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12.09.2012

13:59 Uhr

Forderung der Kinderhilfe

Zwei Jahre Aufschub für Beschneidungsgesetz

Bevor die Bescheidung legalisiert wird, fordert die Deutsche Kinderhilfe ein Moratorium über zwei Jahre. In dieser Zeit soll die gesellschaftliche Debatte beobachtet werden. Eine Petition sei schon lange eingereicht.

Eran Sadeh, Gründer von „Protect the Child“ in Israel, bei einer Pressekonferenz der Deutschen Kinderhilfe in Berlin. dapd

Eran Sadeh, Gründer von „Protect the Child“ in Israel, bei einer Pressekonferenz der Deutschen Kinderhilfe in Berlin.

BerlinDie Deutsche Kinderhilfe warnt vor einer überstürzten Legalisierung religiöser Beschneidungen bei kleinen Jungen. Der Verband appelliert an die Politik, sich zwei Jahre Zeit für eine breite gesellschaftliche Debatte über das ethisch umstrittene Thema zu nehmen. Ein Runder Tisch mit Religionsvertretern und Sachverständigen sei das richtige Gremium dafür, sagte am Mittwoch in Berlin der Vorstandsvorsitzende Georg Ehrmann.

Der Bundestag hatte die Bundesregierung im Juli per Resolution aufgefordert, zügig ein Gesetz vorzulegen, das die rituelle Beschneidung grundsätzlich straffrei stellt. Wenige Wochen zuvor hatte das Kölner Landgericht die Beschneidung kleiner Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bewertet, selbst wenn die Eltern einwilligen. Seither herrscht Rechtsunsicherheit unter Juden und Muslimen in Deutschland.

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Eine Petition für ein zweijähriges Moratorium hat die Kinderhilfe nach eigenen Angaben bereits im Juli beim Bundestag eingereicht. Bis Mittwochmittag sei das Papier jedoch noch nicht offiziell angenommen worden, bemängelte Ehrmann. Unterstützt wird die Petition unter anderem vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, dem Bund Deutscher Kriminalbeamter und der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes.

Ehrmann rügte, dass der Bundestag in einem "beispiellosen Beschluss" eine Gesetzesänderung zu dem ethisch "schwierigen Thema" angekündigt habe, ohne eine gesellschaftliche Debatte abzuwarten. Damit sei ein "politischer Grundkonsens" verletzt worden. Auch die Vertreter der Religionen seien nun in der Pflicht, eine Debatte zuzulassen.

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Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler, sagte, es müsse die Frage diskutiert werden, ob die Rechte des Kindes oder der Eltern im Vordergrund stünden. Er verwies zudem auf die "ärztliche Verpflichtung, nicht zu schaden". Es gebe für religiös motivierte Beschneidungen "keinen medizinischen Auftrag".

Ehrmann sagte, die Kinderhilfe werde "uneingeschränkt für die Wahrung der Kinderrechte" eintreten. Ein explizites Verbot der Beschneidung wollte er allerdings nicht fordern. "Die Radikalforderung ist keine Lösung", sagte er. Es gehe darum, langfristig ein schwieriges Problem zu lösen. Zugleich wies der Vorstandsvorsitzende darauf hin, dass es derzeit eine "eindeutige Rechtslage" gebe, nach der die religiös motivierte Beschneidung minderjähriger Jungen eine Körperverletzung darstelle.

Von

dapd

Kommentare (5)

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Nachwuchs

12.09.2012, 18:59 Uhr

Beschneidung darf erst am min. 14. Lebensjahr sein. Religion darf kein Grund für die körperliche Misshandlung sein. Nimmt man Religion als rechtsfreien Raum, und die Religion darf alles machen, können die Nazis sagen, Nazi=Religion und damit haben sie gemäß unsren Politiker und Juristen richtig gehandelt. Judenmord ist also richtig gewesen! Die Islamisten handeln also richtig und dürfen Christen und andere ermorden, wie der Koran es befiehlt. Welcher Mensch kann diese Auffassung heute vertreten?

Ice66

13.09.2012, 10:33 Uhr

Nachdem selbst solche Kompromissangebote wie das in Berlin von einigen Vertretern der religiösen Beschneidungsbefürworter kritisiert worden sind, und gar nicht so selten derzeit sogar noch ohne Betäubung beschnitten wird, halte ich eine längere gesellschaftliche Debatte, wie sie Ehrmann fordert für mehr als sinnvoll.

Es ging bisher im Diskurs viel zu sehr um einen juristischen Streit. Die sachlichen medizinischen Einwände gegen eine Beschneidung wurden da oftmals als reine Meinungsäußerung abgetan und zum Teil wurde wohl auch etwas übertrieben, wobei die Befürworter verharmlost haben.

Ich würde es begrüßen, wenn die wissenschaftliche Grundlage dieser Einwände und das Fehlen von wissenschaftlichen Studien, die diese Studien widerlegen, klarer herausgearbeitet würden in dem Diskurs, zu dem es nun gekommen ist.

Account gelöscht!

13.09.2012, 11:19 Uhr

Die Darstellung im Artikel ist nicht ganz zutreffend.
Richtig ist: Bis Heute ist für die eingereichte und abgelehnte Petition der kinderhilfe und MOGiS e.V. kein widerspruchsfähiger Bescheid ergangen...
Seit mehr als 2 Jahren wurde derartige Petitionen eingereicht, immer ohne Erfolg. Und die Ablehnungen sind immer begleitet vom Hinweis, die ABlehnung brauche nicht begründet werden, o.a.
Es ist also eine stilistisch und inhaltlich miserable Petition vorgezogen worden, so als wolle man der Gegen-Beschneidung-Fraktion schaden
Dennoch steht die aktuell bei 3000 Petenten, während die Pro-Petition bei 200 herum dümpelt.
Daher wurde diese Petition nun außerhalb des Bundestagsportals lancier. Sie wird von zahlreichen, seriösen Organisationen und Einzelpersonen beworben und unterstützt.
Fidelis
www.beschneidungsforum.de

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