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28.01.2014

19:52 Uhr

Fluglotsen-Streiks

Flugausfälle und Verspätungen auch in Deutschland

Wer zwischen Mittwoch und Freitag eine Flugreise plant, sollte aufpassen: In insgesamt zehn europäischen Ländern wollen Fluglotsen streiken. Lufthansa hat bereits erste Flüge gestrichen.

Fluglotsen beobachten Starts und Landungen auf dem Bahnensystem des Flughafens in Frankfurt. An den Streiks nehmen deutsche Lotsen nicht teil. Dennoch können Flüge über den französischen Luftraum von und nach Deutschland betroffen sein. dpa

Fluglotsen beobachten Starts und Landungen auf dem Bahnensystem des Flughafens in Frankfurt. An den Streiks nehmen deutsche Lotsen nicht teil. Dennoch können Flüge über den französischen Luftraum von und nach Deutschland betroffen sein.

BrüsselFluggäste müssen am Mittwoch und Donnerstag vor allem in Frankreich und Portugal mit Störungen des Flugverkehrs rechnen. Das teilte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol am Dienstag auf ihrer Internetseite mit. Grund sind Streiks der Lotsen in mehreren europäischen Ländern gegen EU-Pläne zur Liberalisierung der Luftraum-Überwachung.

Deutsche Lotsen nehmen zwar nicht an den Aktionen teil, bei Flügen etwa über französischen Luftraum können aber auch Verbindungen von und nach Deutschland betroffen sein. Die Lufthansa hat nach Angaben einer Sprecherin erste Flüge gestrichen, aber noch keine Liste der abgesagten Verbindungen veröffentlicht. Fluggäste auch der Tochter Germanwings wurden aufgefordert, sich auf den Webseiten der Gesellschaften zu informieren. Lufthansa informiert ihre Gäste zudem per Mail und Kurznachrichten.

Auch Air Berlin erwartet für Mittwoch und Donnerstag Verspätungen bei einigen Maschinen. Gestrichen wurde bisher kein Flug, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Am Mittwoch sei mit vereinzelten Verspätungen bei Italien-Flügen von bis zu drei Stunden zu rechnen, am Donnerstag bei Flügen nach Spanien und Portugal, die durch den französischen Luftraum gehen. Auch Verbindungen nach Frankreich seien betroffen. Auch Air Berlin empfahl ihren Fluggästen, sich auf der Webseite der Gesellschaft zu informieren.

Die längsten Ausstände sind laut der Eurocontrol-Liste in Frankreich geplant. Die Gewerkschafter wollen demnach ab Mittwochabend um 19 Uhr bis Freitag um 5 Uhr morgens die Arbeit niederlegen. In Portugal hat eine Lotsen-Gewerkschaft für Mittwoch um 8 Uhr und um 15 Uhr zu je zweistündigen Streiks aufgerufen. Am Donnerstagnachmittag könnte es erneut Störungen geben.

Die unterschiedlichen Mindestlöhne in Deutschland

Pflegebranche

Knapp 800.000 Pflegekräfte erhalten seit dem 1. August 2011 einen gesetzlichen Mindestlohn. Pflegehilfskräfte in der Alten- und ambulanten Krankenpflege bekommen im Osten 7,75 Euro und im Westen 8,75 Euro.

Wach- und Sicherheitsgewerbe

Für die 170.000 Beschäftigten der Branche beträgt der Mindestlohn in allen Regionen Deutschlands seit Anfang 2013 mindestens 7,50 Euro. Für einzelne Regionen im Osten bedeutete dies eine Lohnerhöhung um bis zu 60 Prozent. Die Verordnung ist bis 31. Dezember 2013 befristet.

Abfallwirtschaft

Ob Straßenreiniger, Sortierkraft, oder Müllwerker: Für 160.000 Beschäftigte der Abfallwirtschaft gilt seit Februar ein Mindestlohn von bundeseinheitlich 8,68 Euro.

Bergbau- und Spezialdienste

Für die etwa 2500 Beschäftigten gilt seit Oktober 2009 ein Mindeststundenlohn. Seit 1. November 2011 werden 11,53 Euro für einfache Tätigkeiten gezahlt, Facharbeiter erhalten 12,81 Euro.

