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09.01.2013

15:45 Uhr

Flughafen-Debakel

Guck mal, Tegel lebt!

VonDietmar Neuerer

Das Chaos um den neuen Hauptstadtflughafen verursacht massive Schäden. Doch es gibt auch einen großen Gewinner: Tegel. Die Wirtschaft vor Ort profitiert vom Ausweichflughafen und beschert der ganzen Stadt Millionen.

Ein Flugzeug von Air Berlin startet in Berlin vor dem Tower des Flughafens Tegel. dapd

Ein Flugzeug von Air Berlin startet in Berlin vor dem Tower des Flughafens Tegel.

BerlinNach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) profitiert die Berliner Wirtschaft von den Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Zur Begründung sagte der IW-Experte Klaus-Heiner Röhl Handelsblatt Online, dass erst die Verlagerung des Flugbetriebs von Tegel zum neuen Grußflughafen „statistisch die Wertschöpfung und Arbeitsplätze des Standortes Tegel ins brandenburgische Schönefeld verschiebt“. IW-Angaben zufolge macht der Betrieb am Flughafen Tegel derzeit etwa 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Berlins aus. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass das Berliner BIP im Jahr der BER-Eröffnung wohl schrumpfen wird, was nun weiter hinausgeschoben wird“, sagte Röhl.

Tegel ist seit Jahrzehnten der wichtigste Airport Berlins. Mit rund 18 Millionen Passagieren im Jahr 2012 platzt er mittlerweile aus allen Nähten. Vor 20 Jahren wurden hier erst sieben Millionen Reisende abgefertigt, geplant war der Flughafen einst für gut sechs Millionen im Jahr. Eigentlich sollte er längst geschlossen sein. Doch wegen der BER-Pannen wird in Tegel mit täglich mehr als 500 Starts und Landungen am Rande der Belastungsgrenze weitergeflogen.

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Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Montag bestätigt, dass der 27. Oktober 2013 als Eröffnungstermin des Berliner Großflughafens nicht eingehalten werden kann. Zuvor wurde die Eröffnung bereits drei Mal verschoben.

Die Starttermine für den Flughafen BER

30. Oktober 2011

Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

3. Juni 2012

Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

17. März 2013

Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

27. Oktober 2013

Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

Frühestens 2014

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Der Ausweichflughafen muss nun auch Umsteigeverkehr der Gesellschaften AirBerlin und Lufthansa bewältigen, der eigentlich für den neuen Großflughafen gedacht war. Am Spitzentag 28. September 2012 wurden 75.000 Fluggäste bei 630 Starts und Landungen gezählt – zum Leidwesen der Anwohner. Hunderttausende Berliner in den Bezirken Pankow, Reinickendorf und Spandau müssen nun weiter Fluglärm ertragen – nicht nur am Tag, sondern auch abends und sogar nachts. Eine Lösung dafür gibt es nicht. Abwarten heißt die Devise. Und zwar bis Sommer nächsten Jahres. Erst dann soll es Gewissheit über einen neuen Eröffnungstermin für Schönefeld geben.

Bis dahin ist Tegel gefragter denn je. Die Berliner verbindet mit dem Terminal ein spannendes Stück deutsch-deutscher Geschichte. Der nach dem Luftfahrtpionier Otto Lilienthal benannte Flughafen Tegel wurde 1948 im Westteil der Stadt angelegt. Während der Berlin-Blockade im Kalten Krieg in den Jahren 1948/49 entstand mit fast 2500 Metern die damals längste Lande- und Startbahn Europas. Erst von Januar 1960 an startete in Tegel auch ziviler Flugverkehr, betrieben von den alliierten Gesellschaften Air France und später auch British Airways und Pan American. Die Deutsche Lufthansa konnte Tegel erst nach der Wiedervereinigung im Oktober 1990 anfliegen. Heute hat die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft AirBerlin hier ihre Heimatbasis.

Kommentare (2)

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maxxmuench

09.01.2013, 20:02 Uhr

BER wäre ohne Air Berlin nicht ausgelastet? Wenn es attraktive Strecken von und nach BER gibt, würde bei einem Air Berlin Ende sofort jemand anderes einspringen. Beispiele dafür gibt es genug, etwa easyjet in Basel und Genf nach dem Ende der Swissair. Die Luftfahrt wächst, auch ohne Air Berlin.

Nachwuchs

09.01.2013, 21:41 Uhr

Gewinn? Die Politiker wollen also absichtlich Berlin schaden.
Tegel /Tempelhof müssen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. dafür werden die Flugrouten vorsätzlich über die Innenstadt und den Atomreaktor zwingend geführt. Die Politiker wollen Tote sehen und sind für Massenmorde verantwortlich. dafür nehmen Sie sich massenhaft Gelder!

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