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24.09.2015

14:48 Uhr

Flüchtlingskinder

Schwesig hält Zehntausende Kita-Plätze für nötig

Wie viele Flüchtlingskinder brauchen einen Kita-Platz? Manuela Schwesig rechnet mit einem Riesenbedarf: 68.000 Kita-Plätze seien nötig. Damit entfacht die Familienministerin die Debatte ums Betreuungsgeld neu.

Bildung, Betreuung, Sprachförderung: Die Anforderungen an pädagogische Fachkräfte in Flüchtlingsheimen ist groß. Die Gewerkschaft verdi forderte daher die Einrichtung von 20.000 neuen Stellen von Schwesigs Ministerium. dpa

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Bildung, Betreuung, Sprachförderung: Die Anforderungen an pädagogische Fachkräfte in Flüchtlingsheimen ist groß. Die Gewerkschaft verdi forderte daher die Einrichtung von 20.000 neuen Stellen von Schwesigs Ministerium.

BerlinBundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hält Zehntausende zusätzliche Kita-Plätze für Flüchtlingskinder für nötig. Mit 68.000 Kita-Kindern sei zu rechnen, wenn man aktuelle Betreuungsquoten von Kindern mit ausländischen Wurzeln auf die aktuelle Prognose von 800.000 Flüchtlingen hochrechne, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Kommunen koste dies rund 550 Millionen Euro zusätzlich an Betriebskosten. Zunächst hatte die „Welt“ (Donnerstag) darüber berichtet. Schwesig hatte sich bereits in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ entsprechend geäußert.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte für die 68.000 erwarteten Kita-Kinder 20.000 zusätzliche Stellen für pädagogische Fachkräfte für Bildung, Betreuung und Sprachförderung. Die kommunalen Spitzenverbände pochten in der „Welt“ auf mehr Unterstützung für den Ausbau der Kinderbetreuung.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Angesichts des steigenden Bedarfs erneuerte die Ministerin ihre Forderung, die freiwerdenden Mittel aus dem Betreuungsgeld in den Kita-Ausbau zu stecken. Sowohl für Flüchtlingskinder als auch für in Deutschland geborene Kinder seien Plätze in Schulen und Kitas nötig, sagte sie. Der Bund müsse seiner Verantwortung nachkommen. „Die Mittel für Kitas sind aus dem freiwerdenden Betreuungsgeld vorhanden.“

Das Ministerium erwartet um 2,4 Milliarden Euro steigende Gesamtkosten im Kita-Bereich für Länder und Kommunen im kommenden Jahr. 2017 seien um 3,7 Milliarden, 2018 um 4,9 Milliarden steigende Kosten zu erwarten. Dazu trügen auch die steigende Geburtenrate und Lohnerhöhungen für Erzieherinnen bei.

Die Verwendung der Betreuungsgeld-Mittel ist auch Thema im Bundesrat. An diesem Freitag soll ein Entschließungsantrag beraten werden, nach der das Geld den Ländern „ungeschmälert“ zur Verfügung stehen soll. Der Antrag wurde von Niedersachsen, Bayern, Schleswig-Holstein und Brandenburg vorgelegt.

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Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner verschärft den Ton in der Flüchtlingsdebatte. Sie warnt vor einer Überforderung Deutschlands und fordert internationale Anstrengungen, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen.

Allein in Bayern sind in den ersten drei Wochen im September rund 130.000 Migranten gezählt worden. Wie viele Flüchtlinge in Bayern registriert wurden, konnte das Ministerium nicht mitteilen. Viele Flüchtlinge seien direkt in andere Bundesländer weitergeleitet und dort registriert worden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Seit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 2. September entschieden hatte, in Ungarn festsitzende Flüchtlinge nach Deutschland einreisen zu lassen, sind mehr als 135 000 Flüchtlinge im Freistaat angekommen. Das bayerische Sozialministerium bestätigte am Donnerstag einen Bericht der Zeitung „Die Welt“ (Freitagausgabe).

Von

dpa

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