Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2010

09:42 Uhr

Folgen der Rezession

Rentnern droht eine zweite Nullrunde

VonAxel Schrinner, Peter Thelen

Die 20 Millionen deutschen Rentner müssen sich kommendes Jahr auf die zweite Nullrunde in Folge einstellen. Grund ist die schwache Lohnentwicklung im laufenden Jahr. Frühere Wahlgeschenke müssen nun teuer bezahlt werden.

Die Rentner in Deutschland müssen sich in diesem Jahr erneut auf eine Nullrunde einstellen. ap

Die Rentner in Deutschland müssen sich in diesem Jahr erneut auf eine Nullrunde einstellen.

DÜSSELDORF/BERLIN. So geht Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in seinem noch unveröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht davon aus, dass die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer dieses Jahr lediglich um 0,9 Prozent steigen werden. „Das wird wohl zu einer Nullrunde bei den Renten in 2011 führen“, hieß es in Regierungskreisen.

Denn die Rentenerhöhung folgt der Entwicklung der Löhne im Vorjahr. Zusätzlich wird der Rentenanstieg um den Riester-Faktor und um den Nachhaltigkeitsfaktor vermindert. Der erste trägt dem Umstand Rechnung, dass heute Beschäftigte zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen sollen und dies ihr verfügbares Einkommen mindert. Der zweite dämpft den Rentenanstieg in dem Maße, wie sich die Relation zwischen Beitragszahlern und Rentnern zulasten der Beitragszahler verschlechtert.

„Beide Faktoren weisen für 2011 nach unten“, sagte die Finanzexpertin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Kristina van Deuverden, dem Handelsblatt. Selbst wenn dennoch ein kleines Plus verbliebe, müssen laut aktueller Rechtslage die in der Vergangenheit unterbliebenen Rentenkürzungen nachgeholt werden.

Aus den Jahren 2005 und 2006 besteht derzeit noch ein Anpassungsbedarf von 1,75 Punkten, der ab 2011 nachgeholt werden soll. Erst wenn dies geschehen ist, werden die Folgen der von der Großen Koalition abgegebenen Rentengarantie aufgeholt; dazu sollen etwaige Rentenanstiege halbiert werden.

Nach dem Rentenbericht der Bundesregierung werden die Altersbezüge aber trotzdem ab 2012 wieder steigen. Bis 2023 wird ein Anstieg um 25 Prozent erwartet, was einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 1,6 Prozent pro Jahr entspricht. Wegen der Korrekturfaktoren wird der Rentenanstieg jedoch deutlich hinter den Lohnerhöhungen zurückbleiben: Das Sicherungsniveau vor Steuern sinkt von 52,0 Prozent des Bruttoeinkommens im vergangenen Jahr auf 47,0 Prozent im Jahr 2020 und weiter auf 46,2 Prozent im Jahr 2023 ab. Nur wer zusätzlich durch eine Riester-Rente vorsorgt, kann sicherstellen, dass sein Alterseinkommen im Jahr 2023 in etwa noch dem Niveau entspricht, dass ein Versicherter erreicht, der 2008 in Rente gegangen ist.

Da die Rentenversicherung trotz Wirtschaftskrise zu Ende des vergangenen Jahres über Rücklagen von rund 16 Mrd. Euro verfügte, kann der Rentenbeitragssatz bis 2014 bei 19,9 Prozent stabil gehalten werden. Danach ist aus heutiger Sicht sogar eine schrittweise Senkung auf 19,4 Prozent möglich. In dieser Höhe kann der Beitragssatz nach den Vorausberechnungen sogar bis 2020 gehalten werden. Bis 2023 soll er dann schrittweise auf 20,6 Prozent steigen. Er bliebe damit noch deutlich unter der gesetzlich vorgegebenen Höchstgrenze von 22 Prozent. Allerdings hat bisher noch keine Langfristprognose über die Rentenfinanzen gehalten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×