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11.04.2017

09:30 Uhr

Flixbus

Monopol oder nicht?

VonDana Heide, Milena Merten

Bundeswirtschaftsministerin Zypries besucht den Fernbusanbieter Flixbus. Der Monopolist beherrscht 92 Prozent des deutschen Fernbus-Marktes. Die Fragen der Flixbus-Mitarbeiter zur Fernbus-Maut wirken abgesprochen.

Zur Marktmacht von Flixbus sagt die Ministerin: „Momentan sehen wir keine Veranlassung, da einzugreifen.“ dpa

Brigitte Zypries

Zur Marktmacht von Flixbus sagt die Ministerin: „Momentan sehen wir keine Veranlassung, da einzugreifen.“

Es ist warm, es ist stickig, Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sitzt in einem viel zu kleinen Raum im Berliner Büro eines Start-ups, das es bis zum Monopolisten gebracht hat: der Fernbusanbieter Flixbus. „Sie brauchen mal einen größeren Besprechungsraum“, sagt sie an Mitarbeiter und den Gründer des Unternehmens André Schwämmlein gerichtet. Tatsächlich ist das Unternehmen seit seiner Gründung vor vier Jahren rasant gewachsen.

Flixbus hat inzwischen knapp 1.000 Mitarbeiter und fährt nach eigenen Angaben rund 1.000 Ziele in 21 Ländern an. Das Mobilitäts-Start-up hat in den vergangenen vier Jahren stark expandiert und beherrscht laut einer Analyse des Marktforschers Iges mittlerweile 92 Prozent des Fernbusmarktes in Deutschland. Brigitte Zypries ist zu Besuch bei einem Monopolisten.

In dem Besprechungsraum präsentiert Gründer André Schwämmlein ihr die Eckdaten seiner Erfolgsgeschichte. Flixbus sei mittlerweile in Deutschland Marktführer, sagt er voller Stolz. Zypries sitzt auf einem grünen Sessel, beißt gelegentlich in einen Apfel und hört zu. Als nur noch das Kerngehäuse des Apfels übrig ist, zeigt ihr Schwämmlein eine Abbildung einer Europa-Karte. Auf der linken Seite Europa Anfang 2015 – nur Deutschland ist von Flixbus erobert. Auf der rechten Seite Europa Anfang 2017 – auch Frankreich und andere wichtige Länder sind jetzt Flixbus-Land.

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Dann holt er zur Geschichte aus, warum Flixbus dennoch kein Monopolist ist. Auch dazu zeigt er wieder eine Grafik. Darauf zu sehen sind alle Verkehrsmittel, die Flixbus als Konkurrent betrachtet. Rund 80 Prozent sind Individualverkehr, also größtenteils Autos.

Da wird es Bundeswirtschaftsministerin Zypries zu bunt. Wenn es nur um Fernbusse ginge, sei die Konkurrenz doch mittlerweile schwindend gering, sagt sie. Schwämmlein und seine Kollegen winken ab: Flixbus habe kein Monopol. Man müsse den gesamten Mobilitätsmarkt betrachten und nicht nur den Fernbusmarkt. Reisende könnten sich zwischen Fernbus, Bahn, Flugzeug und Auto entscheiden. Insofern habe Flixbus sehr viele Konkurrenten.

Auf Nachfrage des Handelsblatts zur Marktmacht von Flixbus sagt die Ministerin dennoch: „Momentan sehen wir keine Veranlassung, da einzugreifen.“ Sie verweist auf das Bundeskartellamt. Tatsächlich könnte die Behörde, die dem Bundeswirtschaftsministerium nachgeordnet ist, bei dem Verdacht auf Marktmachtmissbrauch gegen Flixbus vorgehen. Bisher wurde aber noch kein Verfahren geführt.

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Zypries lässt sich weiter durch das Bürogebäude führen. Ein Mitarbeiter zeigt ihr das Liniennetz von Flixbus. Auf dem Bildschirm lässt sich verfolgen, welcher Bus gerade wo ist, wie schnell er fährt, ob er Verspätung oder eine Panne hat. Die Deutschlandkarte auf dem Bildschirm ist ein dichtes Netz aus orangefarbenen Punkten und Linien. Die Linien führen auch in die Nachbarländer und darüber hinaus – nach Italien, Spanien oder Kroatien. Und Flixbus will noch mehr: „In den kommenden Jahren werden wir Skandinavien und Osteuropa stärker erschließen“, kündigt Schwämmlein an.

Zum Abschluss hat Schwämmlein eine Fragerunde für die Flixbus-Mitarbeiter organisiert. Vorab ausgewählte Mitarbeiter dürfen der Bundeswirtschaftsministerin Fragen stellen. Auch die Fragen selbst wirken wie vorab abgesprochen – zu auffällig ist es, dass fast jeder Mitarbeiter Zypries auf das Thema Fernbus-Maut anspricht. Eine solche Maut würde die Mobilität von Kleinverdienern beschränken, klagt ein Mitarbeiter. Ein anderer betont, Flixbus trage mit seinen niedrigen Preisen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass Geringverdiener überhaupt durch Europa reisen könnten. Eine Maut würde zwangsläufig dazu führen, dass die Preise steigen.

Nach der dritten Bemerkung zum Thema Maut weist Zypries freundlich darauf hin, dass sie sich durchaus für die Mobilität von Geringverdienern einsetze, aber die Adressaten solcher Förderungen seien die Geringverdiener selbst und nicht ein bestimmtes Geschäftsmodell. „Die Maut wird in der nächsten Legislaturperiode durchaus ein Thema sein – jetzt, wo Flixbus groß geworden ist.“

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