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06.04.2015

14:46 Uhr

Flüchtlingsheim in Tröglitz

Landrat nach Brandanschlag unter besonderem Schutz

Ihm würden „Methoden der Französischen Revolution angedroht“, sagt der Landrat des Burgenlandkreises. Nachdem in Tröglitz ein Asylbewerberheim gebrannt hat, wird der CDU-Politiker offenbar massiv bedroht.

Der Landrat des Burgenlandkreises wird offenbar von Rechtsextremen bedroht. dpa

Götz Ulrich

Der Landrat des Burgenlandkreises wird offenbar von Rechtsextremen bedroht.

Tröglitz/MagdeburgNach dem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Tröglitz ist der zuständige Landrat unter Polizeischutz gestellt worden. Der CDU-Politiker Götz Ulrich wird bedroht, weil er sich weiter für die Unterbringung von Asylbewerbern in dem kleinen Ort im Süden Sachsen-Anhalts einsetzt. „Was da für Drohungen ausgesprochen werden, das hat schon einen rechtsextremen Hintergrund“, sagte Ulrich dem Sender n-tv. Das Haus, in das im Mai 40 Flüchtlinge einziehen sollten, war in der Nacht zum Samstag in Brand gesteckt worden. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur.

Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund für naheliegend. Seit Wochen gibt es Proteste von Rechtsextremen gegen das Asylbewerberheim. Der ehrenamtliche Tröglitzer Ortsbürgermeister Markus Nierth war nach persönlichen Anfeindungen bereits Anfang März zurückgetreten. In ganz Sachsen-Anhalt werden nach Angaben des Innenministeriums Asylbewerberunterkünfte mittlerweile besonders gesichert, auch für Nierth (parteilos) wurde der Schutz erhöht.

Der Landrat des Burgenlandkreises hatte auch nach dem Brandanschlag keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Flüchtlinge in Tröglitz unterbringen will. Dazu hatte Ulrich die Bürger ausdrücklich um Unterstützung gebeten. Am Montag erklärte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), dass Ulrich nach Drohungen unter Polizeischutz steht. „Das nehmen wir schon ernst“, sagte Stahlknecht.

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Ulrich schilderte die Drohungen am Montag in mehreren Interviews. „Das nimmt unangenehme Formen an. Das geht sogar so weit, dass die Methoden der Französischen Revolution angedroht werden“, sagte er dem Fernsehsender n-tv. Laut „Bild“-Zeitung soll in dem Zusammenhang von einer Enthauptung die Rede gewesen sein. Dem MDR sagte Ulrich, in E-Mails sei gedroht worden, „dass das nicht der letzte Schritt ist“. Die Situation für die Verantwortlichen vor Ort sei schwierig: „Wir machen uns Sorgen ums unsere Familien.“

Der Brandanschlag, bei dem der Dachstuhl zerstört wurde, löste bundesweit Entsetzen aus. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Brandstiftung, der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz ist eingeschaltet.

Trotz der schwierigen Lage sollen im Ort so bald wie möglich die ersten Asylbewerber aufgenommen werden. Vorerst sei geplant, zehn bis zwölf Flüchtlinge in privaten Wohnungen unterzubringen, sagte Innenminister Stahlknecht. Das Asylbewerberheim soll nach einer Sanierung wie geplant genutzt werden. Nierth bot an, für die Flüchtlinge zwei private Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Der Brandanschlag löste auch im Ausland Besorgnis aus. Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland, mahnte, ein solcher Vorfall sollte die Alarmglocken in Europa schrillen lassen. „Die Demokratie wird zunehmend bedroht durch rassistischen, fremdenfeindlichen, politischen und religiösen Extremismus.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte eine rasche Aufklärung der Tat.

Am Samstagnachmittag hatten mehrere hundert Menschen in dem Ort für ein weltoffenes Tröglitz demonstriert. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nahm daran teil.

Kommentare (3)

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07.04.2015, 09:50 Uhr

Der Landrat erhält Schutz vor Drohungen von Deutschen, weil er sich für Ausländer einsetzt.
Ein Verwalter, der sich in den 1990er Jahren öffentlich gegen politische Radikalisierung gewand hatte wird von Ausländer mit Mord (das wurde zugegeben) bedroht. Ein Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt und das zweite Verfahren wurde nicht angenommen weil die Zeit bis zur Klage "zu lange" gewesen sei.
Es geht doch nichts über einen Staat der sich auch für "gleiches Recht für Alle" einsetzen würde.
Auf die Realtiät bezogen hat DIESE Politik wohl einen "Gleichgültigen" mehr erzeugt..

elly müller

07.04.2015, 10:58 Uhr

Es ist traurig, dass wir Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen und meist schreckliche Strapazen auf sich nehmen um dem Horror zu entfliehen, auf diese dumpfe Art begegnen!

Irgendwie ist die Aufklärung im Osten der Republik noch nicht so fortgeschritten. Also ist doch die Regierung gefordert!!!
Aber das Einzige was da kommt ist Gezänke über die Verteilung der Hilfsgelder!

Wir haben eine Regierung die den Problemen hinterherrennt und nicht vorher handelt!

Redet mit den Menschen vor Ort, nehmt ihnen die Angst und nehmt sie mit um ihnen das Gefühl zu geben, dass sie aktiv mithelfen können!

ABER bei allem was da gerade in Tröglitz passiert muss auch gesagt werden, dass die große Zahl der Deutschen mehr als hilfsbereit sind!

Es wäre schön mehr Beispiele von gelungener Hilfe zu lesen!



Herr Wolfgang Trantow

07.04.2015, 13:40 Uhr

Fliehen aus Kriegsgebiete? Es sind doch nur Islamgläubige, die nicht gewillt sind, mit den Nachbar in Frieden zu leben. Fliehen? Warum vernichten sie die persönlichen Dokumente und zahlen für die Reise Fahrtkosten massenhaft an Schleuser?
Denken die Zerstöter nicht daran, das Sie uns schaden? Unserer Staat vernichtet Deutschland schon heute ( Schulen verfallen, Kitas fehlen, Infrastruktur bricht zusammen.) und nimmt jetzt das Geld noch von Schul-/Kitabauten um die Luxushäuser wiededr auf zu bauen. Was ist mit den Unterkünften für deutsche Obdachlosen eigentlich? Warum weigert man sich um diese Leute zu kümmern?Nur weil Sie nicht Islamgläubige sind und die Nachbarn nicht tötet, bzw. andere erpressen usw.??

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