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09.02.2016

12:04 Uhr

Fleischkonsum in Deutschland

„Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers“

Deutschland verbraucht doppelt so viel Fleisch wie der Weltdurchschnitt. Grüne und Verbände fordern, die Deutschen sollten weniger davon essen. Doch der Verzehr ist seit Jahren rückläufig. Das Problem ist ein anderes.

Im Kühlraum der Teterower Fleisch GmbH bereitet Peter Riedel die Rinderhälften für die Verladung vor. Die Fleischproduktion erreichte dieses Jahr einen Höchstwert. dpa

Teterower Fleischwerk stark im Export

Im Kühlraum der Teterower Fleisch GmbH bereitet Peter Riedel die Rinderhälften für die Verladung vor. Die Fleischproduktion erreichte dieses Jahr einen Höchstwert.

DüsseldorfDeutschland hat ein Fleischproblem. 88,3 Kilogramm verbraucht ein Deutscher durchschnittlich im Jahr. Das ist doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. Umweltschützer wie Politiker fordern daher eine Drosselung des Fleischkonsums in Deutschland. Würden alle Menschen so viel Fleisch essen, „bräuchten wir einen zweiten Planeten“, sagt Nicole Maisch, Grünen-Sprecherin für Tierschutz und Verbraucherpolitik.

Sie fordert daher eine Ende der Massentierhaltung und der Dumpingpreise für Fleisch, die in Deutschland vorherrschten. „Ein Kilo Hackfleisch für 3,40 Euro ist pervers.“ Die Preise müssten sich stattdessen an der sozialen und auch ökologischen Wirklichkeit orientieren.

Wer Deutschland mit Fleisch versorgt

Deutsche lieben Fleisch

Die Deutschen essen sehr viel Fleisch - und vor allem Schwein: 39,2 Kilogramm sind es pro Jahr und Person im Durchschnitt. Dazu kommen 11,5 KG Geflügel und 8,7 KG Rind. Davon ist nur ein Bruchteil Bio: Beim Schwein sind es 240 Gramm, beim Geflügel 60 Gramm, beim Rind 170 Gramm.

Platz 9: Röthkötter

Die Röthkötter-Gruppe machte 2010 einen Umsatz von 670 Millionen Euro und liegt damit auf Rang neun. Wichtigste Tochterfirma ist Emsland Frischgeflügel.

Platz 3: Müller

Die Müller-Gruppe aus Birkenfeld kommt auf einen Umsatz von 0,72 Milliarden Euro. Die wesentlicher Geschäftsfelder sind Schlachtung und Zerlegung von Rindern, Kälbern und Schweinen.

Platz 7: Sprehe

Die Sprehe-Gruppe aus Lorup kommt gerundet ebenfalls auf einen Umsatz von 0,72 Milliarden Euro. Rund 2500 Mitarbeiter sind für das Unternehmen aus Lorup tätig.

Platz 6: Zur Mühlen

Auf Rang 6 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe aus Böklund. Aus der Werbung kennt man daher auch die Böklunder-Produkte am besten, allerdings macht das Unternehmen seine 830 Millionen Euro Umsatz mit weitaus mehr Marken wie Könecke, Redlefsen, Schulte, Zerbster Original und Plumrose.

Platz 5: Heristo

Heristo kommt auf einen Umsatz von 1,54 Milliarden Euro und ist in vielen Bereichen tätig. Neben der Fleischproduktion gehört dazu auch Tiernahrung. Das Familienunternehmen wurde 1913 in Versmold gegründet und hat seinen Sitz heute in Bad Rothenfelde.

Platz 4: Westfleisch

Auch der Viertplatzierte kommt aus Westfalen: Westfleisch aus Münster erwirtschaftet einen Umsatz von 1,93 Milliarden Euro. Gegründet wurde das Unternehmen am 28. Oktober 1928 als Westfälische Provinzial-Viehverwertungsgenossenschaft WPVG.

Platz 3: Wiesenhof

Die PHW-Gruppe aus Visbek kommt auf einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und schafft es damit aufs Podium. Das Unternehmen ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Bekannteste Marken sind Wiesenhof und Bruzzzler. 

Platz 2: Vion Food Germany

Inmitten den bekannten Namen von Familienunternehmen taucht mit Vion Food Germany sozusagen ein Exot auf Platz 2 auf. Das Unternehmen kommt hierzulande auf einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro und ist eine Tochterfirma des niederländischen Riesen Vion.

Platz 1: Tönnies

Clemens Tönnies ist den meisten Deutschen als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußballclubs Schalke 04 bekannt. Sein Unternehmen ist mit einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro Deutschlands größter Fleischproduzent. Sitz des Konzerns ist Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen.

Neue Ställe in Deutschland

Derzeit werden in Deutschland überall neue Ställe gebaut - vor allem für Schweine und Geflügel. Vor allem niederländische Betriebe betrieben in der Heimat förmlich in ihrer Gülle, da lockt der Weg nach Deutschland.

Kritik an der Haltung

Massive Kritik gibt es an der Haltung und der Schlachtung längst nicht mehr nur von Tierschützern. In den "Ferkelbatterien" erlangen Jungtiere in 180 Tagen ihr Schlachtgewicht von 90 Kilogramm. Das sind pro Tag 200 Gramm mehr Fett und Fleisch. Vor allem die männlichen Ferkel durchlaufen dabei eine extrem schmerzhafte Prozedur.

Unterstützung bekommt sie aus Reihen der SPD. Christina Jantz, Tierschutzbeauftragte der Sozialdemokraten, forderte bessere Haltungsbedingungen für Tiere und Unterstützung der Landwirte im Wandlungsprozess. Es müsse einen „Mix aus gesetzlichen Maßnahmen“ geben, so Jantz. Moritz Heuberger, Sprecher der Grünen Jugend, plädierte des Weiteren, die artgerechte Tierhaltung von Bio-Höfen als gesetzlichen Standard festzuschreiben.

Doch nicht nur das Wohl der Tiere sei vom übermäßig hohen Fleischverbrauch betroffen, heißt es von den Kritikern. Die Viehhaltung ist maßgeblich für Treibhausgase verantwortlich, mehr sogar als alle Autos, LKW und Flugzeuge zusammen.

Durch den extrem hohen Fleischkonsum der Deutschen werde der Ausstoß von Treibhausgasen und der weltweite Flächenverbrauch zusätzlich beschleunigt, mahnt WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran. Sie fordert daher die Einführung eines „Gülle-Euro“, einer Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse.

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