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14.09.2016

20:05 Uhr

Flüchtlinge bei Continental

Der schwierige Weg ins Arbeitsleben

VonStefan Menzel

Der Automobilzulieferer Continental hat die Einstiegshürden für Flüchtlinge gesenkt. Doch trotzdem geht es nur langsam voran. Es fehlen häufig die nötigen Qualifikationen. Doch es gehe um eine historische Aufgabe.

Neben Modellen wie bei Continental gibt es eigens eingerichtete Lernwerkstätten für die Ausbildung von Flüchtlingen. dpa

Qualifikation für Flüchtlinge

Neben Modellen wie bei Continental gibt es eigens eingerichtete Lernwerkstätten für die Ausbildung von Flüchtlingen.

HannoverCheck Badri Kone hat einen langen Fluchtweg hinter sich. Weil die Lage in seinem Heimatland Mali immer bedrohlicher wurde, machte er sich auf in Richtung Europa. Nach einem Zwischenstopp in Libyen ging es auf dem gefährlichen Seeweg weiter nach Italien.

Jetzt steht der 20-Jährige an einer Maschine des Automobilzulieferers Continental in Hannover und lässt sich in die Fertigung von Kunststofffolien für Armaturenbretter und Innenverkleidungen einweisen. Er beginnt eine sechsmonatige Vorausbildungszeit vor der eigentlichen Lehre, bei Continental heißt das „Einstiegsqualifizierung“. „Danach will ich auf jeden Fall mit einer Lehre beginnen“, sagt er in fast akzentfreiem Deutsch.

Dieser Vorlauf von einem halben Jahr ist eine Antwort des hannoverschen Zuliefererkonzerns zur Integration von Flüchtlingen in das deutsche Arbeitsleben. Die formale Qualifikation stehe für Continental bei einer Einstellung nicht allein im Vordergrund, erläutert Personalvorstand Ariane Reinhart. Auch unter den Flüchtlingen gebe es genügend Potenzial, es müsse nur entsprechend gefördert werden.

Etappen der Flüchtlingskrise

25. August 2015

Deutschland setzt das Dublin-Verfahren für Syrer aus. Das bedeutet, die Flüchtlinge werden nicht mehr in das Land zurückgeschickt, in dem sie zuerst EU-Boden betreten haben.

31. August 2015

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt die Bewältigung des Flüchtlingszuzugs eine „große nationale Aufgabe“ und beteuert: „Wir schaffen das.“

04. September 2015

Deutschland und Österreich entscheiden, Tausende Flüchtlinge und Migranten aufzunehmen, die in Ungarn gestrandet sind. Bei der Ankunft in Deutschland werden die Menschen bejubelt. CSU-Chef Horst Seehofer fühlt sich übergangen und warnt vor Überforderung.

23. September 2015

Die EU-Staats- und Regierungschefs beschließen, die Hilfen zu erhöhen und 160.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedsländer zu verteilen. Eine große Entlastung für Deutschland bleibt aus.

15. Oktober 2015

Der Bundestag beschließt ein neues Asylrecht. In die Länder Albanien, Kosovo und Montenegro können Menschen nun leichter abgeschoben werden. Asylbewerber sollen möglichst nur Sachleistungen erhalten.

05. November 2015

Die Koalition verständigt sich auf besondere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge mit geringen Bleibechancen. Zudem wird eine zweijährige Aussetzung des Familiennachzugs bei Flüchtlingen mit niedrigerem Schutzstatus beschlossen.

20. November 2015

Auf dem CSU-Parteitag in München lehnt Merkel die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für die Zuwanderung strikt ab.

09. März 2016

Nach Slowenien, Kroatien und Serbien schließt auch Mazedonien seine Grenzen für Flüchtlinge und andere Migranten. Damit ist die Balkanroute faktisch dicht, über die 2015 mehr als eine Million Menschen nach Deutschland und Österreich gekommen waren.

18. März 2016

Die EU und die Türkei einigen sich darauf, Migranten, die illegal in Griechenland ankommen, in die Türkei zurückzuschicken. Im Gegenzug soll für jeden zurückgenommenen Syrer ein anderer Syrer legal und direkt von der Türkei aus in die EU kommen.

04. April 2016

Die Rückführung von Flüchtlingen und anderen Migranten von Griechenland in die Türkei sowie die Umsiedlung von Syrern aus der Türkei in die EU beginnt.

Der Milliarden-Konzern aus Hannover lockert die Voraussetzungen, um die Einstellung von Flüchtlingen zu erleichtern. Continental hat etwa Auswahltests in zusätzlichen Sprachen wie Arabisch und Persisch eingeführt. Dem Zulieferer geht es darum, in diesen Tests das grundsätzliche Können eines Bewerbers zu erkennen.

Continental kann so auf Zeugnisse verzichten, die einem Jobinteressenten dessen Kenntnisse ohnehin nur auf dem Papier bescheinigen würden. „Ein Viertel der Testteilnehmer zeigt ausreichende Fähigkeiten“, erläutert Steffen Brinkmann, der für Continental in Deutschland für den Personalbereich verantwortlich ist. Aber eben auch nur ein Viertel. Das zeigt das Grundproblem: Vielen Flüchtlingen fehlen die nötigen Qualifikationen für einen Berufseinstieg.

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