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02.09.2015

13:15 Uhr

Flüchtlinge im Mittelmeer

Wenn Urlauber auf Flüchtlingsboote treffen

VonLars-Thorben Niggehoff

Das Mittelmeer ist ein beliebtes Revier für Wassersportler. Dabei kreuzen sie auch die Routen der Schleuser. Doch was tun, wenn Segler auf in Seenot geratene Flüchtlingsboote treffen? Eine Broschüre gibt Antworten.

Ein Segler trifft auf Boot voller Flüchtlinge. Was tun? dpa

Im Meer vor Kos

Ein Segler trifft auf Boot voller Flüchtlinge. Was tun?

DüsseldorfAuf Flüchtlinge ist Götz Fellrath erstmals vor vier Jahren getroffen. 2011 war das, auf einer kleinen Insel mitten im Mittelmeer. Fellrath war im Ägäischen Meer auf einer Bootstour unterwegs. Für ihn nichts Neues, seit 20 Jahren ist er immer wieder gemeinsam mit Freunden auf dem Wasser unterwegs. Auf dem unbewohnten Eiland sah er einige Menschen herumlaufen, offenbar Flüchtlinge. „Wir haben die Küstenwache informiert“, erzählt Fellrath. Damals wurde ihm klar, wie nah bei einander im Mittelmeer Urlaubsgefühle und die tragischen Schicksale von Menschen auf der Flucht nach Europa liegen.

Selten sind solche Begegnungen von Seglern und Flüchtlingsbooten nämlich nicht. Meist sind es Privatleute, die als Erste auf in Seenot geratene Flüchtlingsschiffe treffen. Und auch wenn Götz Fellrath damals instinktiv richtig gehandelt hat, so herrscht doch bei vielen Unsicherheit. Was tun, wenn Flüchtlinge ins Wasser springen, sobald ein Katamaran in Sichtweite kommt? Werde ich selbst zum Schleuser, wenn Flüchtlinge an Bord meines Schiffs nach Europa segeln?

Zahlen und Fakten zu Flüchtlingen

219.000 Menschen...

...flohen laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35.000.

3500 Menschen...

...kamen 2014 bei ihrer Flucht ums Leben oder werden vermisst; im laufenden Jahr sind es bis zum 20. April 1600.

170.100 Flüchtlinge...

...erreichten 2014 über das Meer Italien (Januar bis März 2015: mehr als 10.100); weitere 43.500 kamen nach Griechenland, 3500 nach Spanien, 570 nach Malta und 340 nach Zypern.

66.700 Syrer...

...registrierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2014 bei einem illegalen Grenzübertritt auf dem Seeweg, 34.300 Menschen kamen aus Eritrea, 12.700 aus Afghanistan und 9800 aus Mali.

123.000 Syrer...

...beantragten im vergangenen Jahr in der EU Asyl (2013: 50.000).

202.700 Asylbewerber...

...wurden 2014 in Deutschland registriert (32 Prozent aller Bewerber), 81.200 in Schweden (13 Prozent) 64.600 in Italien (10 Prozent), 62.800 in Frankreich (10 Prozent) und 42.800 in Ungarn (7 Prozent).

Um 143 Prozent...

...stieg die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu 2013 in Italien, um 126 Prozent in Ungarn, um 60 Prozent in Deutschland und um 50 Prozent in Schweden.

Mit 8,4 Bewerbern...

... pro tausend Einwohner nahm Schweden 2014 im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Flüchtlinge auf. Es folgten Ungarn (4,3), Österreich (3,3), Malta (3,2), Dänemark (2,6) und Deutschland (2,5).

600 000 bis eine Million Menschen...

...warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen.

Wie Urlaubskapitäne in einer solchen Situation richtig reagieren, weiß „Pro Asyl“. Deshalb hat die Menschenrechtsorganisation eine Broschüre herausgegeben, die Kapitäne und Crew über das richtige Verhalten im Ernstfall aufklärt. „Auslöser hierfür war für uns das Massensterben im Mittelmeer“, erklärt die Organisation. Allein in diesem Jahr sind nach Schätzung der Vereinten Nationen bereits 2.500 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ertrunken.

Auch Götz Fellrath bekam die Pro-Asyl-Broschüre zugesandt. Diesen Sommer will er wieder raus aufs Meer – dieses Mal bei Sizilien. Dazu mietete er sich ein Boot bei Master Yachting. Die Yachtcharter-Agentur sendet seit mittlerweile gut einem Jahr jedem Kunden mit dem Leihvertrag automatisch die Broschüre zu.

„Da unsere Kunden mit zwölf bis 16 Meter langen Yachten im ganzen Mittelmeer unterwegs sind und natürlich auch die Routen der Schleuser passieren, wollten wir ihnen mit dieser Broschüre helfen“, erklärt Unternehmenssprecher Max Barbera. Man wolle keine Ängste schüren, dennoch sei Information Teil der Aufgabe des Bootsverleihs.

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Aber was ist denn nun das richtige Verhalten? Der wichtigste Punkt: Helfen ist Pflicht. Mehrere internationale Vereinbarungen besagen, dass man Menschen in Seenot immer beispringen muss. Unabhängig davon, ob diese die illegale Einreise nach Europa planen oder nicht. Als Erstes gilt es daher, den zuständigen Seenotrettungsdienst oder andere nahe Schiffe zu informieren, damit diese die in Not geratenen bergen kann.

Helfen heißt daher nicht zwangsläufig, dass man alle Flüchtlinge an Bord aufnehmen muss – zumindest nicht, wenn keine akute Lebensgefahr besteht oder man sich durch deren Aufnahme selbst in Gefahr begibt. Erste Hilfe muss aber in jedem Fall geleistet werden.

Kommentare (6)

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Herr Jordache Gehrli

02.09.2015, 13:38 Uhr

Lasst und die Begrifflichkeiten differenzieren. Es gibt sicherlich ein paar Menschen die sind tatsächlich auf der Flucht vor Verfolgung befinden, also "Flüchtlinge"!
Den überwiegenden Teil, die derzeit zu uns kommen, sollten wir als "Gäste" bezeichnen. Weil: "Gäste" lädt man zum Kommen ein. Und das machen wir gerade. Wir laden die Menschen ein zur "Voll-Versorgung-All-inclusive" mit Verpflegung, Unterkunft, Ausbildung, Ärztlicher Behandlung etc.....das haben die Meisten nun mal nicht und machen sich deshalb auf die Socken. Wer von uns -wenn er denn in Libyen oder Eritrea wohnen würde- würde das NICHT tun?
Damit Entwurzeln wir aber komplette Landstriche, nehmen diesen Ländern ihre Zukunft, weil ihre jungen Leute abwandern. Zudem werden wir nicht ALLE auf Dauer versorgen können. Unter dem Strich also eine menschenverachtende, völlig asoziale und überaus dämliche Politik, die hier gerade von unserer Regierung betrieben wird. Aber vielleicht haben wir ja ein paar Profiteure (s. m. Kommentar unten)

Frau Ich Kritisch

02.09.2015, 14:09 Uhr

durch mehrfachpost wird der Inhalt nicht wahrer - der Post aber zur Spam und der Poster zum Spammer

Herr Jordache Gehrli

02.09.2015, 14:31 Uhr

Frau Buschmann....Und können sie mir das nochmal verzeihen, dass ich meine Meinung in 2 Foren kund getan habe??

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