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01.04.2016

11:06 Uhr

Flüchtlinge in der Arbeitswelt

„Die Masse kommt erst im zweiten Quartal“

Wie funktioniert die Integration von Flüchtlingen in deutsche Unternehmen? Einige Konzerne haben Programme dazu gestartet – mit unterschiedlichen Erfahrungen.

Die Bundesagentur für Arbeit sieht die Integration der Flüchtlinge noch am Anfang. dpa

Arbeitsmarkt

Die Bundesagentur für Arbeit sieht die Integration der Flüchtlinge noch am Anfang.

Ludwigshafen/Stuttgart Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren. Das klingt gut und ist erklärtes politisches Ziel: Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachte die Idee von Ein-Euro-Jobs für Asylbewerber auf, Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schlug jüngst ein Gesetz ins Gespräch, das die Integration in den Arbeitsmarkt zur Pflicht machen soll. Große Konzerne haben schon im vergangenen Jahr eigene Initiativen gestartet. Eine erste Bilanz fällt gemischt aus.

Beim Autobauer Daimler (170.000 Mitarbeiter in Deutschland) haben im vergangenen Herbst 40 „Brückenpraktikanten“ angefangen. Fast alle hätten danach ein Job angeboten bekommen, sagte ein Konzernsprecher. Manche bei Zeitarbeitsfirmen, andere bei Mittelständlern, zwei der Flüchtlinge sollen im Herbst eine Ausbildung bei Daimler beginnen. Weitere Praktikanten würden eingestellt – in ganz Deutschland sollen es bis zum Sommer 300 werden. Die ersten sechs Wochen bekommen sie Geld von der Bundesagentur für Arbeit, dann zahlt Daimler.

Voraussetzungen für die Einstellung von Flüchtlingen

Schulische Berufsausbildung

Rein schulische Berufsausbildungen sind für Asylsuchende und Geduldete rechtlich immer möglich und müssen nicht von der Ausländerbehörde genehmigt werden.

 

Praktika zur Einstiegsqualifizierung

Praktika zur Einstiegsqualifizierung, wie sie viele Konzerne anbieten, können sechs bis zwölf Monate dauern. Die Ausländerbehörde muss das genehmigen, die Arbeitsagentur nicht. Eine Förderung muss bei der örtlichen Arbeitsagentur beantragt werden.

Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung

Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung dürfen sechs Wochen dauern und müssen bei der Arbeitsagentur beantragt werden. Wieder gilt: Drei Monate Sperrfrist für Asylsuchende und Geduldete.

Leiharbeit

Wenn Flüchtlinge 15 Monate in Deutschland leben, können sie als Leiharbeiter eingestellt werden.

Generelle Praktika

Ganz normale Praktika müssen von der Ausländerbehörde und der Arbeitsagentur genehmigt werden. Es gilt zudem wie bei richtigen Jobs auch die Voranprüfung.

Flüchtlinge mit besonderen Qualifikationen

Bei Flüchtlingen mit besonderen Qualifikationen kann die Vorrangprüfung schon nach drei Monaten entfallen.

Asylbewerber aus sicherem Herkunftsland

Asylbewerber aus einem sogenannten sicheren Herkunftsstaat, die nach dem 31. August 2015 einen Antrag gestellt haben, dürfen nicht arbeiten, so lange ihr Verfahren bearbeitet wird.

Betriebliche Ausbildung

Eine betriebliche Ausbildung dürfen Asylsuchende ab dem vierten Monaten und Geduldete sofort beginnen, sofern kein Arbeitsverbot vorliegt. Die Ausländerbehörde kann für die Aufnahme einer Ausbildung eine Duldung zunächst für ein Jahr erteilen - und jeweils bei Bedarf verlängern. Die Lehre muss vor dem 21. Lebensjahr begonnen werden. Für den konkreten Ausbildungsplatz muss eine individuelle Beschäftigungserlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragt werden.

Arbeitsverbot für Geduldete

Es gibt Geduldete, die einem Arbeitsverbot unterliegen.

Arbeiten ohne Einschränkungen

Anerkannte Flüchtlinge dürfen in Deutschland ohne Einschränkungen arbeiten.

 

Ganz so rosig beschreibt BASF (rund 50.000 Mitarbeiter in Deutschland) seine Erfahrungen nicht. Der Chemiekonzern hat zum vergangenen Oktober 50 Flüchtlinge in ein Kennenlern-Programm aufgenommen, das die Teilnehmer auf den Arbeitsmarkt vorbereiten soll. Bislang sei noch keiner bereit für ein bezahltes Praktikum, eine Ausbildung oder gar den Direkteinstieg. „Wir sammeln noch viele Erfahrungen, wo Hindernisse sind“, sagt eine Sprecherin.

Aufenthaltsstatus und Arbeitsrecht seien große Hürden, genauso wie Deutschkenntnisse. So müssen die potenziellen Mitarbeiter bei dem Chemiekonzern in der Lage sein, Sicherheitsvorschriften auch auf deutsch zu verstehen. BASF plane deshalb derzeit noch nicht, eine weitere Gruppe von Flüchtlingen aufzunehmen, so die Sprecherin.

Die Organisation pro Asyl lobt die Initiativen, begegnet ihnen allerdings auch mit Skepsis. „Das muss man auch im Kontext der Werbeoffensiven sehen, die gestartet wurden“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer von Pro Asyl, Bernd Mesovic. „Unterm Strich kommt dabei wenig raus“.

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Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sieht man das anders. Praktika seien ein guter Berufseinstieg, sagt Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, da so Kontakt zwischen Flüchtlingen und Firmen entstehe. Allerdings dürften die beim Lohn nicht schlechter gestellt werden. Der Bund müsse dazu Mittel bereitstellen - genau wie für andere Gruppen, die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Zeitarbeit hält Buntenbach für kontraproduktiv, da das meist kurze und unsichere Arbeitsverhältnisse seien. Viele der Flüchtlinge hätten Schulden oder wollten ihre Familien unterstützen, die noch in der Heimat oder in Flüchtlingscamps lebten. Auch deshalb sei für viele eine schlecht bezahlte Ausbildung nicht attraktiv.

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