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11.09.2015

08:37 Uhr

Flüchtlinge in Frankfurt/Oder

Herberge gesucht

VonSilke Kersting

Im Hotel Ramada in Frankfurt an der Oder ist die vierte Etage gesperrt. Dort leben Ali und 100 weitere Flüchtlinge bei laufendem Hotelbetrieb. Denn es gibt nicht genug Platz für alle Flüchtlinge. Ein Besuch vor Ort.

Vielen Gemeinden geht es wie Frankfurt/Oder: Es gibt nicht genug Platz für die Flüchtlinge. Reuters

Trockenspinne

Vielen Gemeinden geht es wie Frankfurt/Oder: Es gibt nicht genug Platz für die Flüchtlinge.

Frankfurt an der Oder/EisenhüttenstadtAli hat zu tun. Der Syrer hat sich eine Küchenschürze umgebunden und serviert seinen Landsleute das Essen. Reis mit Linsen gibt es heute, dazu Salat. In seinem Heimatland hat er als Koch gearbeitet, jetzt ist er mit Frau und den beiden Kindern in Frankfurt an der Oder in Brandenburg gelandet, im Hotel Ramada, das derzeit 100 Flüchtlingen Unterkunft bietet. Dort leben sie seit zwei Wochen, bei laufendem Hotelbetrieb, weil in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung im benachbarten Eisenhüttenstadt Plätze fehlen. Die komplette vierte Etage ist für die Flüchtlinge reserviert, Zimmer 418 dient als „Ambulanz“.

Möglicherweise wird das ein wenig abseits vom Zentrum liegende Hotel bald vollständig Flüchtlingsunterkunft. Die brandenburgische Landesregierung verhandelt mit der H-Hotels AG, zu der das Ramada gehört, darüber, das Hotel komplett anzumieten. Dann könnten weitere 250 Flüchtlinge untergebracht werden, nächste Woche soll die Entscheidung fallen. Das wäre auch nötig. Denn die Kapazitäten der Stadt sind erschöpft.

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Am Ende wird alles Engagement nicht reichen. Im ersten Halbjahr 2015 registrierte Brandenburg 5.818 Neuzugänge. Im August dann waren es dann schon 2.265. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter geht mittlerweile von rund 30.000 Flüchtlingen in diesem Jahr aus. „Wir sind mit der Kapazität am Rande“, heißt es im brandenburgischen Innenministerium. Das Bundesamt könne wegen der anhaltend hohen Zahl neu ankommender Flüchtlinge mit der Bearbeitung der Asylanträge nicht mehr Schritt halten.

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Die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung (ZABH) in Eisenhüttenstadt ist angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen zwar stetig erweitert worden. Jahrelang reichten dort die alten Wohnblöcke auf dem ehemaligen Kasernengelände aus, 500 Plätze waren verfügbar. Inzwischen stehen dort zusätzliche Wohncontainer und Zelte auf Europaletten – die aber nicht beheizbar sind und bis Oktober, maximal November genutzt werden können. Im Aufbau ist eine Außenstelle in Doberlug-Kirchhain, dort sollen die ersten 350 Plätze ab Dezember zur Verfügung stehen.

Kommentare (77)

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Herr Wolfgang Winkler

11.09.2015, 09:02 Uhr

Dass Dinge auch funktionieren müssen, scheint entweder nicht die Intention von Frau Merkel zu sein, oder sie hat es nie gelernt. Beides ist eine Katstrophe für uns. Im ersten Fall kann dann ihr Ziel nur der Ausnahmezustand in Deutschland sein. Das Motto heisst dann, werbewirksam im ZDF und ARD vermarktet, "Deutsche opfern Freiheit für Menschlichkeit und Solidarität" oder sie kann es wirklich nicht, dann schlittern wir erst recht ins Chaos. Gutes ist jedenfalls von dieser Bundesregierung nicht zu erwarten.

Account gelöscht!

11.09.2015, 09:04 Uhr

Ich frage mich nur, wo diese, von der Grün-Sozialistsichen Merkel Regierung angelockten illegalen Einwanderer, eine Persperktive für die Zukunft in EU-Deutschland (Arbeit und Auskommen bzw. Wohlstand in unserer Gesellschaft) herbekommen wollen.
Diese Massen von illegalen Einwanderer kann weder Deutschland noch die EU in Brot und Arbeit bringen und damit auch kein besseres und zufriedeners Leben in unseren westlichen Wohlstandsleben bieten. Soziale Spannung und Unruhen werden zwangsläufig zunehmen und der Nährboden zur Radikalisierung (egal ob von IS oder Rechten oder Linken Gruppen) nimmt zwangsläufig zu. Die deutsche und europäische GEsellschaft steht somit mit einen Bein schon über den Abgrund. Merkel und Co. wollen diese jedoch so weiter laufen...bewusst oder unbewusst....das ist die Frage

Herr Peter Delli

11.09.2015, 09:06 Uhr

Herr Hofmann, das ist pure Absicht, die wollen uns vernichten.

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