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04.08.2014

08:21 Uhr

Flexi-Rente

Auch SPD für Teilrente ab 60

Als der DGB im Juni vorschlug, die Altersgrenze für die Teilrente zu senken, war die Aufregung groß. Dabei sind eigentlich alle Seiten für einen flexibleren Renteneintritt. Jetzt haut auch die SPD in dieselbe Kerbe.

Den Grünen schwebt eine Flexi-Rente schon ab 60 Jahren vor. dpa

Den Grünen schwebt eine Flexi-Rente schon ab 60 Jahren vor.

BerlinÄltere Arbeitnehmer sollen nach den Vorstellungen der SPD künftig ihre Arbeitszeit reduzieren und als Ausgleich schon mit 60 Jahren eine Teilrente in Anspruch nehmen können. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Carola Reimann präzisierte in der „Berliner Zeitung“ (Montag) die Pläne der Sozialdemokraten für eine solche Flexi-Rente. „Wir wollen, dass jeder früher aufhören, aber auch länger arbeiten kann – abhängig von der Situation am Arbeitsplatz und der individuellen Leistungsfähigkeit“, sagte sie. Dazu solle es möglich sein, ab dem 60. Lebensjahr 30, 40, 50, 60 oder 70 Prozent Rente in Anspruch zu nehmen. Die bisherigen starren Hinzuverdienstgrenzen sollten gelockert werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte bereits im Juni einen flexiblen Übergang in die Rente schon ab 60 Jahren gefordert. Sein Vorstoß, die Altersgrenze für die Teilrente von 63 auf 60 Jahren zu senken, stieß aber auf massiven Widerstand, Union und Arbeitgeber lehnten den Vorstoß strikt ab.

Die Möglichkeit, weniger zu arbeiten und mit Abschlägen früher Rente zu kassieren, gibt es bereits seit 1992. Die bisherige Regelung für eine solche Teilrente gilt aber als kompliziert und unflexibel. Union und SPD sind dabei, mit dem Arbeitsministerium und den Tarifpartnern Regelungen für einen flexibleren Ausstieg aus dem Beruf zu erarbeiten.

Die Pläne zur abschlagfreien Rente mit 63

45 Jahre eingezahlt

Wer 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann mit 63 Jahren ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Für jeden Monat, den die Rente vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter beginnt (2014: 65 Jahre und drei Monate), wird das Altersgeld eigentlich um 0,3 Prozent gekürzt. Dieser lebenslange Abschlag entfällt bei der Rente mit 63.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Aus der Rente mit 63 wird bis 2029 die Rente mit 65: Die Schwelle soll schrittweise steigen. Die neue „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ gilt ab 63 Jahren nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt. Für ab 1953 Geborene steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Für ab 1964 Geborene liegt sie somit bei 65 Jahren.

Anspruchsvoraussetzungen sinken

Bisher gab es nur eine „Rente für besonders langjährig Versicherte“ ab 65 Jahren. Die neue Rente mit 63 weitet diese Regel aus und senkt zudem die Anspruchsvoraussetzungen. Zeiten der Arbeitslosigkeit werden als Beitragsjahre mitgezählt, wenn Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld I bestand. Hartz-IV-Empfänger bleiben außen vor.

Was das kostet

Die Kosten wachsen langsam von 900 Millionen Euro 2014 auf 1,9 Milliarden Euro 2015 bis auf 3,1 Milliarden jährlich im Jahr 2030.

Die große Koalition will es Arbeitnehmern erleichtern, nicht nur früher in Rente zu gehen, sondern auch über die gesetzliche Altersgrenze hinaus zu arbeiten. Reimann zeigte sich bereit, auch über die Forderung der Arbeitgeber zu reden, in diesem Fall auf Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu verzichten. Umgekehrt solle auch ein gleitendes früheres Ausscheiden aus dem Job ermöglicht werden.

Reimann wies aber darauf hin, dass bei einer Teilrente ab 60 finanzielle Abschläge fällig würden: „Klar ist, dass die Lösung für die Rentenkassen keine neue Belastung verursachen darf.“ Gemeinsam mit dem Ministerium prüfe man derzeit, wie die Einbußen für die Ruheständler kompensiert werden könnten: „Denkbar wäre etwa, dass Beschäftigte in jüngeren Jahren Arbeitszeit ansparen und dann einsetzen. Oder man könnte Betriebsrenten oder freiwillige Beiträge dafür verwenden.“ Reimann kündigte an, dass die Arbeitsgruppe der großen Koalition im Herbst konkrete Vorschläge für flexiblere Rentenübergänge präsentieren werde. „Zum Jahresende wäre dann klar, was im Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden soll.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr D. Dino54

04.08.2014, 09:47 Uhr

Macht e n d l i c h die seit vielen Jahren überfällige Renten- und Gesundheitsreform, die den Namen verdient !!!

Die Rente muss u.a. auf andere Säulen aufgestellt werden, bei der Gesundheit müssen u.a. die fatalen falschen ANREIZE beseitigt werden !

Zu diesen seriösen Aufgaben gehören neutrale Experten- und Spezialisten vom Fach und keine kranken Lobbyisten !

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Hört endlich auf, rum zumurksen !!!
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Und weg von der stetigen Willkür der Politik und Lobby in diesen Bereichen !!!

Keine vorprogrammierte Altersarmut, private unrentable Lobby - RENTE und überflüssige Operationen und
Medikamente, das wär mal was !!!

Herr BL. Se

04.08.2014, 10:35 Uhr

Renten und Gesundheitspolitik muss jetzt richtig reformiert werden.
Dabei müssen alle Einflüsse der Lobbyisten unterbunden werden.
Wichtig und richtig ist ein System zu bilden, dass für längere Zeit bestehen kann, und verlässlich ist.
Dabei sollte man auch die Beamten mit einbinden.
Können denn nicht alle in ein System eingebunden werden.
Warum braucht man Renten und Pensionskasse.
Warum braucht man GKV (gesetzliche Krankenversicherung),
und PKV (private Krankenversicherung).
In der Krankenversicherung gibt es einen unmöglichen Wirrwar.
GKV (mit hohen Beiträgen für einige).
GKV Familienversicherung (Beitragsfreiheit für Angehörige).
PKV (mit Beihilfen für Beamte).
PKV (mit unbezahlbaren Beiträgen für viele Rentner und Selbständige).
Das ganze zielt an dem eigentlichen Zweck vorbei.
Es muss möglich sein, dass in jungen Jahren alle nach ihren finanziellen Möglichkeiten ins System eingebunden werden, und im Alter wenn die Krankheiten los gehen und die Kosten steigen, eine bezahlbare versicherung besteht.
Die Renten und Krankenkassen müssen den privaten Finanzspekulanten entzogen werden. Diese Systeme müssen in staatliche Hand, und alle Zweckentfremdungen müssen unter Strafe gestellt werden. Solche Kassen dürfen nicht der Spekulation ausgesetzt werden.

Frau Margrit Steer

04.08.2014, 11:48 Uhr

Reform heißt lt. Duden : verbessern-erneuern
Bei unsren Politikern heißt Reform aber nur Preiserhöhung.
Usre Politiker sind zu nichts mehr in der Lage

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