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19.09.2013

19:32 Uhr

Finanzplatz Frankfurt

Standort-Wahlkampf statt Parteiideologie

VonDésirée Linde

Nirgendwo verschwimmen die Parteigrenzen so sehr wie in Hessen, wenn es um den Finanzplatz Frankfurt geht. Da werden Grüne auf einmal zu Fans der Banken und die schwarze-gelbe Koalition schießt gegen die Bundesregierung.

Wahlkampf in Frankfurt: Die Wahlprogramme klingen, was den Finanzplatz angeht, austauschbar: dpa

Wahlkampf in Frankfurt: Die Wahlprogramme klingen, was den Finanzplatz angeht, austauschbar:

FrankfurtMit dem Finanzplatz Frankfurt sind keine Wahlen zu gewinnen. Höchstens zu verlieren. Wer in Hessen Wahlkampf macht, der weiß: Gegen Frankfurt mit seiner Wertpapierbörse, den 300 Banken und dem Sitz der Mammutbehörde der Europäischen Zentralbank, den vielen Instituten und privaten Wirtschaftsakademien zu sein, heißt gegen eine der bedeutendsten Wirtschaftsstandbeine des Sechs-Millionen-Einwohner-Landes zu sein. Selbst der Eindruck, man könne mit irgendeinem Vorschlag den Standort mit seinen 70.000 Arbeitsplätzen schwächen, wird tunlichst vermieden.

Deswegen klingen die Wahlprogramme – was den Finanzplatz angeht – auch so austauschbar: Der Landtag solle sich bei der „Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt auf seine qualitative Leistungsfähigkeit […] fokussieren“. Und: „Wir wollen den Standort stärken und die Schwächen bekämpfen. Wir setzen auf effektive und durchsetzbare Maßnahmen.“

Klingt wie aus einem Guss. Doch das erste Statement stammt vom grünen Landes-Spitzenkandidaten Tarek al-Wazir, das zweite von der Hessen-CDU. Auch im Programm der SPD kommt das Wort „stärken“ im Bezug auf den Finanzplatz deutlich häufiger vor als das Wort „regulieren“. Jeder in Hessen ist für ein bisschen Regulierung. Aber eben nur so lange es dem Finanzplatz nicht schadet.

Hessen-Wahl in Fakten und Zahlen

Bevölkerung

Rund 4,4 Millionen Menschen sind wahlberechtigt.

Anzahl der Stimmen

Jeder Wahlberechtigte kann am Sonntag in Hessen insgesamt vier Stimmen vergeben, zwei für die Bundestags- und zwei für die Landtagswahl.

Erstwähler

Etwa 276.000 junge Menschen nehmen erstmals an einer Landtagswahl teil.

Kandidaten

672 Kandidaten treten an, 424 davon sind von den im Landtag vertretenen Parteien aufgestellt, darunter 148 Frauen. Ihr Anteil beträgt 35 Prozent und ist damit um sechs Punkte gesunken.

Dauer der Legislatur

Der Landtag wird für fünf Jahre gewählt.

Mandate

Zu vergeben sind 110 Sitze im Parlament, 55 Abgeordnete werden aus den Wahlkreisen direkt in den Landtag gewählt, 55 Abgeordnete kommen von den Listen der Parteien. Hinzu könnten Überhang- und Ausgleichsmandate kommen.

Fraktionen

Fünf Fraktionen gab es zuletzt im Landtag: CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke. Umfragen zufolge muss die Linke aber zittern, ob sie die Fünf-Prozent-Hürde erneut überwinden kann.

Reinhard H. Schmidt geht sogar noch ein bisschen weiter: „Hier ist nicht entscheidend, welche Partei regiert, aber es macht einen riesigen Unterschied, wer regiert“, sagt der Professor für Bank- und Finanzwesen an der Goethe-Universität in Frankfurt. Es ist eine leise Kritik an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), wenn Schmidt von kurzen Dienstwegen unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und dessen Finanzminister Karlheinz Weimer schwärmt. „Innerhalb von drei Stunden konnten wir damals in dringenden Fällen eine Antwort auf dem Tisch haben.“

Atmosphärisch habe sich da schon in den vergangenen Jahren etwas verändert. Er sagt es und legt dennoch Wert darauf, dass geschrieben wird, dass die Bouffier-Regierung den Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Uni Exellenzförderung für das SAFE-Projekt für 13 Millionen Euro zugesprochen hat.

Als Schmidt dem grünen Schatten-Wirtschaftsminister Tarek al-Wazir jüngst anbot, ihm mal die Nachhaltigkeits- und Alternativbankingkonzepte der Finanzinstitute vor Ort zu erklären, bat der gleich um einen Termin. Überhaupt ist in Frankfurt eine große Nähe des grünen Establishments zum Finanzsektor zu beobachten.

Viele Grüne mit Wirtschaftssachverstand arbeiten am Finanzplatz. „Außerdem ist die Branche ja eine sehr grüne – so ganz ohne rauchende Schornsteine“, sagt Michael H. Grote, Vizepräsident für Akademische Angelegenheiten und Professor für Corporate Finance an der privaten Frankfurt School of Finance & Management.

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