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25.10.2015

13:34 Uhr

Flüchtlingskrise

Am Limit

VonLeonidas Exuzidis

Täglich kommt ein Zug mit rund 500 Flüchtlingen in Düsseldorf oder Köln an. Für die Städte ist das eine große Herausforderung. Es ist alles durchorganisiert und bis ins Detail geplant. Ein Ortsbesuch.

Jeden Tag gibt es einen Sonderzug nach Köln oder Düsseldorf. dpa

Ankunft am Bahnhof des Düsseldorfer Flughafens

Jeden Tag gibt es einen Sonderzug nach Köln oder Düsseldorf.

DüsseldorfDie Blicke der ankommenden Flüchtlinge könnten unterschiedlicher kaum sein. Manche sind leer und entkräftet bei der Ankunft am Fernbahnhof des Düsseldorfer Flughafens – andere lächeln oder haben funkelnde Augen. Es gibt Entschlossene und Zögernde. Ein unrasierter, müde wirkender junger Mann trägt Badelaschen ohne Socken. Seine giftgrüne Jacke ist dreckig, seine dunkle Hose an den Beinen zerrissen. Vor ihm trägt ein älterer Mann schwarzes Hemd und Lackschuhe. Es sind diese großen Unterschiede, die die Situation so besonders machen. Und doch haben alle Ankömmlinge ein gemeinsames Ziel: Sie sind gekommen, um zu bleiben.

Doch wer bekommt Asyl und wer nicht? Wer bekommt den Schutz, die Unterstützung und die Mittel, die er sich wünscht? Zurück möchte niemand von ihnen – doch nicht alle werden Asyl bekommen. Und abgelehnte Bewerber werden nach dem vor Wochenfrist verschärften Asylrecht schneller abgeschoben als bisher. Ihre Zeit in Deutschland ist auf wenige Wochen begrenzt. Wird ihr Asylantrag abgelehnt, müssen sie innerhalb weniger Tage zurück in die Heimat.

Asyl

Asylantrag

Asylbewerber müssen einen Antrag stellen, der dann innerhalb kurzer Zeit geprüft wird. Wenn der Antrag abgelehnt wird und der Bewerber aus einem „sicheren Herkunftsland“ stammt, erhält er einen negativen Bescheid über den Genehmigungsantrag.

Aufforderung

Gleichzeitig erhält der Asylbewerber eine Ausreiseaufforderung, der er idealerweise nachkommt. Darin ist auch vermerkt, dass eine Ausreise auch gegen seinen Willen stattfinden wird.

Frist

Der Asylbewerber bekommt eine Frist gesetzt, die in der Regel 30 Tage beträgt. Bis dahin soll er Deutschland verlassen haben. Tut er das nicht, kommt es zu einer „zwangsweisen Rückführung“, quasi einer Polizeibegleitung in ein Flugzeug Richtung Heimat. Deutsche Behörden organisieren regelmäßig auch Charterflüge. Wer versucht, diesen Weg zu umgehen, kann in Abschiebehaft landen

Vom Gleis aus geht es für die Flüchtlinge jedoch zunächst in einen geschlossenen Raum. Kurzfristig montiertes Absperrband und schwere Metallzäune weisen ihnen den Weg. Hier, am Düsseldorfer Flughafen, sind die Asylfragen nur bedingt relevant. Der Mann in den Badelatschen ist einer der ersten. Er schaut sich neugierig um – alles wirkt so ordentlich und strukturiert. Er reibt sich mit der rechten Hand die Augen, streicht sich anschließend durch das Haar.

Der Flughafen-Bahnhof dient in diesen Tagen als Koordinationsstelle. Im Aufenthaltsraum, der etwa so groß wie zwei Fußballfelder ist, werden die ankommende Flüchtlinge versorgt und empfangen. Eigentlich wird er als Eventhalle genutzt. Es gibt eine Essensausgabe, Toiletten, mobile Wickel-, Sanitär- und Rückzugsräume, eine Reihe von Feldbetten und unzählige Bierzelt-Garnituren. Von hier aus erfolgt letztlich der Transport in die eigentlichen Flüchtlingsunterkünfte in Nordrhein-Westfalen. Der Düsseldorfer Flughafen ist eine Durchgangsstation.

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