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27.08.2014

08:57 Uhr

Finanzminister Schäuble

„Wenn die Welt einstürzt, stürzt auch die schwarze Null“

Keine Sorgen: Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) sieht den Folgen der zahlreichen Krisen für Deutschland gelassen entgegen. Die Situation sei „beherrschbar“. Allerdings sieht er „gefährliches Potenzial“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: Der CDU-Politiker ist entspannt. AFP

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: Der CDU-Politiker ist entspannt.

BerlinFinanzminister Wolfgang Schäuble hält die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krisen in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten bislang für überschaubar. In einem Interview der „Passauer Neuen Presse“ vom Mittwoch sagte Schäuble: „Im Augenblick ist die Situation beherrschbar.“ In Deutschland sei die wirtschaftliche Lage nach wie vor stabil – vor allem dank der robusten Binnennachfrage. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft seien nicht gravierend. „Aber sie (die Krisen) bergen gefährliches Potenzial“, fügte er hinzu. Dass es mit dem Ukraine-Konflikt eine „kriegerische Zuspitzung mitten in Europa mit russischer Beteiligung“ gebe, sei besorgniserregend. Auch die Ausbreitung der Ebola-Seuche mache ihm Sorgen.

Mit Blick auf die deutsche Entwicklung räumte Schäuble aber ein, dass die Konjunktur derzeit wegen der Krisen in der Ukraine und andernorts „etwas eingetrübt“ sei. „Wir rechnen mit bis zu zwei Prozent Preissteigerung und bis zu dreieinhalb Prozent nominellem Wachstum“, ergänzte er, ohne aber genau zu sagen, welches Jahr er meine.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.


Jüngste Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi, die als Plädoyer für eine Lockerung der Sparpolitik interpretiert worden waren, beurteilte Schäuble gelassen. „Ich kenne Mario Draghi sehr gut. Ich glaube, da wird er überinterpretiert“, sagte er der Zeitung. Was die Äußerungen des gerade aus dem Amt geschiedenen französischen Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg angeht, der zum Widerstand gegen das deutsche „Spardiktat“ in Europa aufgerufen hatte, merkte Schäuble an: „Diese Wortmeldungen haben mich natürlich nicht gefreut.“ Doch das seien innenpolitische Auseinandersetzungen im Nachbarland. Inzwischen seien die „richtigen Konsequenzen gezogen worden“, sagte Schäuble mit Blick auf die Kabinettsumbildung. Generell seien solide Finanzen und Strukturreformen die richtige Lehre aus der jüngsten Euro-Staatsschuldenkrise.

Die Lage im Euro-Raum beurteilte Schäuble positiv: „Die Länder unter dem Rettungsschirm haben enorme Fortschritte gemacht.“ Bezogen auf Deutschland sei es gut, dass hier eine solide Haushaltspolitik betrieben worden sei. Er mahnte aber: „Wir brauchen Strukturreformen in Deutschland und in Europa, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“ Auch müsse die öffentliche Infrastruktur verbessert und die Finanzmärkte leistungsstärker gemacht werden. Was die angestrebte „schwarze Null“ im Bundeshaushalt 2015 angehe, so sei man auf einem guten Weg. „Aber wenn die Welt einstürzt, stürzt auch die schwarze Null“, mahnte er. Die deutsche Schuldenquote werde bis Ende der Legislaturperiode unter 70 Prozent kommen.

Von

rtr

Kommentare (19)

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Horst Schmidt

27.08.2014, 09:05 Uhr

Schäuble hat noch nie eine Lage richtig eingeschätzt. Angefangen vom missratenen Einigunsgvertrag über die Währungsunion bis zu den Rettungsschirmen. Immer lag er falsch. Jeder Münzwerfer hätte eine bessere Prognose abgegeben als dieser realitätsverweigenrnder "Blindfisch"

Herr Ossi NB

27.08.2014, 09:12 Uhr

"Finanzminister Wolfgang Schäuble hält die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krisen in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten bislang für überschaubar"und Frankreich , Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Es ischt alles auf gutem Wäg!

Frau Ellis Müller

27.08.2014, 09:18 Uhr

und damit die Bürger nicht mehr zweifeln, holt sich jetzt unsere Kanzlerin neue Ratgeber:" Regierungsberater Kanzlerin sucht Verhaltensforscher
Psychologen, Anthropologen und Verhaltensökonomen sollen her und Angela Merkel helfen: Die Regierung will wirksamer regieren und den Bürgern einen Schubs in die „richtige“ Richtung geben."
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/kanzlerin-sucht-verhaltensforscher-13118345.html
Die richtige Richtung bestimmt die Kanzlerin, das kennt sie noch aus ihrer Kindheit und Jugend in der DDR sehr gut.

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