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29.09.2015

20:40 Uhr

Flüchtlinge kommen zu Wort

„Die weißen Menschen sind so nett“

VonJennifer Garic, Dana Heide, Swende Stratmann

Der Terror der Taliban in Afghanistan, die Armee des syrischen Machthabers Assad, der christliche Glaube oder Schwangerschaft ohne Ehemann: Asylsuchende erzählen von ihrer Flucht und dem Ankommen in Deutschland.

Ein Blick in eine Aufnahmestation für Flüchtlinge, Hana wollte sich nicht fotografieren lassen. Sie lebte lange in einem Flüchtlingsheim in Berlin. Heute hat sie mit ihrer Familie eine eigene Wohnung. dpa

Flüchtlinge kommen zu Wort

Ein Blick in eine Aufnahmestation für Flüchtlinge, Hana wollte sich nicht fotografieren lassen. Sie lebte lange in einem Flüchtlingsheim in Berlin. Heute hat sie mit ihrer Familie eine eigene Wohnung.

Mohammed Karabulut (16)

Ich komme aus Syrien, aus Dakar City. Wenn ich das erzähle, dann nicken die Menschen. Sie wissen, dass da, wo ich herkomme, Krieg herrscht. Dass sich die Armee von Assad und verschiedene Rebellengruppen bekämpfen und ich deswegen mein Land verlassen musste. Sonst wäre ich vielleicht gestorben. Ich kann nicht einfach nur sagen, dass Krieg herrscht. Es ist viel schlimmer.

In Syrien gibt es hunderte Probleme, ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll zu erzählen: Jeden Tag gibt es große Explosionen, Menschen werden getötet, Häuser zerstört und Frauen müssen vor den Männern fliehen.

Ich bin vor zwei Monaten aus Syrien weg in die Türkei. Ich bin mit dem Flugzeug dahin. Dann habe ich einem Schlepper Geld gezahlt, damit er mich über das Meer bringt. Ich weiß nicht mehr wie viel, aber mehrere tausend syrische Lira. Er hat mich mit einem Boot weiter nach Griechenland gebracht. Nach Deutschland bin ich dann mit dem Zug gekommen und dann weiter nach Dortmund gefahren.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Hier leben mein Onkel und ich seit drei Monaten. Ich habe von anderen Flüchtlingen gehört, dass das Haus mal ein Internat war. Mit so vielen Menschen ist es da drinnen sehr, sehr eng.

Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, aber mein Onkel und ich schätzen, dass hier 600 Menschen leben. Jeden Tag kommen noch mehr Flüchtlinge dazu und es gibt immer weniger Platz und wir haben keine Privatsphäre oder sind mal alleine. Aber ich möchte mich nicht beschweren. Ich bin froh, dass ich in Deutschland angekommen bin und die Menschen nett zu uns sind.

Meine Familie ist noch in Syrien. Meine Flucht war sehr teuer und das Geld hat nicht für uns alle gereicht. In zehn Monaten wollen meine Eltern und meine Schwester auch nach Deutschland kommen. Ich bin jetzt erst 16 Jahre alt. Wenn ich älter bin, möchte ich hier in Deutschland studieren. Vorher muss ich aber noch zur Schule gehen. Ich hoffe, dass ich das bald darf.

Aufgezeichnet von Swende Stratmann

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