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11.04.2015

14:50 Uhr

Flüchtlingsstreit

Kommunen warnen bei Flüchtlingen vor „sozialem Sprengstoff“

Schätzungen zufolge kommen in diesem Jahr 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Die Länder fordern wegen der steigenden Zahl eine Neuverhandlung der Finanzhilfe – und schlagen Alarm. Ein CSU-Mann findet drastische Worte.

Die Debatte um die Finanzierung der Flüchtlinge wird immer hitziger. dpa

Ein Flüchtling blickt zu Boden.

Die Debatte um die Finanzierung der Flüchtlinge wird immer hitziger.

BerlinIm Tauziehen um eine stärkere Beteiligung des Bundes an den Kosten der Flüchtlingsunterbringung wird in der Unionsfraktion die Forderung nach Entgegenkommen der Länder aufgemacht. Die Bundesländer müssten sich verpflichten, verstärkt Einrichtungen für die Erstaufnahme zu schaffen und abgelehnte Asylbewerber konsequenter abzuschieben, forderte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion in der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag).

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, dass der Bund den Kommunen die Kosten der Unterbringung von Flüchtlingen dauerhaft abnimmt. Innen- und Finanzministerium hatten sich aber zurückhaltend zum Vorstoß des SPD-Chefs geäußert. Sie verwiesen auf die jüngsten Finanzzusagen des Bundes von je 500 Millionen Euro für 2015 und 2016: Zumindest für diese beiden Jahre sei dies eine abschließende Regelung.

Die Länder pochen aber auf mehr Geld vom Bund. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte ein Spitzentreffen von Bund und Ländern spätestens im Sommer. Die Finanzzusagen für 2015 und 2016 vom Dezember reichten inzwischen nicht mehr aus, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Es deute sich eine Verdoppelung der Flüchtlingszahlen für dieses Jahr an. Auch möge der Bund schnell für eine bessere Personalausstattung des Bundesamtes für Migration sorgen. „Die Asylverfahren dauern viel zu lange.“

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

Anstieg der Flüchtlingszahlen

Aufgrund von internationalen Krisen rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2014. Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in einem der 28 EU-Staaten um Asyl angesucht. Doch kommen die meisten Asylsuchenden, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa kommen, wirklich nach Deutschland?

Quelle: Eurostat/ Mediendienst Integration 2014

Platz 9

Griechenland: 2.440 Antragsteller

Platz 8

Ungarn: 2.735 Antragsteller

Platz 7

Österreich: 4.815 Antragsteller

Platz 6

Belgien: 5.065 Antragsteller

Platz 5

Großbritannien: 7.575 Antragsteller

Platz 4

Italien: 10.700 Antragsteller

Platz 3

Schweden: 12.945 Antragsteller

Platz 2

Frankreich: 15.885 Antragsteller

Platz 1

Deutschland: 36.890 Antragsteller

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) verlangte neue Finanzverhandlungen. „Die Prognosen, auf deren Basis im letzten Jahr verhandelt wurde, sind Geschichte“, sagte er der Zeitung „Die Welt“ (Samstag).

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schätzt, dass in diesem Jahr rund 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen, die Länder rechnen mit viel mehr. Sie und vor allem die Kommunen sind für die Unterbringung und Versorgung der Asylbewerber zuständig. Aufgrund der steigenden Zahlen fühlen sie sich überfordert.

Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer hatte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Die deutschen Kommunen sind vor allem deshalb mit der Unterbringung von Flüchtlingen überfordert, weil sie sich um viel zu viele unberechtigte Personen kümmern müssen.“ Er verwies darauf, dass mehr als zwei Drittel der Asylanträge abgelehnt würden.

Der Gymnasiallehrerverband DPhV forderte eine bessere sprachliche Förderung von Migrantenkindern. Es fehle an Pädagogen mit der Lehrbefähigung „Deutsch als Zweitsprache“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Nicht nur jede Grundschule, auch jede weiterführende Schule müsse mindestens zehn Wochenstunden „Deutsch als Zweitsprache“ anbieten können.

Kommentare (1)

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Herr Joly Joker

13.04.2015, 10:17 Uhr

Es ist ein Jammer zusehen zu müssen, wie unsere Politiker mal wieder versagen. Es könnte soooo einfach sein:
Der Bund garantiert für ein Kopfgeld je Flüchtling. Ein Zuwanderungsverbot in Großstädte und soziale Brennpunkte wird erlassen. Flüchtlingsheime mit mehr als 20 Personen werden untersagt und der Flüchtlingsanteil je Stadtteil darf 10 % der Bürger nicht überschreiten. Gleichzeitig werden leerstehende Gebäude und Wohnungen mit einer Strafabgabe belastet. Unterschreitet ein Bundesland seine Aufnahmequote wird ein Strafbetrag fällig. Dieser Betrag geht an jene Länder/ Kommunen die über ihrem SOLL Flüchtlinge aufnehmen. Wetten, dass wir hier keine Flüchtlingsprobleme mehr hätten? Wenn dann die jungen Männer für gemeinnützige Tätigkeiten herangezogen werden dürfen.... Das würde die Lage noch zusätzlich entspannen.

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