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01.10.2015

14:12 Uhr

Flüchtlinge in Deutschland

Das Smartphone als Integrationshelfer

VonLars-Thorben Niggehoff

Telefonieren, Informieren, Orientieren: Dafür nutzen viele Asylsuchende ein Smartphones auf ihrer Flucht nach Europa. Programmierer bieten nun Apps an, die bei Alltagsproblemen und der Integration in Deutschland helfen.

Smartphone-Apps sollen Flüchtlingen in Deutschland bei der Eingewöhnung helfen. Das Angebot ist vielfältig: Alltagsberatung mit Empfehlungen zur Mülltrennung und zum richtigen Rolltreppe fahren, Sprachkurse oder Bewerbungshilfe. dpa

Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Smartphone-Apps sollen Flüchtlingen in Deutschland bei der Eingewöhnung helfen. Das Angebot ist vielfältig: Alltagsberatung mit Empfehlungen zur Mülltrennung und zum richtigen Rolltreppe fahren, Sprachkurse oder Bewerbungshilfe.

DüsseldorfEs ist schwierig, sich mehrere tausend Kilometer von seiner Heimat entfernt ein neues Leben aufzubauen. Noch schwieriger ist es, wenn man dabei weder die Kultur noch die Sprache des Landes kennt, in das es einen verschlagen hat. So geht es gerade vielen Flüchtlingen, die in den letzten Monaten nach Deutschland kamen. Den Alltag verbringen viele von ihnen hauptsächlich in den Flüchtlingsunterkünften. Die Sprach- und Kulturbarrieren zwischen ihnen und der Welt da draußen sind hoch.

Findige Programmierer wollen nun Abhilfe schaffen. Denn seit die Flüchtlingskrise die Schlagzeilen beherrscht, fragen sich viele Deutsche, wie sie den Neuankömmlingen helfen können. Spenden, Betten aufstellen oder übersetzen – jeder hilft so, wie er kann. Und wer sich in der digitalen Welt auskennt, der programmiert eben eine App für Smartphones.

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Dutzende dieser kleinen Programme gibt es seit Kurzem in den Download-Portalen von Apple und Google: Manche sollen den Flüchtlingen bei der Orientierung in der neuen Heimatstadt helfen. Es gibt aber auch Apps, die ganze Kulturführer oder Sprachprogramme bieten.

Die Programmierer der „Welcome App“ wollen mit nützlichen Informationen für den Alltag helfen: Wo gibt es Lebensmittel zu kaufen? Welche Fahrkarte ist die Richtige? Welche Behörde ist für mich zuständig? Mithilfe von Standortdaten zeigt die Anwendung dem Nutzer etwa den Weg zum nächsten Supermarkt.

Flüchtlingskrise – Forderungen der Länder an den Bund

Beratung über Flüchtlingskrise

Die Ministerpräsidenten der Länder treffen sich gleich zweimal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, um über die Flüchtlingskrise zu beraten - am Dienstag und am 24. September. Dabei ist die Forderungsliste an den Bund lang, und die Länder versuchen, eine möglichst einheitliche Front aufzubauen - was nicht in allen Fragen einfach ist. Es folgt ein Überblick über die wichtigsten Forderungen:

Geld I

Naturgemäß ist dies der Punkt, in dem 16 Länder am ehesten die Reihen schließen. Der Bund soll mehr zahlen als die im Koalitionsausschuss verabredeten drei Milliarden Euro für 2016. Für dieses Jahr hat der Bund bislang eine Milliarde Euro an Nothilfe zugesagt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fordert für beide Jahre die doppelte Summe. Sein thüringischer Kollege Bodo Ramelow hat ins Gespräch gebracht, den Teil im Bundeshaushalts aus dem Solidaritätszuschlag zu nutzen, der bisher nicht in die Länder fließt - das wären rund acht Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Geld II

Nach oben gibt es bei den Forderungen keine Grenzen. Aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel weist darauf hin, dass derzeit nicht nur beim Bund die Steuereinnahmen sprudelten, sondern auch in Ländern und Kommunen. Zudem erwogen wird in der Koalition, mit einer Grundgesetzänderung sicherzustellen, dass Geld des Bundes direkt an die Kommunen fließen kann. Die Länder sind darüber naturgemäß nicht begeistert.

