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08.05.2012

14:56 Uhr

Flughafen eröffnet später

Klappt in Berlin überhaupt noch was?

Der Berliner findet immer einiges zu meckern. Jetzt hat er wieder allen Grund: Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verzögert sich. Doch der Berliner schließt neue Orte traditionell ins Herz - trotz aller Pannen.

Wieder was zu meckern: Schilder am Flughafen Berlin Brandenburg. dpa

Wieder was zu meckern: Schilder am Flughafen Berlin Brandenburg.

BerlinMit großem Tamtam angekündigt, dann ein peinlicher Rückzieher. Dass der neue Flughafen in Schönefeld erst Monate später aufmacht, löst in der Hauptstadt einen kollektiven Seufzer aus: Klappt hier überhaupt noch was? Zu meckern findet der Berliner einiges.

Es gibt einen Berg von Schulden. Ein zu kurzes Dach am Hauptbahnhof. Pannen bei der S-Bahn. Das Guggenheim Museum sagt aus Angst vor Gewalt ein Projekt in Kreuzberg ab. Und dem Fußballverein der Hauptstadt droht der Sturz in die Zweite Liga. „Wenn Hertha ein Tier wäre, dann wäre es ein Lemming“, meint Kolumnist Harald Martenstein.

Der Weg zum neuen Berliner Flughafen

Dezember 1991

Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.

Januar 1992

Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

Juni 1996

Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.

August 2004

Zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens gibt der Planfeststellungsbeschluss grünes Licht: Der BBI darf unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.

April 2005

Das Gericht gibt Eilanträgen mehrerer Anwohner statt und verhängt einen weitgehenden Baustopp bis zu seiner endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.

März 2006

Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

Juli 2008

Erster Spatenstich für die Inbetriebnahme des Flughafens.

Oktober 2009

Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr, Ausnahme Post- und Regierungsmaschinen, Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt.

Juni 2010

Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben.

September 2010

Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.

Juli 2011

Nach monatelangen Beratungen in der Fluglärmkommission folgt die Flugsicherung mit einem neuen Vorschlag dem Kompromiss des Gremiums. Rund um den Berliner Müggelsee geht der Protest weiter.

Oktober 2011

Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugkorridore fest. Bürgerinitiativen kündigen weitere Klagen an.

Mai 2012

Wegen Problemen beim Brandschutz wird die Anfang Juni geplante Eröffnung des Flughafens erneut verschoben.

Die Mutter aller Niederlagen liegt fast 20 Jahre zurück. Damals scheiterte die Olympiabewerbung von Berlin spektakulär. Sydney bekam den Zuschlag für 2000. Die gelben Smiley-Bären, mit denen Berlin damals warb, sind in der Flohmarktkiste gelandet. Die Blamage von 1993 hielt Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) aber nicht davon ab, mit einer erneuten Olympia-Kandidatur zu liebäugeln.

Bis 2016 werden Berlins Schulden trotz aller Sparanstrengungen auf mehr als 65 Milliarden Euro steigen. Wowereit tröstet die Stadt mit dem Motto „arm, aber sexy“. Immerhin: Unter Rot-Schwarz soll Berlin sexy bleiben, aber reicher werden. So steht es sogar in der Koalitionsvereinbarung.

Willy-Brandt-Airport: Berliner Großflughafen kurz vor dem Start gestoppt

Willy-Brandt-Airport

Berliner Großflughafen kurzfristig gestoppt

Der neue Hauptstadtflughafen sollte eigentlich am 3. Juni in Betrieb gehen.

Der 1,2 Milliarden Euro teure Hauptbahnhof wurde zwar pünktlich zur Fußball-WM 2006 fertig. Aber es gab Streit um die Gestaltung des Untergeschosses. Oben erinnert das recht kurz geratene Dach an eine abgebissene Wurst. Das Gelände rings um den blitzenden Bahnhof blieb jahrelang ein ödes Provisorium - inklusive mancher Sandhaufen.

Kommentare (4)

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Dolle

08.05.2012, 17:34 Uhr

Was dem gemeinen Berliner wirklich wichtig ist sind Laubenpieper-Kultur, billige Nutten aussem Osten, am Wochenende besoffen Autospiegel abtreten, und im Sommer von besoffenen Touristen vollgekotzte U- und S-Bahnen. Wen interessiert da ein Flughafen?

Zur "Tag der offenen Tür"-Mentalität der Berliner:
Komisch ist in diesem Zusammenhang dieses seltsame Heile-Welt-Provinz-3.Programm des RBB mit seinem merkwürdigen, für mich gruseligem (Ansagerinnen!) Vorabendprogramm. Hier wird der gemeine Berliner ähnlich wie im DDR-Staatsfernsehen ständig über "neue Highlights in Berlin" informiert, zur Freude des gemeinen Berliners oft mit Hinweisen auf "Tag der offenen Tür". Und reflexartiert wird reagiert und losgestürmt, um neue Shopping-Mals zu überrennen oder Besichtigungs-Hochstände mit Blick auf Baugruben oder ähnlichem zu erstürmen...

ein_echter_Berliner

08.05.2012, 18:46 Uhr

Interessant was sie über den "Berliner" zu wissen glauben. Es klingt so, als wenn Sie aus der Provinz kommen und Berlin das dunkle Loch des Verbrechens ist. Leider sind solch ignorante Menschen oft nicht wirklich in Berlin gewesen.

Aber sicher haben Sie unglaublich viele Erfahrungen mit Berlin. Ich bin Berliner und interessiere mich wie die meisten nicht für billige Nutten (auch die teuren im Übrigen nicht). Auch dem bekannten Hobby "Autospiegel abtreten" findet man hier nicht so recht. Ich weiß auch nicht was für Touristen in Ihre Idylle so kommen, die meisten Touristen in Berlin sind weder besoffen noch kotzen in den öffentlichen Nahverkehr herum.

Was den Flughafen angeht, bzw. neue Orte im Allgemeinen, steht der Berliner offen gegenüber. Wir müssen nicht wegen einem schicken Bahnhof auf die Straße rennen und uns gegen Modernisierung wehren.

Was Ihre Äußerung zum RBB angeht bin ich ein wenig irritiert. Aber diese Meinung kommentiere ich lieber nicht, Sie haben sicher gute Gründe für Ihre verblendete Meinung.

bcs419

09.05.2012, 04:23 Uhr

NEWS - TXL-SXF(BER) = Tropical ISLAND eröffnet bald eine Filliale an der Stadtgrenze!!!

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