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29.01.2016

12:16 Uhr

Flüchtlingskrise und Weiberfastnacht

Kölner Karneval auf CNN

VonAndreas Dörnfelder

Was für ein Medienhype: Nach den Silvester-Übergriffen steht die Kölner Polizei im Fokus der internationalen Presse. Zum Karnevals-Start haben sich Fernseh-Teams aus der ganzen Welt angemeldet.

Sicherheitskonzept vorgestellt

Nach der Silvesternacht: Wie feiert Köln Karneval?

Sicherheitskonzept vorgestellt: Nach der Silvesternacht: Wie feiert Köln Karneval?

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KölnWolfgang Baldes hat einen stressigen Bürojob. Seit Tagen steht sein Telefon kaum noch still. Baldes ist Pressesprecher der Polizei in Köln. Sein Thema: Die Sicherheit beim Kölner Karneval. Auf seiner Liste stehen bereits 30 Anfragen von Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen. „So groß wie in diesem Jahr war das Interesse noch nie“, sagt er.

Neben bundesweiten Medien wie ARD, ZDF, RTL, Sat1, Deutsche Welle, „Spiegel“ und „Focus“ bekam Baldes' Abteilung auffallend viele Anrufe aus dem Ausland. Zum Karnevals-Start am kommenden Donnerstag haben sich Rundfunkstationen aus aller Welt angemeldet. So planen Radio France, das Schweizer Fernsehen und der US-amerikanische Nachrichtensender CNN ebenso aus der Domstadt zu berichten wie Fernsehstationen aus Norwegen, Dänemark und Finnland. Auf der Liste steht außerdem die britische „Sunday Times“.

Elektroschocker und Flüchtlingskrise: Waffenhändler berichten von „Kaufrausch“

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Nach den Silvesterübergriffen von Köln stürmen die Deutschen die Waffenläden. Elektroschocker sind bundesweit vielfach ausverkauft. Der führende Hersteller sitzt in Tschechien – und will nun auf die Nachfrage reagieren.

„Köln hat in diesem Jahr weltweite Bedeutung an Weiberfastnacht“, sagt Wolfgang Baldes. Um den Medienansturm zu bewältigen, seien am Donnerstag allein zwölf Ansprechpartner für Journalisten im Einsatz. In den vergangenen Jahren reichte der Polizei ein einziger Pressesprecher. „Normalerweise wollen die Zeitungen nur wissen, ob alles friedlich ist und ob schön geschunkelt wird“, sagt Baldes. In diesem Jahr geht es um mehr. Nicht zuletzt um den Ruf der Kölner Polizei.

Die war nach den Übergriffen durch Flüchtlinge auf Frauen in der Silvesternacht massiv in die Kritik geraten. In einer Pressemitteilung am 1. Januar hatte die Behörde von „weitgehend friedlichen Feiern“ und einer „entspannten Einsatzlage“ berichtet. Bis diesen Freitag sind bei der Polizei 1016 Strafanzeigen eingegangen, darunter 433 wegen mutmaßlicher Sexualstraftaten wie Nötigung. Der Rest entfällt unter anderem auf Raub, Diebstahl und Körperverletzung. Polizeipräsident Wolfgang Albers musste bereits am 8. Januar gehen.

Die Chronologie der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof

21.00 Uhr

Auf dem Bahnhofsvorplatz und der Domtreppe kommen nach Polizeiabgaben 400 bis 500 augenscheinlich betrunkene Menschen zusammen, sie sind teilweise aggressiv. Unkontrolliert werden Böller und Raketen abgebrannt.

23.00 Uhr

Gedränge vor dem Hauptbahnhof, mittlerweile sind mehr als 1000 Menschen zusammengekommen. Es handelt sich „ausschließlich um junge Männer“, wie die Polizei später berichtet. Nach wie vor werden Raketen abgeschossen, einige davon absichtlich in die Menge. Polizeidirektor Michael Temme beschreibt die Stimmung im Nachhinein als „aggressiv“.

23.15 Uhr

Teile der Menge werden von einigen Menschen eingekreist. Mehrere Handys sollen dabei gestohlen worden sein. Weiterhin werden Raketen und Böller gezündet.

23.30 Uhr

Die Polizei räumt die Domtreppe und den Bahnhofsvorplatz, aus Sicherheitsgründen und um eine Panik zu vermeiden, wie es heißt. Nach ihren Angaben beruhigt sich die Situation.

00.30 Uhr

Nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ herrscht am Hauptbahnhof eine aggressive Stimmung: Mindestens 200 angetrunkene junge Männer mit ausländischem Hintergrund pöbeln in der überfüllten Bahnhofshalle Passanten an und belästigen zahlreiche Frauen.

00.45 Uhr

Die Lage beruhigt sich laut Polizei zunächst. Der Zugang zum Hauptbahnhof wird wieder freigegeben, der Platz füllt sich erneut. Erste Strafanzeigen von betroffenen Frauen wegen Diebstahls, einige von ihnen berichten laut Polizei von sexuellen Übergriffen aus den Gruppen heraus auf Passanten. Es werden alle Beamten vor dem Hauptbahnhof zusammengezogen, knapp 150 Polizisten sollen im Einsatz sein. Frauen ohne Begleitung werden angesprochen und zum Bahnhofseingang begleitet. Es soll aber auch im Bahnhof Übergriffe geben. Dort ist allerdings nicht die Kölner Polizei zuständig, sondern die Bundespolizei.

04.00 Uhr

Nach Einschätzung der Polizei beruhigt sich die Lage wieder.

08.57 Uhr

In einer Pressemitteilung schreibt die Polizei, die Silvesterfeier „auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen [sei] friedlich“ verlaufen. Die Vorgänge am Dom werden nicht erwähnt.

02. Januar, 17.00 Uhr

Kölns Polizei informiert jetzt auch über die Übergriffe. Es seien Anzeigen von 30 Betroffenen erstattet worden, eine Ermittlungsgruppe wird eingerichtet.

Nun bemüht sich die Kölner Polizei um Transparenz. Am kommenden Montag stellt die Behörde ihr Einsatzkonzept für die Karnevalswoche vor, in der mit 2500 Beamten weit mehr als doppelt so viele Kräfte wie üblich im Einsatz sind. In der Einladung zur Pressekonferenz heißt es: „Die Ereignisse der Silvesternacht am Hauptbahnhof haben das Sicherheitsgefühl der Kölnerinnen und Kölner und in der gesamten Bundesrepublik nachhaltig berührt.“

Die Stadt Köln, das Festkomitee Kölner Karneval sowie die Dienstleister im öffentlichen Raum hätten ihre Pläne überprüft, neu strukturiert und ausgebaut. Köln sei „für die tollen Tage gerüstet“. Reporter aus aller Welt werden prüfen, ob das stimmt.

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