Verteilung der Flüchtlinge

Als brennendes Problem wird angesichts der Situation in München vor allem von Bayern die Verteilung ankommender Flüchtlinge gesehen. Der Bund solle diese Aufgabe übernehmen. Es könne nicht sein, dass ein Bundesland täglich abfragen müsse, welche andere Länder Flüchtlinge aufnehmen könnten und wollten. Sollte der Bund diese koordinierende Aufgabe übernehmen, könnte dies der Einstieg in eine generell größere Rolle in der Erstversorgung der Flüchtlinge sein.

Erstaufnahmeeinrichtungen I

Aus den Ländern gibt es die Forderung, dass der Bund gleich einen ganzen Block an Aufgaben übernehmen sollte - statt nur Geld zu überweisen. In Frage kommen dafür die Erstaufnahmeeinrichtungen, wie dies etwa Ramelow vorgeschlagen hat. Vorteil für die Länder: Der Bund könnte die Verteilung dann direkt übernehmen - zumal er ja fordert, die Flüchtlinge bis zu sechs Monaten in den Ersteinrichtungen unterzubringen.

Erstaufnahmeeinrichtungen II

Außerdem könnten sich die Länder damit der unangenehmen Aufgabe der Abschiebungen der nicht als schutzbedürftig eingestuften Migranten entledigen, die ohnehin die Bundespolizei übernehmen muss. Sie und die Kommunen wären dann nur noch für diejenigen zuständig, die in Deutschland bleiben und dann verteilt würden.

Alternativ gibt es den Vorschlag aus den Ländern, dass der Bund die Verantwortung für die Betreuung der wachsenden Zahl an unbegleiteten Jugendlichen übernehmen könnte.

Sichere Herkunftsstaaten

Ein Problem in der Abstimmung ist die nun auch von der EU-Kommission vorgeschlagene Ausweitung der Zahl der sicheren Herkunftsstaaten, in denen keine politische Verfolgung droht. Auch wenn die Ministerpräsidenten von SPD und Linkspartei dafür sind - ihre grünen Koalitionspartner in den Ländern sträuben sich noch. Der Bundesrat muss aber zustimmen.

Mehr Mitarbeiter bei Bundesamt und Polizei

Die Länder fordern, dass der Bund rasch die Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Bundespolizei aufstockt. Dort gibt es erhebliche Personalengpässe. Das Bundesamt kann in der Folge den wachsenden Berg an Anträgen nicht schnell genug abarbeiten. Bei der Bundespolizei gibt es Anfragen nach stärkerer Hilfe an den Grenzen und bei Abschiebungen.

Rechtssicherheit

Ebenso wichtig ist der Wunsch, dass der Bund für Rechtssicherheit sorgt, wenn bei der Errichtung von Unterkünften bisherige Vorschriften nicht eingehalten werden können, etwa beim Lärmschutz. Einige Landesregierungen übernehmen derzeit die Verantwortung dafür, dass Kommunen sich für eine schnellere Lösung nicht an alle Vorschriften halten. Am 24. September soll in der Spitzenrunde ein umfangreiches „Beschleunigungsgesetz“ abgesegnet werden, das noch zusammengestellt wird.

Hinter der „Welcome App“ stehen die Dresdener Software-Unternehmen Saxonia Systems und Heinrich & Reuter Solutions. Die Macher sehen ihre App als eine „schnelle Informations- und Orientierungsbasis“, die Informationen zur allgemeinen Integration liefert.

Bisher gibt es die App nur für Dresden, langfristig soll sie aber in ganz Deutschland verfügbar sein. Saxonia und Heinrich & Reuter wollen zeitnah eine sogenannte Sockel-App veröffentlichen, auf deren Basis dann auch andere Städte das Konzept übernehmen können.

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