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13.02.2014

18:13 Uhr

Fitschen vs. Schick

„Aktionäre müssen bluten“

VonDietmar Neuerer

Bei ihrer Image-Offensive geht die Deutsche Bank ungewöhnliche Wege: In Berlin stellt sich Co-Chef Fitschen einer Diskussion mit dem Grünen-Politiker Schick. Der Top-Banker überrascht dabei mit viel Selbstkritik.

Gerhard Schick (li.; Grüne) und Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. HBV

Gerhard Schick (li.; Grüne) und Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank.

BerlinDas Klima für Banken ist rau geworden. Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise verschärfen Politik und Aufseher die Gangart, das Ansehen der Institute in der Bevölkerung ist gering. Nur gut ein Viertel der Deutschen vertraut der Branche noch laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Allensbach. Mit jedem Skandal schwindet das vielleicht wichtigste Kapital der Finanzwelt ein bisschen mehr. Dabei wollen die Institute dringend wieder Ansehen zurückgewinnen. Vielleicht hilft es, sich in der Öffentlichkeit kritischen Fragen zu stellen. Die Deutsche Bank geht diesen Weg.

In dieser Woche versuchen die beiden Chefs von Deutschlands größter Privatbank, ihr angeschlagenes Ansehen in der Öffentlichkeit aufzupolieren. Sie tun das nicht irgendwo. Sie gehen dorthin, wo ihnen in den vergangenen Wochen die meiste Kritik entgegenschlug – ins politische Berlin.

Als erstes betritt Jürgen Fitschen die Bühne des Deutschen Theaters und führt ein Gespräch mit dem finanzpolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick. Da gibt es viel zu bereden. Anlass ist die Vorstellung von Schicks neuem Buch „Machtwirtschaft - nein Danke! Für eine Wirtschaft, die uns allen dient.“ Eine Wirtschaft, in der es nur um Macht und Geld gehe, „wird den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht“, lieferte schon im Vorfeld der Verlag auf der Einladung eine Steilvorlage. Tags darauf hält Anshu Jain, der zweite Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, unweit des Brandenburger Tores in den Räumen der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft ein Grußwort bei der Vorstellung des Buchs „Klare Worte“ von Altkanzler Gerhard Schröder.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Fitschen auf einem Podium mit einem Grünen-Politiker, der dem linken Flügel seiner Partei zugerechnet wird, ist ein ungewohntes Bild, zumal der Co-Chef der Deutschen Bank normalerweise den Austausch mit der ersten Reihe der Politik pflegt. Doch dieses Verhältnis hat in den letzten Wochen schwer gelitten, seit Fitschen sich vor einigen Wochen recht dünnhäutig mit Finanzminister Wolfgang Schäuble angelegt hat.

Ausgelöst worden war der heftige Disput durch ein Interview Schäubles im Handelsblatt. Der Minister hatte sich darin gegen eine Regulierungspause für Banken ausgesprochen und dies damit begründet, dass die Kreativität der Institute, die Regulierung zu umgehen, weiter groß sei. Fitschen, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist, wies dies zurück. Es könne nicht sein, dass man sich hinstellt und sagt, die Banken umgingen immer noch die Regeln. Daraufhin wies Schäuble wies Schäuble den Bankchef mit den Worten zurecht, wenn sich Herr Fitschen seine Aussagen noch mal genauer anschaue, werde er sicher zur Erkenntnis kommen, dass er in der Sache nicht Recht habe. „Und im Ton hat er sich ganz sicher vergriffen.“

Interview mit Gerhard Schick: „Der Steuerzahler wird über den Tisch gezogen”

Interview mit Gerhard Schick

„Der Steuerzahler wird über den Tisch gezogen”

Gerhard Schick ist empört: Denn von der Finanzpolitik der Regierung profitieren nur Konzerne, nicht die Bürger, sagt er. In seinem neuen Buch rechnet der grüne Finanzpolitiker mit der Machtwirtschaft der Unternehmen ab.

In der Diskussion mit Schick spielt der Zwist nur am Rande eine Rolle. Ob er glaube, dass er nach dem „Fernduell“ mit Schäuble noch Freunde im politischen Berlin habe, wird Fitschen gefragt. „Absolut“, entgegnet er selbstbewusst. Im Übrigen habe er „kein Duell“ mit Schäuble gehabt. Er wolle das heute auch nicht vertiefen. Was war, sei ausgetragen, sagt der Topbanker vor rund 80 Zuhörern.

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