Maler- und Lackierer

Für ungelernte Arbeitnehmer der Branche mit etwa 100.000 Beschäftigten gilt eine Lohnuntergrenze von 9,75 Euro, Gesellen verdienen 12,00 Euro pro Stunde.

Industrielle Großwäschereien

Die etwa 35.000 Beschäftigten erhalten seit April 2012 mindestens 8,00 Euro im Westen und 7,00 Euro im Osten.

Gebäudereiniger

Der Mindestlohn für die rund 700.000 Beschäftigten wurde angehoben. In der Innenreinigung werden seit 2012 nun mindestens 8,82 Euro im Westen (7,00 Euro im Osten) gezahlt, während Fassadenreiniger 11,33 Euro (8,88 Euro) erhalten.

Dachdecker

Die etwa 84.000 Arbeitnehmer bekommen seit Jahresanfang bundeseinheitlich einen Mindestlohn von 11,20 Euro.

Bauhauptgewerbe

Für die etwa 414.500 Beschäftigten im Westen gilt seit dem 01. Juli ein Mindestlohn von 11,05 Euro für Werker und 13,40 Euro für Fachwerker. Die 127.600 Beschäftigten im Osten verdienen einheitlich mindestens 10,00 Euro.

Elektrohandwerk

Betroffen sind etwa 280.000 Arbeitnehmer, die ein Mindestentgelt von 9,90 Euro (8,85 Euro Ost) erhalten.

Gerüstbau

Für die rund 30.000 Gerüstbauer in Deutschland gibt es seit dem 01. August einen bundesweiten Mindestlohn. Erstmals wurde eine untere Lohngrenze von 9,50 Euro in Ost und West vereinbart.

Berufliche Weiterbildung

Auch rund 23.000 Angestellte, die als Lehrer, Sozialpädagogen oder Handwerksmeister Jugendliche aus- und Arbeitslose weiterbilden, bekommen einen Mindestlohn. Er liegt je nach Tätigkeit bei mindestens 12,60 Euro im Westen und bei 11,25 im Osten.

Briefdienstleistungen

In weiteren Branchen ist ein Mindestlohn rechtlich möglich, aber nicht in Kraft. Betroffen ist zum Beispiel die Branche Briefdienstleistungen: Für Briefzusteller war 2009 ein Mindestlohn von 9,80 Euro festgelegt worden. Das Bundesverwaltungsgericht hat den Mindestlohn aber im Januar 2010 gekippt, da er rechtswidrig zustandegekommen sei.

Forstliche Dienstleister

Für diese Branche liegen Mindestlohntarifverträge vor, die noch nicht für allgemeinverbindlich erklärt wurden. Vereinbart sind 10,52 pro Stunde.

Steinmetze und Steinmaurer

Auch im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk gibt es Mindestlohntarifverträge. Vereinbart wurde ein Mindestlohn von 9,75 bis 11,00 Euro pro Stunde.

Abbruch- und Abwrackgewerbe

Hier galt bis Ende 2008 ein Mindestlohn von 9,10 Euro bis 11,96 Euro. Ausführliche Informationen zur Allgemeinverbindlichkeit und geltenden Mindestlöhnen bietet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Auch in Zypern, Italien und Slowenien sind für Mittwoch zeitlich begrenzte Arbeitsniederlegungen vorgesehen, in Malta sollen die Lotsen-Streiks fast den ganzen Tag dauern. Für Donnerstagmorgen sind Protestaktionen in Österreich, Ungarn, der Slowakei und Griechenland angekündigt, in Tschechien planen Gewerkschafter einen ganztägigen Ausstand.

„Wir tun unser Bestes, um die Auswirkungen zu mildern“, erklärte ein Sprecher von Eurocontrol. Möglich seien etwa Routenänderungen oder Verschiebungen - die Entscheidung, Flüge zu streichen, träfen aber die Fluggesellschaften selbst. Passagiere sollten sich im Zweifelsfall an ihre Fluggesellschaft wenden.

Die Proteste der Lotsen mit ihrem Dachverband ATCEUC richten sich gegen EU-Pläne zur Liberalisierung des europäischen Luftraums mit seinen 28 nationalen Flugsicherungen. Die meist staatlichen Anbieter sollen die Gebühren senken und mehr Verkehr abwickeln. Die Gewerkschaften sehen Sicherheits- und Kapazitätsprobleme, die ihnen zufolge teils schon auf falschen Berechnungsgrundlagen fußten.

Von

dpa

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