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08.06.2016

08:49 Uhr

Flüchtlinge

500.000 Neuankömmlinge aus Syrien erwartet

Behörden erwarten im Zuge des Familiennachzugs die Ankunft Hunderttausender weiterer Syrer in den kommenden Monaten. Für jeden anerkannten Flüchtling wird ein nachziehender Angehöriger einkalkuliert.

Das Bamf rechnet damit, dass für jeden anerkannten syrischen Flüchtling ein Angehöriger dazukommen werde – als Ehegatte, Kind oder Elternteil unbegleiteter Minderjähriger. dpa

Flüchtlingskinder in Berlin

Das Bamf rechnet damit, dass für jeden anerkannten syrischen Flüchtling ein Angehöriger dazukommen werde – als Ehegatte, Kind oder Elternteil unbegleiteter Minderjähriger.

MünchenDas Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) stellt sich auf die Ankunft hunderttausender weiterer Syrer ein, die als nachziehende Familienmitglieder nach Deutschland kommen können. Diese Entwicklung werde sich allerdings über viele Monate hinziehen, heißt es in einer internen Prognose des Bamf, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwochsausgabe) zitierte.

Wenn Faktoren wie Alter, Kinderzahl und bereits mitgereiste Angehörige berücksichtigt würden, sei damit zu rechnen, dass im Durchschnitt für jeden anerkannten syrischen Flüchtling ein Angehöriger dazukommen werde – als Ehegatten, Kinder oder Eltern unbegleiteter Minderjähriger. Die Bamf-Prognose stammt nach „SZ“-Angaben von Ende 2015.

Laut Ankunftsstatistik des Bundesamts kamen 2015 etwa 428.000 Syrer nach Deutschland; in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres waren es noch einmal knapp 72.000. Entsprechend müsste mit bis zu 500.000 nachziehenden Neuankömmlingen gerechnet werden.

Flüchtlingspolitik: Der EU-Türkei-Aktionsplan

Vereinbarungen für weniger Flüchtlinge

Die Türkei soll der EU dabei helfen, dass weniger Flüchtlinge nach Westeuropa kommen. Das Land ist nämlich für viele Migranten ein wichtiges Transitland. Bereits im November wurden dafür die folgenden Punkte vereinbart.

Grenzschutz

Um die illegale Einreise von Flüchtlingen in die EU zu stoppen, soll die Türkei ihre Seegrenzen zu Griechenland besser sichern. Zudem soll das Land stärker gegen Schleuser vorgehen, die die Flüchtlinge über die Ägäis bringen.

Leben in der Türkei

Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Türkei sollen verbessert werden, damit diese gar nicht erst nach Europa weiterreisen. Dabei geht es etwa um eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildungschancen für Kinder. In einem ersten Schritt hat die Türkei bereits ein Arbeitsverbot für Flüchtlinge gekippt. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) leben in der Türkei mittlerweile allein 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge.

Geld

Für die Versorgung der Flüchtlinge haben die EU-Staaten der Türkei drei Milliarden Euro zugesagt.

Politische Zugeständnisse

Die EU hat der Türkei zugesagt, die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und einen möglichen EU-Beitritt zu beschleunigen. (Quelle: dpa)

Seit Inkrafttreten des Asylpakets II erhalten zwar mehr syrische Flüchtlinge nur noch den so genannten subsidiären Schutz, außerdem wurde der Familiennachzug bei ihnen für zwei Jahre ausgesetzt. Das werde die Zahlen aber erst für die Zukunft etwas verringern, schreibt die SZ.

In den vergangenen Monaten hatte es Prognosen gegeben, die eine Verdrei- oder Vervierfachung der Flüchtlingszahlen durch den Familiennachzug vorausgesagt hatten. Dem widersprachen die Bamf-Experten in dem zitierten Papier. Gleichzeitig betonten sie aber, dass auf die Sozialkassen zusätzliche Aufgaben zukämen. Wegen der „erheblichen zeitlichen Verzögerung beim Familiennachzug“ werde dies aber nur schrittweise eintreten.

Tatsächlich gibt es bei der Bewilligung der Nachzugs-Visa an den deutschen Vertretungen in der Türkei und in Beirut erhebliche Wartezeiten. Diese Botschaften sind für syrische Angehörige die wichtigsten. Die Bundesregierung hat die Kapazitäten dort massiv ausgebaut. Trotzdem müssen Antragsteller oft viele Monate auf einen Bescheid warten.

Von

afp

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