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26.08.2015

07:17 Uhr

Flüchtlinge in Deutschland

Wie kann ich eigentlich helfen?

VonLars-Thorben Niggehoff

Rund 800.000 Flüchtlinge kommen in diesem Jahr nach Deutschland. Mehr als je zuvor. Ihre Not vor Augen wollen viele Deutsche helfen. Und fragen sich: Wie und wo kann ich das am besten tun? Einige Antworten.

Flüchtlinge willkommen!

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DüsseldorfDer Flüchtlingsstrom nach Deutschland reißt seit Monaten nicht ab. Aktuell werden bis Ende des Jahres rund 800,000 Menschen erwartet, die hierzulande Asyl beantragen. So groß wie die Flüchtlingszahl ist aber auch die Hilfsbereitschaft vieler Menschen.

Überall im Bundesgebiet schließen sich Bürger zu Initiativen zusammen, um die Neuankömmlinge zu unterstützen – so unbürokratisch wie möglich. Pensionierte Lehrer unterrichten Deutsch, frühere Beamte kümmern sich um die Aufnahmeformalitäten. Auch der Bundesfreiwilligendienst soll nach Willen der Politik stärker in die Arbeit mit Asylbewerbern eingebunden werden.

Auch die Hilfe im Kleinen ist von großem Nutzen. Allerdings ist schon die schiere Menge an Projekten, Vereinen und Hilfsmöglichkeiten verwirrend. Und für machen willigen Helfer ein Hindernis. Deshalb hier ein paar Tipps.

Wo finde ich Informationen?

Viele Kommunen bieten auf ihren Internetseiten Informationen rund um das Thema Flüchtlinge. Entsprechende Themenseiten bieten zum Beispiel die Städte München, Hamburg und Düsseldorf. Auch viele Hilfsorganisationen stellen auf ihren Websites Hilfsmöglichkeiten vor.

Eine gute Übersicht lokaler Initiativen bietet das Portal wie-kann-ich-helfen.info. Die verschiedenen Anlaufstellen sind auf einer Deutschlandkarte markiert. Auch auf den Seiten der Länder-Flüchtlingsräte gibt es Informationen.

Bundesweite Informationsportale gibt es nicht. Eine bundesweite Hilfskoordinierung sei auch nicht realisierbar, erklärt Stefan Schütz vom Deutschen Roten Kreuz: „Nur bei den regionalen Anlaufstellen weiß man, welche Hilfe wirklich benötigt wird“.

Fakten zur Flüchtlingsdebatte

Flüchtlingszahlen steigen

Stellten im Juni 2012 rund 4.900 Personen einen Asylantrag in Deutschland, waren es drei Jahre später mit 35.400 mehr als siebenmal so viele.

Herkunftsländer

Die wichtigsten Herkunftsländer waren im Juni 2015 Syrien mit 7.600 Personen, Albanien mit 5.900 und Serbien mit 2.200. Insgesamt entfiel auf die sechs Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien mit 12.600 rund ein Drittel der Asylanträge.

Kaum Chance auf Asyl

Diese Flüchtlinge haben allerdings kaum eine Chance auf Anerkennung in Deutschland: Nur 65 der 22.200 Entscheidungen über Asylverfahren von Westbalkanflüchtlingen waren im zweiten Quartal 2015 positiv.

„Sichere Herkunftsländer“

Tatsächlich wurden Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien bereits zum 6. November 2014 in die Liste „sicherer Herkunftsstaaten“ aufgenommen. Das heißt: Asylanträge von Personen aus diesen Ländern können direkt abgelehnt werden, wenn der Bewerber nicht nachweisen kann, dass ihm im Herkunftsland tatsächlich politische Verfolgung droht.

