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14.07.2016

09:26 Uhr

Flüchtlingskrise

Rekord-Zuwanderung in Deutschland

Mehr als zwei Millionen Menschen kamen 2015 nach Deutschland. Das ergibt einen Wanderungsüberschuss von rund einer Million. Laut dem Statistischen Bundesamt ist nicht allein die Flüchtlingskrise dafür verantwortlich.

Eine Szene, die es 2015 in Deutschland millionenfach gab: Die Ankunft von Flüchtlingen. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen im vergangenen Jahr hierher. dpa

Geflüchtete Menschen

Eine Szene, die es 2015 in Deutschland millionenfach gab: Die Ankunft von Flüchtlingen. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen im vergangenen Jahr hierher.

WiesbadenDas Jahr 2015 hat der Bundesrepublik den höchsten Stand an Zuwanderung seit ihrem Bestehen gebracht. Im vergangenen Jahr gab es einen Wanderungsüberschuss von 1,139 Millionen Menschen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Die Statistiker führten dies zum großen Teil auf die Flüchtlingskrise zurück, es habe sich aber auch der Anstieg der Zuwanderung aus den neuen EU-Staaten fortgesetzt.

Insgesamt wanderten im vergangenen Jahr 2,137 Millionen Menschen nach Deutschland ein. Dies entspricht einem Zuwachs um 672.000 oder 46 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014. Aus Deutschland weg zogen demnach 998.000 Menschen, 83.000 oder neun Prozent mehr als im Jahr davor. Daraus errechnet sich der Überschuss aus knapp 1,14 Millionen.

Mit 2,016 Millionen Menschen hatte der weitaus größte Teil der Zugewanderten einen ausländischen Pass, dies bedeutete einen Anstieg um 674.000. Nahezu gleich blieb mit 121.000 die Zuwanderung von Menschen mit einem deutschen Pass, darunter Spätaussiedler sowie aus dem Ausland zurückgekehrte Deutsche.

Armut in Deutschland

Welche Daten zur Situation von Alleinerziehenden enthält die Studie?

Die Zahl der Alleinerziehenden steigt seit Jahren: Inzwischen ist jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie. 2,3 Millionen Kinder wachsen damit bei Alleinerziehenden auf, überwiegend bei der Mutter (89 Prozent). Von diesen Müttern sind 61 Prozent erwerbstätig. Weil sie sich neben dem Beruf meist ohne den Partner um Haushalt und Kinder kümmern müssen, arbeiten sie oft in Teilzeit (58 Prozent), dann im Schnitt mit 29,5 Wochenstunden rund fünf Stunden mehr als Mütter in Familien mit zwei Elternteilen. Dennoch sind Alleinerziehende besonders häufig armutsgefährdet.

Sind Ein-Eltern-Familien schlechter dran als Paarfamilien?

Ja, und zwar deutlich, wie gleich zwei Indikatoren zeigen. Sie sind etwa fünfmal häufiger von Sozialleistungen abhängig. Laut Studie erhielten im vergangenen Jahr 37,6 Prozent der Alleinerziehenden Hartz-IV-Leistungen, der Anteil der Paarhaushalte mit Kindern lag bei 7,3 Prozent. Die sogenannte Armutsrisikoquote zeigt die Unterschiede ebenso klar: 42 Prozent der Alleinerziehenden bezogen 2014 ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Bei Paarfamilien lag die Quote bei 10,6 Prozent.

Welche Gründe sehen die Experten für das wachsende Risiko?

Als wichtige Ursache nennt die Bertelsmann-Stiftung ausbleibende Zahlungen des getrennt lebenden Elternteils: Drei von vier Kindern erhalten nicht, was ihnen zustehe. Die Hälfte bekommt gar nichts vom Unterhaltspflichtigen, obwohl es ihnen zusteht, ein weiteres Viertel zu wenig oder unregelmäßig Geld. Auch steuerlich seien Alleinerziehende trotz erhöhter Freibeträge noch immer nicht genauso gut gestellt wie Paare mit Kindern, kritisieren Verbände. Zu kurze Kita-Öffnungszeiten und wenig Flexibilität bei Arbeitgebern machen es Alleinerziehenden zusätzlich schwer auf dem Arbeitsmarkt.

Welche konkreten Verbesserungsvorschläge gibt es?

Fachleute halten eine Reform des Unterhaltsvorschusses für einen guten Hebel. Bislang springt der Staat bei ausbleibendem Unterhalt nur sechs Jahre lang und nur für Kinder unter zwölf Jahren ein. Zusätzlich brauche es bessere Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber den säumigen Väter oder Müttern. Grundsätzlich sei es wichtig, Alleinerziehende in der Familienpolitik stärker anzuerkennen - nur wer sie genauer in den Blick nehme könne Kinderarmut mit gezielten Maßnahmen wirksam bekämpfen, betonen die Experten.

Den größten Anstieg beim Wanderungsüberschuss gab es außerhalb Europas bei Syrern, wo 298.000 Menschen mehr nach Deutschland kamen als wegzogen. Dies bedeutete ein Plus von 66.000 gegenüber 2014. Bei Afghanen gab es einen Anstieg um 11.000 auf 80.000, bei Irakern um 4000 auf 60.000 und bei Pakistanern um 7000 auf 20.000.

Aus Europa gab es bei der Zuwanderung aus Albanien nahezu eine Vervierfachung von 12.000 auf 47.000. Aus dem EU-Staat Rumänien stieg die Zuwanderung von 80.000 auf 92.000, aus Kroatien von 25.000 auf 40.000 und aus Bulgarien von 35.000 auf 40.000.

Drei Viertel der Zuwanderung entfiel der Statistik zufolge auf lediglich fünf Bundesländer. Mit einem Überschuss von 277.000 Menschen stand Nordrhein-Westfalen deutlich vorne, gefolgt von Baden-Württemberg mit 173.000 und Bayern mit 169.000. Niedersachsen kam auf einen Wanderungsüberschuss von 115.000, Hessen von 95.000.

Das Statistische Bundesamt verwies darauf, dass die diesjährige Wanderungsstatistik fehlerhaft sein dürfte. Es dürfte eine Untererfassung von Flüchtlingen gegeben haben, da eine zeitnahe Erfassung durch die Meldebehörden nicht möglich gewesen sei - die Zahl lasse sich nicht quantifizieren. Es könnten aber auch Doppelerfassungen während der Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Deutschlands vorgekommen sein.

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afp

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