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14.07.2015

12:28 Uhr

Flüchtlingsströme über die Balkanroute

Endstation Passau

VonDaniel Delhaes

„Wir sind das größte Einfallstor“: In Passau kommen täglich 300 und mehr Flüchtlinge in Bussen und Kleintransportern an, die über die Balkanroute nach Europa reisen. Die Region stößt an ihre Grenzen. Ein Ortsbesuch.

Ein Flüchtlingskind spielt auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin. 300 Flüchtlinge kommen inzwischen jeden Tag über die Balkanroute in Passau an. „Wir sind das größte Einfallstor“, sagt Polizeioberrat Thomas Lang von der Bundespolizei. dpa

Ansturm auf Flüchtlings-Aufnahmestelle hält an

Ein Flüchtlingskind spielt auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin. 300 Flüchtlinge kommen inzwischen jeden Tag über die Balkanroute in Passau an. „Wir sind das größte Einfallstor“, sagt Polizeioberrat Thomas Lang von der Bundespolizei.

PassauWer in Passau vor der Dreiländerhalle rechts abbiegt, hält entweder vorm Freibad – oder vor der Flüchtlingsauffangstation. Draußen sind es angenehme 24 Grad, die Sonne lacht an diesem Julitag. Menschen sonnen sich auf der Liegewiese oder ziehen im kühlen Wasser ihre Bahnen. Auf der anderen Straßenseite aber warten bewaffnete Männer vor der einstigen Turnhalle der Polizei.

Es riecht säuerlich in der Halle, die Luft steht, obwohl die Türen aufstehen. Rund 100 Flüchtlinge, stehen, sitzen oder liegen hier. Ihre Reise haben sie in Afghanistan, dem Irak oder Syrien begonnen. Jetzt besteht ihre vorläufige Endstation aus einer kargen Halle, in der rund 20 bewaffnete Bundespolizisten damit beschäftigt sind, Personalien aufzunehmen. Die "Vorstufe zum Paradies", nennt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Bayern gerne.

Von welchen Flughäfen die Menschen abgeschoben werden

2747

2747 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Frankfurt abgeschoben.

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der Linken (16. Februar 2015)

1711

1711 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Düsseldorf abgeschoben.

1130

1130 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Tegel abgeschoben.

817

817 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen München abgeschoben.

638

638 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hamburg abgeschoben.

509

509 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Schönefeld abgeschoben.

348

348 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Baden-Baden abgeschoben.

260

260 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hannover abgeschoben.

227

227 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Stuttgart abgeschoben.

135

135 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Leipzig abgeschoben.

26

26 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Köln/Bonn abgeschoben.

8

Acht Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Bremen abgeschoben.

1

Eine Person wurde im Jahr 2014 über den Flughafen Dresden abgeschoben.

300 Flüchtlinge kommen inzwischen jeden Tag über die Balkanroute in Passau an. „Wir sind das größte Einfallstor“, sagt Polizeioberrat Thomas Lang von der Bundespolizei. Weil so viele kommen, reicht die Polizeistation schon lange nicht mehr, um die Flüchtlinge gründlich polizeidienstlich zu erfassen, wie es im Fachjargon heißt.

Also sitzen die Ankömmlinge in der stickigen Halle und warten. Die Halle ist mit Bauzäunen provisorisch aufgeteilt, An einer Wand hängen Din-A-4-Seiten mit arabischen Schriftzeichen, davor steht ein Samowar gefüllt mit Wasser. Einige der überwiegend jungen Männer sitzen auf den Stühlen und schauen apathisch ins Nichts, andere tippeln unruhig mit den Beinen. Andere liegen über mehrere Stühlen und schlafen, wieder andere auf Tischen. Ein kleines Kind schreit.

Jeder trägt hier jeder ein weißes Plastikband am Arm – als erstes Erkennungszeichen. Die meisten der Flüchtlinge erreichen illegal Bayern. Gut 15.000 seien es dieses Jahr schon, berichtet Bundespolizist Lang. Sie zahlen 2000 bis 3000 Euro an Schleuser. Früher, da haben die Menschenhändler die Verzweifelten in Zügen über die Grenze gebracht und ihrem Schicksal überlassen, berichtet Lang. Dann habe man sie in den Städten und Dörfern ausgesetzt. Inzwischen kämen sie in Kleintransportern aus Ungarn über die Grenze.

Bis zu 40 Menschen würden eingepfercht darin auf eine sichere Zukunft hoffen - und dann an der deutschen Autobahn ausgesetzt werden. Dort irren sie dann herum, bis die Polizei sie aufgreift und in die alte Turnhalle nach Passau bringt - gegenüber des Freibads.

Kommentare (15)

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Herr Horst Meiller

14.07.2015, 12:45 Uhr

Die Politik hat nur noch mit GR zu tun und vernachlässigt das eigene Land. Passen Sie gut auf, damit Ihnen das nicht um die Ohren fliegt, die Quittung folgt dann auf dem Fuß, und sie wird heftig ausfallen!!

Frau Margrit Steer

14.07.2015, 13:47 Uhr

Flüchtlingsströme?
Davon ist nicht ein einziger Flüchtling im wahren Wortsinn

Herr Hans Mayer

14.07.2015, 13:56 Uhr

Super, soviele Wirtschaftsreisende finden endlich den Weg zu uns, der Maketenderpfaffe aus dem Osten sagte ja bereits das die viel Kohle bringen.
Endlich ist ein Ende des Facharbeitermangels in Sicht, unser Wohlstand ist gesichert.
Unsere Asylindustrie hat ne Menge zu tun, auch prima wenn man Bacelor für Soziales ist.
Wieso sitzen noch so viele bei den Griechen rum, immer her damit, es muss noch Bunter auf dem Narrenschiff werden.

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