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26.08.2016

12:26 Uhr

Flüchtlingsprognose

Forscher rechnen mit deutlich weniger Asylbewerbern

Rund zwei Drittel weniger Flüchtlinge sollen im laufenden Jahr nach Deutschland kommen. Konkret erwarten Forscher bis zu 400.000 neue Asylbewerber – vorausgesetzt an den politischen Rahmenbedingungen ändert sich nichts.

In diesem Jahr könnte laut Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Zahl der Flüchtlinge deutlich sinken. dpa

Asylbewerber in Deutschland

In diesem Jahr könnte laut Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Zahl der Flüchtlinge deutlich sinken.

NürnbergForscher erwarten in diesem Jahr 300.000 bis 400.000 neue Flüchtlinge in Deutschland. Dies entspreche einem Rückgang um zwei Drittel im Vergleich zum vergangenen Jahr, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Freitag in Nürnberg mit. Die Schätzung stehe unter dem Vorbehalt, dass sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern, sagte IAB-Forscher Herbert Brücker. Das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei und die Schließung der Balkanroute müssten also Bestand haben. 2015 wurden 1,1 Millionen Flüchtlinge in Deutschland erfasst. Unter der Berücksichtigung von Doppelzählungen, Weiter- und Rückreisen schätzt das IAB die Nettozuwanderung von Flüchtlingen im Jahr 2015 auf 900.000.

Seit April 2016 kommen pro Monat etwa 16.000 Asylsuchende in Deutschland an. Auf dem Höhepunkt der jüngsten Zuwanderungswelle im November waren es noch etwa 200.000.

Die Forscher schätzen, dass bis zum Jahresende die Zahl der erwerbsfähigen Flüchtlinge mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang um etwa 160.000 Personen steigt. Langfristig werde diese Zahl bei etwa 700.000 liegen. Ein Teil dieser Menschen sei aber bereits vor 2015 eingereist. Rund 70 Prozent der arbeitssuchenden Flüchtlinge und rund ein Drittel der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern haben der Studie zufolge keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Etappen der Flüchtlingskrise

25. August 2015

Deutschland setzt das Dublin-Verfahren für Syrer aus. Es sieht die Rückführung von Flüchtlingen dorthin vor, wo sie zuerst EU-Boden betraten.

31. August 2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt die Bewältigung des Flüchtlingszustroms eine „große nationale Aufgabe“ und beteuert: „Wir schaffen das.“

5. September 2015

Deutschland und Österreich entscheiden, Tausende Flüchtlinge und Migranten aufzunehmen, die in Ungarn gestrandet sind. Bei der Ankunft in Deutschland werden sie bejubelt. CSU-Chef Horst Seehofer fühlt sich übergangen und warnt vor Überforderung.

23. September 2015

Die EU-Staats- und Regierungschefs beschließen, die Hilfen zu erhöhen und 160.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedsländer zu verteilen. Eine große Entlastung für Deutschland bleibt aus.

24. September 2015

Der Bund stockt die Hilfe für Flüchtlinge an Länder und Gemeinden massiv auf.

15. Oktober 2015

Der Bundestag beschließt ein neues Asylrecht. Albanien, Kosovo und Montenegro werden zu sicheren Herkunftsländern. Asylbewerber sollen möglichst nur Sachleistungen erhalten.

5. November 2015

Die Koalition verständigt sich auf besondere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge mit geringen Bleibechancen. Zudem wird eine zweijährige Aussetzung des Familiennachzugs bei Flüchtlingen mit niedrigerem Schutzstatus beschlossen.

20. November 2015

Auf dem CSU-Parteitag in München lehnt Merkel die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für die Zuwanderung strikt ab.

9. März 2016

Nach Slowenien, Kroatien und Serbien schließt auch Mazedonien seine Grenze für Flüchtlinge und andere Migranten. Damit ist die Balkanroute faktisch dicht, über die 2015 mehr als eine Million Menschen nach Deutschland und Österreich gekommen waren.

18. März 2016

Die EU und die Türkei einigen sich darauf, Migranten, die illegal in Griechenland ankommen, in die Türkei zurückzuschicken. Im Gegenzug soll für jeden zurückgenommenen Syrer ein anderer Syrer legal und direkt von der Türkei aus in die EU kommen.

4. April 2016

Die Rückführung von Flüchtlingen und anderen Migranten von Griechenland in die Türkei sowie die Umsiedlung von Syrern aus der Türkei in die EU beginnt.

4. Mai 2016

Die EU-Kommission will Flüchtlinge gerechter verteilen. Wie viele ein Land aufnehmen muss, soll von Größe und Wirtschaftskraft abhängen. EU-Staaten, die bei dem System nicht mitmachen, sollen 250.000 Euro pro Flüchtling zahlen.

12. Mai 2016

Die EU verlängert die Erlaubnis für vorübergehende Grenzkontrollen im eigentlich passkontrollfreien Schengen-Raum.

13. Mai 2016

Der Bundestag erklärt Tunesien, Algerien und Marokko zu sicheren Herkunftsländern. Die notwendige Zustimmung des Bundesrates bleibt zunächst aus.

22. Juni 2016

Die EU einigt sich im Grundsatz auf eine gestärkte gemeinsame Grenzschutzagentur und Küstenwache. Die bestehende EU-Grenzschutzagentur Frontex soll in der neuen Behörde aufgehen.

13. Juli 2016

Die EU-Kommission will schärfer gegen Asylmissbrauch vorgehen. Wer nicht mit den Behörden des Aufnahmestaates zusammenarbeitet, müsse mit einer Ablehnung rechnen.

Laut einer nicht repräsentativen Erhebung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge waren 36 Prozent der 2015 registrierten Asylbewerber im Alter ab 18 Jahren auf einer Hochschule oder einem Gymnasium. 31 Prozent besuchten eine Mittel- oder Fachschule, 23 Prozent nur eine Grundschule und acht Prozent gar keine Schule.

Somit hätten 46 Prozent der registrierten Asylbewerber mit guten Bleibeaussichten ein Gymnasium oder eine Hochschule besucht, 27 Prozent eine Mittel- oder Fachschule, 19 Prozent nur eine Grundschule und sechs Prozent gar keine Schule. Dabei handele es sich allerdings nur um den Besuch der Schulen und nicht um erworbene Abschlüsse.

Von

dpa

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