Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.09.2015

16:34 Uhr

Flüchtlinge in Deutschland

An diesen fünf Punkten hakt es

VonFrank Specht, Peter Thelen, Axel Schrinner, Lars-Thorben Niggehoff

Finanzen, Arbeitsmarkt, Wohnraum, Gesundheit, Bildung: Die Flucht nach Deutschland ist nur der erste Teil einer Odyssee. Zwischen Flüchtlingen und Staat läuft nicht alles glatt. Wir nennen die schlimmsten Fallen.

Es fehlt an Unterkünften für alle Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. dpa

Flüchtlinge in Rottenburg

Es fehlt an Unterkünften für alle Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen.

Berlin/Düsseldorf800.000 Flüchtlinge sollen dieses Jahr nach Deutschland kommen – vielleicht sogar mehr. Doch das ist nur der erste Teil. Denn in Deutschland angekommen warten neue Herausforderungen – nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf den Staat. Zum Beispiel bei der Unterbringung und bei der Integration. Ob Deutschland den Flüchtlingsansturm erfolgreich besteht, hängt in erster Linie davon ab, ob die überwiegend jungen Einwanderer sofort die richtigen Bildungsangebote bekommen. Darüber besteht ausnahmsweise zwischen Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik Einigkeit. Unsere Korrespondenten berichten von den größten Baustellen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise.

Die Finanzen

Eigentlich ist reichlich Geld in den deutschen Staatskassen vorhanden. Nach Schätzungen von Wirtschaftsforschern wird der Staat sowohl dieses als auch kommendes Jahr Überschüsse in zweistelliger Milliardenhöhe erwirtschaften. Der springende Punkt scheint derzeit zu sein, dass niemand so genau weiß, welche Kosten durch die Flüchtlinge auf welche staatliche Ebene zukommen.

Nach einer Faustregel kostet ein Flüchtling rund 1000 Euro pro Monat – bei einer Million Flüchtlingen, wie sie Vizekanzler Gabriel prognostiziert, wären das zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Dies gilt allerdings nur dann, wenn diese Menschen auch wirklich ein ganzes Jahr bleiben (dürfen).  In diesem Jahr dürfte ein Großteil der Kosten erst im zweiten Halbjahr beziehungsweise im Schlussquartal anfallen. Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass die Bearbeitungsdauer für Asylverfahren auf ein gutes halbes Jahr verkürzt werden kann und ein gutes Drittel der Verfahren anerkannt wird – viele Menschen werden also gar nicht ein Jahr in Deutschland bleiben.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Ungeachtet dessen müssen vor allem die Kommunen derzeit sehr viel mehr Geld für die Betreuung der Flüchtling aufwenden als eingeplant. Schon im ersten Quartal mussten sie 65 Prozent mehr Geld für Zahlungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz aufwenden – neuere Daten existieren noch nicht.

Obwohl die Aufnahme als eine gesamtstaatliche Aufgabe gesehen werden muss, darf der Bund laut Grundgesetz grundsätzlich kein Geld an die Kommunen direkt leiten. Dafür sind allein die Länder zuständig. Daher wird jetzt eine Grundgesetzänderung erwogen. Für 2016 hat der Bund bereits drei Milliarden Euro zusätzlich zugesagt – viel zu wenig, meinen jedenfalls Länder und Kommunen.

Axel Schrinner

Kommentare (352)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Doro Mann

17.09.2015, 16:39 Uhr

Gestern bei Anne Will ist mir eine Erkenntnis wie Schuppen aus den Haaren gefallen: Die Grüne Göring-Eckard und ihre Kumpane wollen Deutschland auflösen und in eine multikulturelle Wohngemeinschaft transferieren. Hierbei ist mir auch das peinliche Geklatsche deutscher Gutmenschen am Münchner Hauptbahnhof verständlich geworden. Dort waren alle Jubler Grüne, die dachten es kommen Geistesverwandte, die mit ihnen gemeinsam die Welt verändern werden. (Die Flüchtlinge hatten wohl eher ein mulmiges Gefühl, als sie von begeistert klatschenden Cheerleadern begrüßt wurden. Mein erster Eindruck als Flüchtling wäre gewesen, ich bin in einem Irrenhaus gelandet). Es muss ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob die Partei der Grünen nicht verboten werden muss, da sie Deutschland abschaffen will. So etwas nennt man normalerweise Hochverrat.

Herr Michael Müller

17.09.2015, 16:42 Uhr

<lesenswert zur Zuwanderungsproblematik der offene Brief des Gereralmajors Gerd Schultze-Rhonhof An Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ich habe diesem Brief nichts hinzuzufügen.

Herr Marc Otto

17.09.2015, 16:45 Uhr

Wie von weiser Hand gut vorbereitet wird- und muss es zum Knallen kommen. denn mit diesem "Willkommen" wurde eine kontinentales Signal gesetzt, was sich tief ins Bewusstsein der Araber und Afrikaner eingegraben hat.

Was an Flüchtlingen kommt, wird schließlich das Fass zum Explodieren bringen. Und der Konfliktstoff, der sich bis dahin aufgeladen hat, wird sich dann gegen die wenden, die für das alles verantwortlich sind . Alles voran die Amis, aber auch die Engländer und Franzosen wird es treffen. denn das sind dei, die hier laufend einen Kfrieg nach dem anderen vom Zaun reißen.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×