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09.03.2016

16:23 Uhr

Flüchtlingsheime

„Ich hätte gerne deutsche Nachbarn“

VonMahmoud Serhan

Immer wieder kommt es zu Massenschlägereien in Flüchtlingsheimen. Die Gründe sind simpel: Enge, Frustration, kaum Privatsphäre. Doch es gibt auch Ausnahmen. Ein Ortsbericht aus einer Unterkunft in Berlin.

Baschar Stas lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Marienfelde. „Alles ist gut“, sagt er über das Zusammenleben mit anderen Familien und über die Unterkunft. Foto: Mahmoud Serhan

Baschar Stas, Flüchtling aus Syrien

Baschar Stas lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Marienfelde. „Alles ist gut“, sagt er über das Zusammenleben mit anderen Familien und über die Unterkunft.

Foto: Mahmoud Serhan

BerlinJeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, spielen sich im Flüchtlingsheim Marienfelde die gleichen Szenen ab: Die Sicherheitskräfte gehen auf ihre Posten, die Bewohner, Junge wie Alte, eilen durch das Eingangstor zu ihren Terminen mit den Behörden. Am Nachmittag erfüllt helles Lachen die Luft, Kinder schaukeln oder wippen auf dem Spielplatz des Heims, fahren mit ihren Fahrrädern im kleinen Hof umher oder spielen Fußball in der Turnhalle. Ihre Eltern erledigen währenddessen die Hausarbeit.

Es ist ein kleines Idyll, das sich dem Beobachter in Marienfelde tagtäglich zeigt. Ein Idyll, das im Kontrast steht zu den oft sehr beengten Verhältnissen, unter denen die meisten Flüchtlinge derzeit in Deutschland untergebracht sind.

1,1 Millionen Asylsuchende sind seit Anfang 2015 nach Deutschland gekommen, rund 80.000 davon nach Berlin. Sechs Erstaufnahmelager hat die Bundeshauptstadt bereits. Immer wieder kommt es in den Unterkünften zu Schlägereien, wie im November im ehemaligen Flughafen Tempelhof und in einer umfunktionierten Kaserne in Spandau.

700 Flüchtlinge leben hier, der größte Teil von ihnen stammt aus Syrien.

Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Marienfelde

700 Flüchtlinge leben hier, der größte Teil von ihnen stammt aus Syrien.

Im Heim in Marienfelde leben 700 Flüchtlinge. Der größte Teil von ihnen stammt aus Syrien, die zweitgrößte Gruppe sind Tschetschenen. Es sind überwiegend Familien, die hier untergebracht sind. Auch in Marienfelde hat es bereits eine Massenschlägerei gegeben. Im August 2014 verprügelten 100 Tschetschenen 30 Syrer. Inzwischen hat sich die Lage jedoch offenbar beruhigt. „Es gibt keine Probleme zwischen den verschiedenen Nationalitäten oder Familien“, versichert die Heimleiterin Olivia Music. Im Fall von Schwierigkeiten könnten die Bewohner einen der Heimmitarbeiter ansprechen.

Das friedvolle Miteinander klappt ihrer Meinung nach auch daher so gut, weil die Unterkunft den Flüchtlingen viel Privatsphäre bietet. Im Gegensatz zu den Unterkünften etwa im ehemaligen Flughafen Tempelhof haben die Bewohner in Marienfelde ihre eigenen Wohnungen mit eigenen Bädern und eigenen Küchen.

Zudem gibt es viele Angebote: Kindern steht ein Spielplatz zur Verfügung, es gibt eine kleine Turnhalle und Fahrräder. Erwachsene können einen Fitnessraum nutzen und an Computern ins Internet gehen. Auch für Jugendliche gibt es viele Angebote. Betreut werden die Flüchtlinge von erfahrenen Sozialarbeitern.

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