nächste Krise vor uns steht?

Burghof: Völlig richtig. Erstens muss es also weniger attraktiv für Banken sein, groß zu werden – etwa durch eine Bankenabgabe. Zweitens muss es eine eigene, aufwendige Aufsicht nur für Großbanken geben. Momentan haben die Aufseher aber genau da ein Kompetenzproblem: Sie kümmern sich offenbar lieber um die kleinen Banken, die sie noch durchschauen – und von denen sie nicht so leicht ausgetrickst werden können. Die Aufsicht muss endlich Waffengleichheit mit den Großbanken herstellen. Und sie muss sich trauen, durchzugreifen: In der Finanzkrise gab es eine Reihe von Momenten, in denen die Aufsicht zwar etwas gesehen, aber nicht eingegriffen hat.

Kommentare (14)

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Thomas-Melber-Stuttgart

28.02.2011, 16:53 Uhr

Vielleicht braucht man für Basisgeschäfte - Kontoführung, u.a. - gar keine privaten Banken? Wenn diese nur durch staatliche Unterstützung überleben können kann man sie ja gleich verstaatlichen bzw. schließen.

crazytaxsystem9011

28.02.2011, 16:55 Uhr

Eine "To-Big-To-Fail"-Steuer?? Willkommen in Deutschland!!
Ich brauch unbedingt Einnahmen aus einer "To-Poor-To-alive" Steuer!!

countryman

28.02.2011, 17:45 Uhr

Die Lekture dieses Beitrags ist ernüchternd bis deprimierend! Es sieht alles danach aus, als ob wir direkt in die nächste Finanz-und Bankenkrise zusteuern und kein Gegenmittel zur Hand haben. Die bisherigen ergriffenen und angekündigten Massnahmen (Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen, veränderte Aufsichtsregeln einschliesslich der Bonusregelungen usw) scheinen offenbar die beklagten Probleme nicht lösen zu können.Im Gegenteil: Es drohen neue Instabilitäten durch ungelöste Probleme der letzten Krise (Abschreibungsrisiken) sowie neue Herausforderungen infolge der ungeheuren Liquiditätsausweitung und Schuldenfinanzierung im offentlichen Sektor. Es sieht ganz danach aus, dass die Politik trotz einiger Bemühungen hinter der Entwicklung herläuft, zumal notwendige Entscheidungen auf europäischer Ebene ausserordentlich schwierig zu treffen sind.

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