Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2012

14:49 Uhr

Flughafen-Posse

Rücktrittsforderungen an Wowereit und Platzeck

Die Eröffnung des Berliner Großflughafens gerät zum Fiasko: Auch der Starttermin im März 2013 ist nicht zu halten. Nun fordern Bundespolitiker harte Konsequenzen – für die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg.

Berliner Großflughafen eröffnet erst im Herbst 2013

Video: Berliner Großflughafen eröffnet erst im Herbst 2013

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Berlin/DüsseldorfNach der erneut verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens fordern Bundespolitiker harte Konsequenzen. Sowohl der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Martin Lindner, als auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter, halten die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD), an der Spitze des Flughafenaufsichtsrates für nicht mehr tragbar. „Der Bund muss schnellstens den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen und der Provinzposse von Wowereit und Platzeck ein Ende bereiten“, sagte Lindner Handelsblatt Online.

Hofreiter sagte der Nachrichtenagentur dapd, Wowereit sei als Aufsichtsratschef überfordert. Bislang seien alle genannten Termine nicht realistisch gewesen. "Insgesamt ist das nur noch eine traurige Geschichte", fügte Hofreiter hinzu.

Wowereit soll für Flughafen-Desaster einstehen

Video: Wowereit soll für Flughafen-Desaster einstehen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die zwischenzeitlich für 17. März 2013 geplante Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens in Schönefeld nicht zu halten ist. Deshalb soll in einer Aufsichtsratssitzung am Freitag ein neues Datum bestimmt werden, wie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) dem "Tagesspiegel" bestätigte. Das Gremium werde dann über einen neuen Termin im Oktober 2013 beraten. Ursprünglich war die Sitzung erst für den 14. September geplant.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Lindner äußerte scharfe Kritik an Platzeck.  „Es erweckt kein Vertrauen bei Investoren, wenn ein Aufsichtsrat in einem Interview einen neuen Eröffnungstermin ins Spiel bringt. Diese Art von Krisenmanagement ist hochunprofessionell.“ Da frage man sich schon, was da für eine „Provinztruppe“ am Werke sei.

Kommentare (35)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

zephyroz

04.09.2012, 14:18 Uhr

... sind nur allzu berechtigt. Die Politik - insbesondere die Spitzenpolitik - hat sich wiederholt als völlig unfähig erwiesen.

Haustechniker

04.09.2012, 14:21 Uhr

Ich frage mich wirklich wie lange wir uns noch (...)Politiker leisten können und wollen. Und wann der "normale Bürger endlich seiner Verantwortung gerecht wird und sich engagiert?

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:

„Nicht persönlich werden

Ihre Kommentare sollten sich auf den jeweiligen Artikel oder das diskutierte Thema und niemals auf den dahinter stehenden Autor beziehen. Persönliche Angriffe gegen andere Nutzer oder soziale Gruppen, Beleidigungen und Diskriminierungen zum Beispiel aufgrund von Religion, Nationalität, sexueller Orientierung, Alter oder Geschlecht sind ausdrücklich nicht gestattet. Gleiches gilt für Verleumdungen sowie geschäfts- und rufschädigende Äußerungen sowie für die Veröffentlichung persönlicher und personenbezogener Daten Dritter. Bitte überlegen Sie zudem gut, welche Ihrer eigenen Daten Sie frei zugänglich ins Internet stellen.“
(http://www.handelsblatt.com/impressum/netiquette/)

Korruptes_Unfaehiges_Pack

04.09.2012, 14:22 Uhr

"Rücktrittsforderungen an Wowereit und Platzeck"

... und was ist mit Schadenersatz? Gelten Gesetze etwa nur für "normale" Bürger?

Ein AUFSICHTsrat ist ein AUFSICHTsrat ist ein AUFSICHTsrat!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×