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21.01.2016

19:10 Uhr

Flüchtlinge und Bürokratie

Wie Neuankömmlinge bei der Modernisierung des Staates helfen

VonDana Heide

Firmen beklagen immer wieder die Bürokratie-Last. Die Regierung will den Verwaltungsaufwand reduzieren – auch durch Digitalisierung. Eine Umfrage zeigt: Dabei gibt es Nachholbedarf. Die Flüchtlingskrise könnte helfen.

Die Behörde soll digitaler werden. dpa

Zu viel Papierkram

Die Behörde soll digitaler werden.

BerlinDer Kampf mit dem Papierkram ist für Unternehmen ein Dauerproblem. Um herauszufinden, wo genau die Probleme liegen, hat die Bundesregierung vor rund einem Jahr das Statistische Bundesamt beauftragt, sich mal umzuhören bei den Unternehmen. Das Ergebnis dieser Studie wurde am Donnerstag vorgestellt.

Insgesamt stelle die Wirtschaft der öffentlichen Verwaltung ein „ordentliches Zeugnis“ aus, fasste Dieter Sarreither, Präsident des Statistischen Bundesamts, die Ergebnisse der Umfrage unter 1572 Unternehmen zusammen. Doch es gibt auch Nachholbedarf. Besonders unzufrieden sind die Studienteilnehmer mit der Verständlichkeit des Steuerrechts und bei der Dauer mancher Verfahren. In einer kürzlich veröffentlichen Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) unter 794 Unternehmen gaben 82 Prozent der Befragten an, dass die Bürokratie-Last in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist.

Die intelligente Fabrik

Forschung in der Smart Factory

Langfristig dürfte die Vision der smarten Technik weit über den Einsatz einzelner Komponenten wie Datenbrillen hinaus gehen. So forschen Dominic Gorecky und seine Kollegen am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in einem Smart Factory-Laboratorium an neuen Technologien und ihrem Einfluss auf die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Produktionssteuerung per Chip

Produktionsmodule verschiedener Firmen lassen sich wie Legobausteine zu einem beliebigen Produktionsprozess kombinieren: Ein Modul fräst etwa eine individuelle Gravur in eine Platte, das nächste Modul setzt ein spezielles Gehäuse auf, ein anderes führt eine Qualitätskontrolle durch. Jedes Produkt kommuniziert mittels RFID-Kennzeichnung mit den Modulen, welcher Prozessschritt ausgeführt werden soll - die zentrale Steuerung wird damit aufgehoben. Um die Flexibilität von Industrie 4.0-Anlagen voll auszuschöpfen, agiert der Menschen als Manager des Gesamtsystems und trifft im Problemfall relevante Entscheidungen.

Noch lange kein Alltag

Bis zur Realisierung von Industrie 4.0 im Arbeitsalltag mit smarten Produktionsanlagen und mehr Freiräumen für Mitarbeiter dauert es laut Experten noch mindestens zehn Jahre. Eines der Hauptprobleme liegt laut Dominic Gorecky darin, dass sich die verschiedenen Maschinen- und Komponentenhersteller bisher nur schwer auf gemeinsame, offene Schnittstellen einigen können. Diese sind aber nötig, um eine umfassende Vernetzung möglich zu machen

Zentraler Punkt für die Bundesregierung ist beim Abbau der Bürokratie die Digitalisierung der Verwaltung. Dabei hinkt Deutschland jedoch im internationalen Vergleich hinterher. Erst im Oktober hatte der Normenkontrollrat (NKR) in seinem Abschlussbericht der Bundesregierung großen Nachholbedarf beim E-Government bescheinigt. Laut einer Studie der Vereinten Nationen von 2014 belegt Deutschland im weltweiten Vergleich beim E-Government nur den 21. Platz und auch im europäischen Vergleich schafft es Deutschland noch nicht einmal unter die Top Ten.

Eher überraschend ist daher, dass die Unternehmen sich bei der Umfrage des Statistischen Bundesamts recht zufrieden mit der Digitalen Verwaltung zeigten. Allenfalls bei der Gründung eines Unternehmens und bei der Geschäftsaufgabe sind sie unzufrieden mit den Möglichkeiten des E-Governments.

Braun sieht darin keinen Widerspruch. Unternehmen seien sich der Möglichkeiten des E-Governments oft nicht bewusst. Wo das Angebot noch nicht bestehe, werde es auch nicht aktiv nachgefragt. „Da, wo E-Government angeboten wird, ist es für die Unternehmen eine Entlastung“, so Braun.

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