Immer mehr Anträge

Eigentlich sollte diese Eingruppierung dazu führen, dass die Zahl der laufenden Asylverfahren deutlich zurückgeht. Jedoch ist die Zahl der am Monatsende anhängigen Verfahren von Personen aus den drei genannten Ländern weiter angestiegen und lag mit 41.000 im April 2015 deutlich über dem April 2014 (24.700 Verfahren). Insgesamt waren Ende April 2015 knapp 275.000 Asylverfahren anhängig, wovon mehr als 87.000 auf Westbalkan-Flüchtlinge entfielen.

Kosovo

Im Kosovo hat man damit begonnen, die Menschen darüber zu informieren, unter welchen Voraussetzungen sie in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt werden – die Antragszahlen von Personen aus dem Kosovo hatten im März 2015 mit 11.700 einen historischen Höchststand erreicht, bis Juni sind sie nun auf 1.600 zurückgegangen.

Welche Initiativen gibt es?

Neben den großen Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder Pro Asyl haben sich in den letzten Monaten viele neue Initiativen gegründet, gerade in den sozialen Netzwerken. Für fast jede Stadt findet sich auf Facebook eine Gruppe mit dem Ziel der Flüchtlingshilfe. Ebenfalls erfolgreich: die #WelcomeChallenge. Menschen helfen Flüchtlingen – und teilen Bilder davon auf Facebook und Twitter. Anschließend fordern sie Freunde auf, es ihnen gleich zu tun, frei nach dem Motto: „Tu Gutes und sprich darüber“. Vorbild hierfür ist die erfolgreiche ALS Ice Bucket Challenge aus dem vergangenen Jahr.

Kommentare (40)

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Frau Annette Bollmohr

26.08.2015, 07:30 Uhr

Danke für den Artikel.

Herr Peter Noack

26.08.2015, 07:43 Uhr

Habt ihr keine aktuellen Zahlen?
Über das Mittelmeer sind 2014 219.000 Flüchtlinge gekommen. Deutschland hat 2014 über 200.000 Flüchtlinge aufgenommen. Kamen die alle über das Mittelmeer?
Seit 20. April sind über 4Monate vergangen. Kann niemand aktuellere Zahlen recherchieren? Wenn tatsächlich 3.000 Flüchtlinge täglich nach Deutschland kommen, dürfen wir dann mit mehr oder weniger als einer Million Flüchtlinge 2016 rechnen? Kommen dann bis 2030 jährlich über eine Million? Werden es mehr oder weniger in Zukunft?
Es scheint so, dass sich niemand, weder Politik noch Zivilgesellschaft und auch nicht die Medien, sich über die Tragweite der täglichen Ereignisse der nach Deutschland strebenden Kriegsflüchtlinge nachdenken. Wann wollt ihr damit anfangen?

Frau Ich Kritisch

26.08.2015, 08:09 Uhr

@Herr Noack

Zitat: "Kommen dann bis 2030 jährlich über eine Million?" wenn Sie jemanden finden, der Ihnen darauf eine verlässliche Antwort geben kann, dann sollten Sie die Person nach den Lottozahlen fragen. Dann haben Sie nämlich einen Hellseher vor sich.

Jeder wusste, dass es im Sommer mehr Flüchtlinge gibt. Jeder konnte sich denken, dass unsere lasche Abschiebepraxis zu mehr Wirtschaftsflüchtlingen führt.

Der Bau der Zäune in Ungarn hat noch einmal Zigtausende dazu gebracht sich schnell auf den Weg zu machen bevor sich Europa komplett abschottet.
Jeder weis, dass Griechenland sich schon nicht um die eigenen Arbeitslosen kümmern kann. Wie soll sich das Land noch zusätzlich um Hunderttausende Flüchtlinge kümmern. Jeder bekommt mit wie viele Menschen täglich an Italiens Küste landen - hat man wirklich geglaubt die bleiben alle dort und zählen ab sofort die Sandkrümmel oder Meerwassertropfen? So naiv wird doch sicher außer den Politikern niemand gewesen sein, oder?

Allein in der Zeit die in der EU darüber diskutiert wurde wie man 40.000 Flüchtlinge aus Griechenland und Italien verteilt sind in beiden Ländern mehr als je 40.000 neue angekommen.

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